11. Mai 2017 Von Gelesen 378 mal 0 Kommentar

Zufrieden in Coaching Praxis10 Tipps für eine erfolgreiche Coachingpraxis

Wie erreiche ich eine gut gehende Coachingpraxis? Worauf sollte ich achten und wie mache ich mir einen guten Namen? Diese und ähnliche Fragen werden von angehenden Coaches immer wieder gestellt.

Ich möchte in diesem und dem nächsten Artikel 10 wichtige Tipps geben, die mir geholfen haben, als Coach Fuß zu fassen. Die Liste ist natürlich nicht vollständig und spiegelt nur meine eigene Erfahrung wieder. Wenn jemand ähnliche oder auch ganz andere Erfahrungen gemacht hat, freue ich mich auf entsprechende Kommentare.

Tipp 1 – Eine solide Ausbildung

Dies ist für mich DER wesentliche Ausgangspunkt. Leider gibt es noch immer Leute die glauben, Coaching macht man mal eben so nebenbei und da reiche der vermeintlich gesunde Menschenverstand. Das letzterer hilfreich ist steht außer Frage. Doch meiner Meinung nach ist es wichtig eine gut strukturierte Ausbildung zu absolvieren, welche die Möglichkeit zur Selbstreflektion und damit verbundener Persönlichkeitsentwicklung bietet. Außerdem sollte sie praxisnah angelegt sein und eine Vielzahl an Methoden bieten. Wobei ich hier ganz klar die Meinung vertrete, dass man nicht durch die Methoden zum Coach wird sondern durch seine Haltung(en).

Sinnvoll finde ich auch einen „Schulen übergreifenden“ Ansatz, um möglichst viele Facetten kennen zu lernen. Dies können systemische Ansätze oder humanistische Ansätze sein, genauso wie Hypnose, lerntheoretische Ansätzeoder Tiefenpsychologie. Eine Ausbildung in dieser Form dauert deutlich länger als ein „Wochenendkurs“. Mit einem halben bis dreiviertel Jahr muss man schon mindestens rechnen. Auch danach heißt es fleißig weiterlernen. Für die eigene Professionalisierung sollte man schon ein bis zwei Weiterbildungen im Jahr einplanen. Welche man hier wählt ist natürlich vom eigenen Schwerpunkt, siehe nächster Tipp, abhängig.

Tipp 2 – Konzentration

Ich persönlich finde es gerade zu Anfang hilfreich, sich auf bestimmte Themen oder Zielgruppen zu fokussieren. Ob es hier nun die Themen Burn-Out und Resilienz oder Karriereplanung und Stressbewältigung sind, ist vom persönlichen Schwerpunkt abhängig. Durch die Konzentration auf wenige Themen, kann man sich in diesen professionalisieren und macht sich damit in einem bestimmten Bereich einen Namen. Ähnlich verhält es sich mit der Zielgruppe. Hier kann es ebenfalls Sinn machen sich zu konzentrieren, sei es auf die Gruppe der Fach- und Führungskräfte oder Frauen über 45, Personen beim Übergang in den Ruhestand oder vielleicht Jugendliche beim Übergang Schule – Beruf. Die potentiellen Klienten suchen nicht den oberflächlichen Allrounder der vermeintlich alles kann. Sie suchen einen Spezialisten, der Ihnen bei der Lösung ihres persönlichen Problems hilft.

Tipp 3 – Methodensicherheit

Im Rahmen einer Ausbildung lernt man eine ganze Reihe von Tools. Diese sollten möglichst in der Praxis angewendet werden, so dass man auch wirklich von Methodensicherheit sprechen kann. Durch die Vielzahl von Methoden die es gibt, läuft man unter Umständen Gefahr zu glauben man müsste in jeder Methode ein Experte sein. Wichtiger ist es auch hier sich aus der Vielzahl der Möglichkeiten zunächst eine Handvoll auszuwählen und mit diesen zu arbeiten bis man sich darin sicher fühlt. Aus meiner Erfahrung wendet man nur die Tools an, die man geübt hat und mit denen man sich selber wohl fühlt. Doch Achtung! Die Methode sollte immer an die Klienten angepasst werden und nicht die Klienten an die Methoden. Der sichere Umgang mit Methoden führt auch zu selbstsicherem Auftreten gegenüber (potentiellen) Klienten.

