08. Februar 2017 Von Gelesen 1103 mal 0 Kommentar

Im letzten Blogbeitrag der Artikelserie „Gruppenleitung ohne Angst“  wollte ich Dir zeigen, wie Du Konflikte im Seminar (die unweigerlich in kleinerer oder größerer Form auftreten) managst, und produktiv für das Lernen der Teilnehmer nutzt. Diesen Blogartikel widme ich einem Thema, dass Du sicher aus endlosen Meetings, langweiligen Seminaren oder einschläfernden Trainings (nicht) kennst: Begeisterung und wirklichen Lerntransfer!

Gehörst Du zu denen die glauben, dass Wissensvermittlung mit möglichst vielen Informationen auch für viel Lerntransfer sorgt? Vielleicht hältst Du selbst öfters Powerpoint-Präsentationen und wunderst Dich, dass von Deinen 80 Folien die ersten Zuhörer schon nach der 10. Folie gähnen? Vielleicht überrascht es Dich oder möglicherweise bist Du gar geschockt: In den nun 10 Jahren in denen ich als Trainer in Organisationen, Unternehmen oder Bildungseinrichtungen arbeite, kann ich die gehaltenen Powerpoint-Präsentationen an einer Hand abzählen. Du willst wissen warum? Ich zeige Dir 3 Schritte, die Du gleich in Deinem nächsten Seminar ausprobieren und umsetzen solltest.


3 Schritte, die Dein Training oder Deinen Vortrag nach vorne bringen

1. Aktiviere das Vorwissen Deiner Teilnehmer

In der Lernfoschung wurde viel Aufwand betrieben um zu überlegen: „Wie können wir Schülern nachhaltiges Wissen vermitteln?“ Dass Schulen oft „reine Belehrungsanstalten“ sind, in denen es eher um „Selektion“ als um nachhaltiges Lernen geht, weißt du bestimmt längst. Trotzdem hat die Lernforschung viele gute Erkenntnisse gewinnen können, z. B. wie wir am Besten lernen können. So ist es nicht möglich, dass Wissen wie in einem „Nürnberger Trichter“ in den Kopf hineinzuschütten. Stattdessen lernen wir durch Verknüpfungen. Das funktioniert so, dass neues Wissen mit vorhandenem Wissen verknüpft wird, in dem dieses an die Lebenswelt oder den Wissensstand der Teilnehmer im Seminar andockt.

2. Sorge für emotionale Inhalte und emotionale Beteiligung

Dieser Punkt setzt unmittelbar am 1. Punkt an: Durch das Aktivieren von Vorwissen wird der Lerngegenstand authentisch, das heißt, er wird persönlich und damit emotional. Mit emotionaler Aktivierung ist keineswegs gemeint, dass Deine Teilnehmer allesamt in Tränen ausbrechen (vielleicht doch, dann vor Lachen…). Vielmehr ist die Bandbreite der möglichen Emotionen viel größer. Ich denke da an Betroffenheit, Freude, Heiterkeit, Inspiration, Nachdenklichkeit, uvm. Durch die emotionale Aktivierung der Lerninhalte schaffst Du den Nährboden, dass kognitives Wissen mit Gefühl aufgeladen wird und somit einen nachhaltigen Eindruck erzeugt.

3. Benutze Storytelling

Dieser Punkt gehört unweigerlich dazu, wenn Du Vorwissen Deiner Teilnehmer aktivieren willst und für emotionalen Transfer als Trainer oder Dozent sorgen willst. Geschichten erzählen, neudeutsch „Storytelling“ ist die Wunderwaffe gegen "dröge Folien" im Seminar. Geschichten können Beispiele sein, die Du zu einem Thema berichtest. Die erzählten Inhalte aktivieren in den Teilnehmern das Vorwissen und regen die eigene Fantasie an, mit dem Erzählten „zu spielen“. Dabei wäre es gar nicht mal wichtig, ob die „Geschichte“ die Du erzählst wirklich genau so war. Durch die Geschichten holst Du die Themen in den Raum und in Verbindung mit Emotionalität in die Köpfe der Teilnehmer. Das klingt einfach, ist aber manchmal gar nicht so leicht umzusetzen und braucht neben eigener Kreativität auch Anleitung, Mut zum Ausprobieren und vor allem Übung.