Tipp 4 – Finanzielle Rücklagen für die ersten Jahre

Nicht zu vernachlässigen sind eventuelle finanzielle Durststrecken die zu überwinden sind. Kann man sich zunächst „nebenbei“ selbstständig machen, hat man zwar finanziell keine Probleme. Dafür hat man weniger Zeit sein eigenes Geschäft aufzubauen. Kündigt man seinen bisherigen Job hat man viel Zeit sich um sein neues Geschäft zu kümmern. Man hat aber in den ersten Jahren (ca. 3 – 5), deutlich weniger Geld zur Verfügung.

Es ist unglaublich wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und sich um finanzielle Sicherheiten für die ersten Jahre zu kümmern. Es ist sehr energieraubend und bereitet zusätzlichen Stress, wenn man sich einerseits um sein Geschäft kümmern möchte, andererseits aber kein Geld für die professionelle Gestaltung einer Internetseite hat oder nicht weiß, von welchem Geld man in den nächsten Monaten die Praxismiete bezahlen soll, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Tipp 5 – Netzwerkmarketing

Natürlich kann man jede Woche Anzeigen in die Tageszeitung setzen oder monatlich neue Flyer erstellen. Dies ist aber sehr kostenintensiv und der Erfolg lässt nicht selten auf sich warten. Sinnvoller erscheint es mir bei allen nur erdenklichen Gelegenheiten über die eigene Arbeit bzw. sein Angebot zu sprechen und dabei nebenbei eine Visitenkarte zu überreichen. Dies kann auf einer Feier unter Freunden ebenso sein wie beim Einkauf in naheliegenden Geschäften oder im Verein oder, oder, oder. Dies soll nicht heißen, dass man jedem ständig davon erzählen soll was man für ein toller Coach ist, sondern es geht eher darum zu erläutern was die eigene Arbeit ausmacht und was jemand davon haben kann, wenn er ein Coaching bucht, sprich klar zu machen welchen Mehrwert man bieten kann. So spricht es sich nach und nach herum. Zum Netzwerkmarketing kann auch die Kooperation mit Kollegen gerechnet werden, wodurch sich erfolgversprechende Synergieeffekte ergeben können.

Tipp 6 - 10 folgt in 14 Tagen.

Vielleicht möchtest Du schon mal Deine eigenen Erfahrungen mitteilen?

Welche Erfahrungen hast Du am Anfang Deiner Selbstständigkeit als Coach gemacht? Welchen Tipp würdest Du gerne weitergeben? Oder hast Du Fragen zur Selbstständigkeit als Coach?

Ich freue mich auf Deinen Kommentar. 

11. Mai 2017 Von Gelesen 374 mal 0 Kommentar

Als Coach Mut beweisen

Wie oft hast Du schon da gesessen und Dir gesagt:“ Wenn ich könnte wie ich wollte...“ oder „Am liebsten würde ich ja, aber...“, „Damit hätte ich früher anfangen sollen...“ usw. usw.

So manchem Interessenten für eine Coaching-Ausbildung geht es ebenso. Gerne würden sie, doch noch nicht jetzt, nicht zu diesem Zeitpunkt. Doch wann ist der Richtige Zeitpunkt gekommen das zu tun was Dir wirklich wichtig ist?

Gerne finden wir Ausreden etwas nicht tun zu müssen, obwohl wir es in unserem tiefsten Innersten doch gerne tun würden. Entweder sind wir „plötzlich“ zu alt, oder müssen uns um unsere Kinder oder die älter werdenden Eltern kümmern. Es gibt viele innere Überzeugungen, die uns von unseren wahren Bedürfnissen ablenken können. Diese können so stark sein, dass man sich oft gar nicht vorstellen kann, einfach das zu tun was jetzt „dran“ wäre.

Ich möchte Dir in diesem Artikel einige Ideen an die Hand geben, die Dir dabei helfen könnten tatsächlich mal das zu tun, was DIR wirklich wichtig ist. So, dass Du als Coach gegenüber Deinen Klienten mit gutem Beispiel voran gehen kannst ;-)

Nebenbei bemerkt, gab es eine Umfrage einer australischen Palliativkrankenschwester (Bonnie Ware) unter Sterbenden. Sie fragte die Menschen, was in Ihrem Leben sie am meisten bereut hätten.

Dies sind die fünf häufigsten Antworten:

1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.“
2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.“
3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.“
4. „Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten.“
5. „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.“

Also fern ab, von viel Geld, großem Haus und schnellem Auto. Es kommt vielleicht mehr darauf an, etwas weniger von dem zu tun was Dich anstrengt, bzw. stresst also eher etwas wegzulassen als vermeintlich Fehlendes mit aller Kraft erreichen zu wollen.