Keine Langeweile als Trainer oder Dozent

In diesem Artikel wollte ich Dir zeigen, warum ich im Grunde gänzlich auf Powerpoint verzichte und mit den genannten 3 Punkten mich sehr wohl fühle. Natürlich habe ich je nach Art des Trainings oder Vortrags ein Handout, ein Skript und benutze gerne ein Flipchart, am liebsten in Kombination mit einem Whiteboard. Auf dem Flipchart habe ich strukturelle Informationen, auf dem Whiteboard skizziere ich Ideen und Zeichnungen aus dem Moment, welche die oben genannten 3 Punkte anreichern.

Im nächsten Artikel will ich Dir zeigen, wie Du in die Königsklasse als Trainer aufsteigen kannst durch das „Erzählen von Geschichten“. Vielleicht denkst Du, dass „Storytelling“ ein verdammt „alter Hut“ sei. In der heutigen Zeit von Informationsüberflutung und Massenmedienkonsum ist er allerdings aktueller und dringender denn je.

11. Januar 2017 Von Gelesen 1454 mal 0 Kommentar

Katze im Sack

Wer sich als Coach etablieren möchte, hat es heute ungleich schwerer als noch vor 10 Jahren. Zwar hat Coaching mehr und mehr seinen Platz in der Gesellschaft gefunden, doch gibt es auch immer mehr "Wildwuchs".

So werden häufig Maßnahmen als Coaching bezeichnet, die für uns eher einer Fachberatung gleichzusetzen sind. Vielleicht hast Du bereits in unserem Buch "Jetzt werde ich Coach!" gelesen, was Coaching für uns bedeutet.  Um heute von seiner Profession gut leben zu können, ist es für die meisten Coaches von Nöten sich ein zweites, besser ein drittes Standbein aufzubauen. Durch die Vielzahl an Coaches, die sich am Markt tummeln, wird es nicht nur für uns schwerer sondern auch für unsere Kunden. Diese müssen nämlich aus der Vielzahl der Angebote jenes raussuchen, dass ihnen die bestmögliche Lösungsoption anbietet.

Doch wie können wir uns von der Masse abheben bzw. dem Kunden das Gefühl geben, dass er bei uns richtig ist? Ein Thema, dass nicht nur die Teilnehmenden unserer Coaching-Ausbildung weit über die Ausbildung hinaus begleitet.

Als Coaches verkaufen wir kein greifbares Produkt. Unsere potentiellen Kunden können unsere „Ware“ nicht anfassen, nicht testen. Es gibt auch keine Umtauschgarantie und keine Rückgabemöglichkeit. Das heißt, unsere Kunden geben uns einen riesigen Vertrauensvorschuss, wenn sie bei uns ein Coaching buchen und wir müssen ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht „die Katze im Sack“ kaufen.

Aufgrund dieser Unwägbarkeiten für den Kunden, darf es uns nicht wundern, wenn die Kaufentscheidung zögerlich ist bzw. sehr lange dauert. Doch wie können wir es anstellen, unseren Kunden möglichst umfassend das Gefühl zu geben, dass sie bei uns genau richtig sind?

Da viele unserer Kunden über unsere Website auf uns aufmerksam werden, gilt es hier alles dafür zu tun das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Doch was gehört dazu?

Die eigene Coach-Biografie

Zunächst einmal ist es wichtig die eigene Biografie zu beschreiben. Diese zeigt unsere bisherige Lebens- und Berufserfahrung und nicht selten suchen sich Klienten Coaches aus einem ähnlichem Berufsfeld, da dies eine gewisse Feldkompetenz erwarten lässt. Ich habe z. B. viele Jahre Softwaretrainings gegeben, bevor ich zusätzlich Coach wurde und nicht selten buchen mich Menschen aus dem IT-Sektor oder auch Projektmanager. Natürlich nicht ausschließlich aber eine gemeinsame Sprache kann die Kommunikation deutlich erleichtern.

Deine Coaching-Ausbildung

Aus der Biografie sollte nicht nur die Ursprungsausbildung bzw. das Studium hervorgehen, sondern auch Deine  Coaching-Ausbildung und wie lange Du schon als Coach arbeitest. In einem anderen Artikel (Link) haben wir uns schon mal mit dem Thema Zusatzausbildungen für Coaches beschäftigt und dafür plädiert nicht jedes Wochenendseminar aufzuführen. Diese Einstellung bleibt auch bestehen. Versetze Dich in die Lage potentieller Klienten und überlege Dir welche Information tatsächlich relevant ist. Interessanter als jeder einzelne Workshop ist für viele Klienten wie lange Du bereits als Coach arbeitest. Dies ist natürlich leichter zu schreiben, wenn man bereits einige Jahre Praxiserfahrung hat, als wenn man gerade angefangen hat. Hier kann es helfen Berufserfahrungen zu beschreiben, die die notwendige Feldkompetenz unterstreichen.

Dein Coaching-Thema

Die Klienten interessiert weiterhin auf welche Probleme Du Dich spezialisiert hast. Es gibt nicht den „Nur“-Coach. Ich habe mich z. B. auf die Themen Konflikte, Entscheidungen und Stressmanagement spezialisiert. Darum ranken sich natürlich viele Unterthemen wie persönliche und berufliche Neuorientierung, Führungsverhalten, Konflikte am Arbeitsplatz usw. Optimal ist es, wenn Deine Klienten auf Deiner Internetseite erkennen können welche „großen“ Probleme sie mit Deiner Hilfe lösen können. Also, konzentrier Dich auf wenige Themen und mach Dich darin fit.

Weniger wichtig ist es in aller Regel die zur Anwendung kommenden Methoden bis ins Detail zu beschreiben. Die wenigsten Klienten interessieren sich dafür bzw. kennen sich damit aus.

Deine Arbeitsweise als Coach

Wichtiger ist es Deine grundsätzliche Arbeitsweise während des Coachings zu formulieren und zwar in einer Sprache, die Deine Coaching-Interessenten anspricht. Versuche Dich sprachlich abzuheben, in dem Du die Sprache Deiner Kunden benutzt und nicht irgendwelche abgedroschenen Phrasen von anderen Webseiten übernimmst. Versuche bei allem was Du schreibst, die Perspektive Deiner Kunden anzunehmen. Sie sind es, die Du überzeugen willst und deren Vertrauen Du gewinnen möchtest. Schreibe so konkret wie möglich. Das macht Deine Vorgehensweise anschaulich.

Zeige Deinen Kunden, dass Du etwas von dem Problem-Thema verstehst. Behandle dies eingehend auf Deiner Internetseite, damit die Lesenden erkennen können, dass Du Dich intensiv mit der Thematik beschäftigt hast und Dich auskennst. Erfolgreiche Fallbeispiele können das Bild abrunden.

Falls Du schon Artikel oder interessante Blogbeiträge zu „Deinen“ Themen veröffentlicht hast, solltest Du auch das erwähnen, da es Deine Kompetenz unterstreicht.

Professionalität ist gefordert

Nicht vergessen solltest Du, einen professionellen Umgang mit Deinen möglichen Klienten zu pflegen. Hier kann es Sinn machen, sich eine Routine zu überlegen, die Du dann auch einhältst. Dazu gehören solche Dinge wie. Wie schnell rufst Du zurück? Wie gut bist Du erreichbar? Wie viel Zeit möchtest Du Dir für ein Vorgespräch nehmen? Ist dies kostenfrei oder kostenpflichtig? Wie schnell erstellst Du ein Angebot?, usw. Dies sind alles Kriterien, die dazu geeignet sind ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen.

Damit Du Dich von Anfang an professionell aufstellen kannst, ist eine Coaching-Ausbildung auf jeden Fall ein notwendiger Basis-Baustein für Deine Karriere als Coach. Hier lernst Du nicht nur Methoden kennen, sondern lernst vor allem Dein Persönlichkeitsprofil zu schärfen. Doch neben persönlicher und fachlicher Kompetenz gehört zum Coach-Sein auch ein nicht zu verachtender Unternehmergeist dazu. Ansonsten verwässert Dein Angebot und bleibt doch die Katze im Sack, die sich nicht raus traut ;-)

03. Januar 2017 Von Gelesen 1520 mal 0 Kommentar

Im zweiten Teil der Artikelserie hast Du erfahren, wie wichtig es für Deine Trainertätigkeit ist, dass Du Dich selbst gut kennst und führen kannst. In der TZI, der Themenzentrierten Interaktion, nennt man das auch das „chairperson postulat“. Elementar ist es, sich selbst differenziert wahrnehmen zu können und Verantwortung für sein Tun zu übernehmen. Wichtig war mir auch, auf eine Grundkompetenz aufmerksam zu machen, die in direktem Zusammenspiel mit Dir als Leitungsperson steht: Folgen und Führen. Um eine lebendige Lernatmosphäre herzustellen, solltest Du ein gutes Gefühl dafür haben, wann Du in die Gruppenleitung gehst und wann Du der Gruppe „folgst“. Hier schließt sich auch der Kreis zur Führung von Menschen in Gruppen: Nur wer sich selbst gut führen kann, kann auch andere führen.

Heute geht es darum, ein großes „Schreckgespenst“ für Trainer, Dozenten oder Seminarleiter zu entschärfen: Konflikte. Dazu will ich Dir an einem Praxisbeispiel zeigen, wie Du produktiv mit Konflikten umgehen kannst und diese Motor für ein lernorientiertes Gruppenklima sein können.

Harmoniesüchtige oder „Krawaller“ im Training?

Eins vorweg: Störungen und Konflikte im Seminar sind normal. Wo Menschen miteinander arbeiten oder etwas gemeinsam tun gibt es unterschiedliche Sichtweisen, Herangehensweisen, Bedürfnisse, usw. Entscheidend ist für Dich als Trainer wie Du damit umgehst. In der Praxis gibt es sehr unterschiedliche Seminaraufträge: Wirst Du von einer Firma für ein Seminar zur Teamfindung gebucht, werden an Dich als Trainer ganz andere Anforderungen gestellt als in einem Seminar zur Entwicklung von soft skills. Der Auftrag bestimmt sehr Dein Leitungsverhalten. Anhand eines Praxisbeispiels will ich Dir verschiedene Handlungsmöglichkeiten beim Auftreten einer „Störung“ aufzeigen.

Ein ganz normaler Traineralltag…

Beispiel: In einem Führungskräftetraining mit 7 Teamleitern (vier Frauen, drei Männer) soll der konstruktive Umgang mit Konflikten geschult werden. Das Training findet in einem Seminarraum im Unternehmen statt und ist für 3 Tage angesetzt. Der Raum selbst hat viel Tageslicht und eine angenehme Arbeitsatmosphäre (Teppichboden, bequeme Stühle, Schrank mit Materialien wie Flipchart und Moderationskoffer, Kaffee und Getränke, usw.). Alle Teilnehmer kennen sich. Du beginnst mit einer ressourcenorientierten Einstiegsrunde. Da Du mehr über die Teilnehmer erfahren möchtest und neue Perspektiven erlebbar machen willst, lässt Du zirkulär fragen: Herr Meier, was würden Sie sagen, was sind die drei größten Stärken von Frau Schmitt? Dann fragst Du Frau Schmitt: „Was würden Sie sagen sind die drei größten Stärken von Frau Günther“, usw. Während der Gesprächsrunde bemerkst Du „Seitengespräche“, welche die Konzentration und die Aufmerksamkeit ablenken und den Fokus stören. Wie gehst Du damit um?

Vorsicht Trainerfalle…

Als unerfahrener Trainer beziehst Du möglicherweise die „Störung“ gleich auf Dich und fragst Dich: Was habe ich denn jetzt (schon wieder) falsch gemacht? Warum hören die nicht zu? Was soll denn dieser „Ungehorsam“? Und vielleicht weiter: „Ich fühle mich als Trainer überhaupt nicht ernstgenommen hier…und … deswegen bin ich gleich „beleidigt“ und will nicht mehr „mitspielen“…. Möglicherweise hoffst Du bereits jetzt, dass ein anderer mal „seine Kollegen“ zur Ordnung ruft. Das sei ja ein echter „Sauhaufen“ hier, schließlich wolle man ja ein Seminar zur Konfliktlösung besuchen…

Vielleicht musst Du jetzt schmunzeln, das hier aufgezeigte Beispiel mag lustig klingen. In dem Moment kann die Situation für den Trainer aber schnell unangenehm und „heiß“ werden, wenn Du nicht weißt was jetzt am besten zu tun ist. Vielleicht werden bereits jetzt „alte Muster“ aktiviert und es gab schon einmal Situationen, in denen Du das Gefühl hattest das Dir etwas „entgleitet“. Oder Du erinnerst Dich, wie Deine ersten Erfahrungen mit „Störungen“ und „Ungehorsam“ waren und denkst: „Die muss ich jetzt mal zur Ordnung rufen (oder brüllen)!.“ Und während Du gerade Dein „eigenes Konflikttraining in Dir selbst“ austrägst, quasseln die Seitengespräche munter weiter.

1. Schritt: Wahrnehmen was ist - Distanz und Meta Ebene als Leiter

Ein konstruktiver Schritt, um gelassen und angstfrei mit der Situation umzugehen ist, auf die Meta-Ebene zu wechseln.

„Äh…liebe Teilnehmer…ich habe gerade den Eindruck, dass etwas anderes wichtiger für Sie ist, als die Einstiegsrunde, ich nehme gerade recht viel Bewegung in der Gruppe wahr…..Pause….Es fällt mir gerade sehr schwer, Frau Schmitt konzentriert zuzuhören und ich kann mir vorstellen, dass Ihnen das ebenso geht…Pause…Ich frage Sie einfach, wie geht es Ihnen selbst gerade damit?“

Mit dieser „Intervention“ wechselst Du auf die Beobachtungsebene, auch „Meta“ genannt. Du sprichst sozusagen über das Seminargeschehen selbst und teilst mit, wie es Dir gerade damit geht. Damit beschreibst Du Deine momentane Wahrnehmung und bittest die Gruppenteilnehmer, ebenso zu beschreiben wie es für Sie ist.
Wichtig: Den Gruppenteilnehmern Zeit zu geben sich zu sammeln und ggf. zu äußern. Falls sich niemand „trauen“ sollte könntest Du einen Gruppenteilnehmer gezielt ansprechen:

„Herr Döppenschmidt, wie ist es für Sie gerade im Moment, wie nehmen Sie das wahr?“

Erstaunlich seine Antwort: “Ja, Herr Reitz, wie soll ich sagen. Es gibt im Moment ein Thema, was uns im Unternehmen sehr beschäftigt. Ein Teil unseres Unternehmens soll an eine Firma aus Kanada verkauft werden. Im Moment gibt es dazu Verhandlungen und die Unternehmensleitung ist sehr spärlich mit Ihren Informationen. Heute Morgen erst kam eine ganz kurze Meldung über das Intranet.“

In diesem Moment wird klar, dass ein „übergeordnetes Bedürfnis“ im Moment da ist und der Grund für die „Störung“. Wichtig ist, dass der Grund für die momentane „Gruppenbewegung“ benannt wird und die Menschen sich damit „gesehen und gehört“ fühlen.

„Ah, ich verstehe, ich kann mir vorstellen, dass dies eine große Unsicherheit bedeuten kann und vielleicht auch Zukunftssorgen“…..

Mehr muss darüber vielleicht gar nicht gesagt werden. Sollte das Thema aber sehr brisant sein, könntest Du genau diesen Anlass auch „utilisieren“ und zum Gegenstand des Seminarthemas machen.

„Ich sehe, das beschäftigt sie sehr. Wäre es für Sie OK, wenn wir die Einstiegsrunde noch beenden und anhand dieses aktuellen, brisanten Anlasses zum Thema innere und äußere Konflikte gehen?“

Mit dieser Eingabe könntest Du ganz aktuell und praxisnah zum Thema innere Konflikte arbeiten.

Beispiel für inneren Konflikt: im Seminar das Seminargeschehen verfolgen / mit den Kollegen über die aktuellen Ereignisse sprechen

Beispiel für äußeren Konflikt: Das Unternehmen weiterentwickeln / Angst vor Arbeitsplatzverlust und Veränderung.
So wäre das Thema des Seminars direkt anschlussfähig an das Thema, das zweifellos im Moment eine hohe Betriebstemperatur hat. Gesagt werden muss aber auch: Das genannte Vorgehen erfordert mutiges, entschlossenes und kreatives Trainerhandeln und erfordert sicher auch Erfahrung.

Dein „Handwerkskasten“ als Trainer

Zeigen wollte ich Dir an einem alltäglichen Praxisbeispiel, wie Du Konflikte ganz praktisch (ohne Angst!) in Dein Seminargeschehen integrieren kannst und für das Lernen der Teilnehmer nutzbar machst. Selbstverständlich gäbe es noch viel mehr Möglichkeiten, in der oben genannten Situation zu reagieren. Je nach Seminarthema und Kontext könnte eine andere Vorgehensweise viel sinnvoller und hilfreicher sein, als die hier gezeigte Möglichkeit.

Du möchtest „Dein persönliches Konfliktset“ aufbauen oder ausbauen und in „brenzligen“ Situationen vielfältiges Handwerkszeug haben?

Am 8. Februar beginnt unsere Strukturierte Trainerausbildung bei Frankfurt am Main.

Im nächsten Artikel zeige ich Dir, wie Du einen sagenhaften Lerntransfer schaffst in dem Du das wichtigste Kapital Deiner Teilnehmer aktivierst und ins Seminargeschehen bringst.

29. Dezember 2016 Von Gelesen 924 mal 0 Kommentar

Trainer RegelnZum Jahresende, möchte ich Dir ein paar Tipps für Deine Trainerkarriere mit auf den Weg geben.

Ich habe sie so aufgeschrieben, wie sie mir eingefallen sind. Das heißt die Reihenfolge ist rein zufällig. Vielleicht sagst Du während des Lesens: “Das ist doch wohl selbstverständlich. Das weiß doch jeder.“ Doch hier kommt der Unterschied zwischen Wissen und Können bzw. Umsetzung ins Spiel. Mit Sicherheit wirst Du vieles aus Deiner eigenen Erfahrung als Seminarteilnehmer kennen und hast Dir damals gedacht: „Wenn ich Trainer bzw. Trainerin wäre, dann würde ich das aber so und so machen.“ Und nun ist es soweit, dass Du eigene Seminare, Kurse oder Workshops anbietest und Dich selber unter Beweis stellen musst.

Die nachfolgende Auflistung ist nur als Anregung zu verstehen. Es gibt noch viel mehr, auf das es zu achten gilt. Vieles von dem wirst Du sicher schon anwenden, anderes fällt Dir vielleicht noch schwer. Als Trainer ist neben dem Fach- und Methodenwissen auch die eigene Trainerpersönlichkeit im Spiel. Deren Entwicklung braucht manchmal Zeit und ehrliches Feedback. Nun aber los.

Trainer Do`s - Darauf solltest Du achten

  • Versuche zu Beginn des Seminars das „Eis zu brechen“. So kommen alle miteinander in Kontakt.
  • Solltest Du eine Power Point-Präsentation halten, sorge auch für entsprechende Ausdrucke.
  • Versuche Deine Kursteilnehmer zu aktivieren.
  • Nimm Dir am Anfang eine Minute Zeit: Nur zum atmen. Das hilft Dir, Dich auf die Gruppe zu fokussieren.
  • Lass Dir am Ende des Seminars Feedback geben.
  • Fördere die Interaktion unter Deinen Seminarteilnehmern.
  • Gib eine Agenda heraus, so dass sich Deine Teilnehmer orientieren können.
  • Formuliere zu Beginn Grundregeln.
  • Plane Zeit für Fragen und Diskussionen ein.
  • Stelle Dich auf Deine Zielgruppe ein.
  • Zeige, dass Du für das jeweilige Thema „brennst“.
  • Informiere Dich vorab über Deine Zielgruppe.
  • Bereite Dich gewissenhaft vor: Deine Kunden haben es verdient.
  • Bleibe bei aller Planung flexibel.
  • Zeige, dass Du das Material kennst, welches Du verteilst.
  • Teile Beispiele, Geschichten und Erfahrungen mit Deinen Seminarteilnehmern.
  • Behalte stets die Kontrolle über die Durchführung des Seminars bzw. Workshops.
  • Lass Deine Seminarteilnehmer mit einem Lächeln nach Hause gehen.
  • Sorge für emotionale Beteiligung.
  • Gib ein strukturiertes Skript heraus.
  • Entwickle Sinn für Humor.
  • Nimm Dich nicht zu wichtig.
  • Lass Deinen Teilnehmern Zeit auf Fragen zu antworten.
  • Nutze das Fachwissen der Gruppe.
  • Nutze kleine Gruppendiskussionen zur Erweiterung des Themas.
  • Denke daran erlerntes Wissen zu überprüfen. Das stärkt die Selbstwirksamkeit jedes Einzelnen.
  • Kleine Snacks und Getränke werden gerne genommen ;-).
  • Wiederhole Fragen und Kommentare, so dass jeder sie hören kann.
  • Sorge für einen pünktlichen Start und ebenso für ein pünktliches Ende. Das unterstreicht Dein strukturiertes Vorgehen.
  • Sei offen für andere Gedanken und Meinungen.
  • Achte auf ausreichende Pausen.
  • Schaffe eine angenehme Trainingsumgebung.
  • Sprich verschiedene Lerntypen durch unterschiedliche Methoden an.
  • Versuche möglichst viel Praxisbezug herzustellen.


Trainer- Dont`s - Hierauf solltest Du möglichst verzichten

  • Duze Deine Teilnehmer, ohne vorher zu Fragen. Damit schaffst Du sofort Nähe.
  • Bereite Dich möglichst wenig vor. Das zeigt wie spontan Du bist.
  • Lies Deine Power-Point-Folien ab.
  • Präsentiere in monotoner Stimmlage.
  • Beeil Dich möglichst, damit Du viel Stoff in kürzester Zeit vermitteln kannst.
  • Überfordere Deine Lernenden, denn nur so lernen sie ihre Grenzen kennen.
  • Sprich besonders schnell, damit jeder merkt, dass Du viel weißt.
  • Bewege Dich möglichst viel vor den Zuhörern. Das unterstreicht Deine Dynamik.
  • Lass Dich auf jedes Nebengespräch ein, das zeigt wie flexibel Du bist.
  • Ignoriere Teilnehmer, die Dir nicht sofort sympathisch sind.
  • Stelle Fragen, auf die Du selbst die Antwort nicht weißt.
  • Erweitere die Pausen, je nach Deiner Tagesverfassung.
  • Unterstreiche Deine Expertise, indem Du häufig Fremdwörter oder Abkürzungen benutzt.
  • Geh immer davon aus, dass alle den gleichen Wissensstand haben.
  • Biete individuelle Anfangs- und Endzeiten an.
  • Beginne erst, wenn auch wirklich der letzte Kursteilnehmer eingetroffen ist.
  • Beende den Seminartag möglichst früh.

Was ist für Dich ein absolutes No-Go als Trainer? Ich bin gespannt!!

Dies alles, und noch viel mehr kannst Du in unserer Trainer-Ausbildung lernen, die am 08.02.2017 beginnt :-))

  • Telefon: 030 - 71 53 82 83
  • Telefon: 06051 - 47 01 20