Vielleicht helfen Dir die folgenden Ideen Deine „wahren Träume“ umzusetzen.

4 Ideen für ein authentisches Leben

1. Lebe nicht nach den Erwartungen anderer Menschen

Hast Du schon mal darüber nachgedacht, warum Du den Beruf ausübst, den Du jetzt ausübst? Und, warum arbeitest Du noch immer in dem Job, obwohl er Dich nicht wirklich glücklich macht? Kann es sein, dass Du Angst hast andere Menschen zu enttäuschen, wenn Du deren Erwartung nicht erfüllst? Erwartungen Deiner Eltern, dem Ehepartner, dem Chef usw?

Das heißt: Wenn Du Dein Leben nach Deinen Wünschen gestalten möchtest, kann es passieren, dass Du immer mal andere enttäuschen musst.

Eltern, Partner, Chefs, Mitarbeiter, Freunde – vielleicht sogar Dich selbst, weil Du keine Lust mehr hast, bestimmten Ansprüchen hinterher zu laufen. Andere zu enttäuschen kann unangenehm sein, vor allem wenn Du vielleicht Angst vor Konflikten hast und viel dafür tust, von anderen geliebt zu werden.

Aber wirst Du nicht auch öfters von anderen enttäuscht – und überlebst das auch?

2. Glaube nicht an Wunder, glaube an Dich selbst

Gehörst Du auch zu denen, die sich nach einer Flugzeuglandung bekreuzigen? Oder sprichst von einem Schutzengel, wenn Du knapp an einem Unfall vorbeigekommen bist?

Glaubst Du als Coach auch daran, dass Deine Kunden schon den Weg zu Dir finden werden und Du keine Werbung machen musst? Sorry, aber vergiss das. Wenn Du als Coach mit Klienten arbeiten möchtest, musst Du Dich aktiv darum kümmern.

Und auch sonst gilt: Wenn Du mehr von dem tun möchtest was Dir Spaß macht, was Dir wichtig ist, dann bist Du selber dafür verantwortlich. Das nimmt Dir leider niemand ab und ein Wunder wird da leider nicht helfen.

3. Vergiss Deinen Perfektheitswahn

Perfektion ist unnatürlich und lebensfeindlich. Denn der fehlerfreie Zustand würde Stillstand bedeuten. In einer perfekten Welt mit ebenso perfekten Menschen ohne Unterschiede würde jeder Antrieb, etwas zu tun, erlahmen. Die Natur macht ja auch dauernd „Fehler“, das heißt, sie weicht vom Ideal ab. Und erst dadurch entstehen Vielfalt und Entwicklung.

Der Wunsch nach Perfektion ist ein von Menschen gemachtes Konstrukt (Ich weiß, wovon ich rede ;-)). Meist weil wir Fehler überbewerten und als Versagen interpretieren. Das lernen wir oftmals schon im Elternhaus oder in der Schule durch das Notensystem.

Natürlich gibt es Bereiche, wo Perfektion wünschenswert ist. Wenn ich mich z. B. operieren lassen muss, möchte ich natürlich das alles perfekt verläuft. Doch wie man weiß, ist auch dies oft nur ein frommer Wunsch...

Und für die meisten Dinge im Leben gibt es ohnehin keine Kriterien für Perfektion:

  • Wie ist der perfekte Partner/die perfekte Partnerin?
  • Was müssen perfekte Eltern tun oder lassen?
  • Wie arbeitet ein perfekter Coach?

Also: Entspann Dich. Hör auf, perfekt sein zu wollen. Tu Dein Bestes. Das reicht meistens. Und manchmal eben nicht. So what?

4. Du musst nicht auf allen Hochzeiten tanzen

Wenn Du erfolgreich bzw. glücklich sein willst bei dem was Du tust, gib Dir die Erlaubnis in die Tiefe, statt in die Breite zu gehen. Zehnkämpfer können nie in allen Disziplinen so gut sein wie ein Einzelkämpfer in seiner Disziplin.

Egal ob Du Dich als Coach selbstständig machen möchtest, oder ein interessantes Hobby pflegst. Wenn Du darin ganz präsent bist und Dich ganz dieser Sache widmest, wirst Du weiter kommen, als wenn Du Dich verzettelst weil Du glaubst, Du musst auf allen Hochzeiten tanzen.

Vielleicht können Dir diese Gedanken helfen, Dich auf das Wesentliche in Deinem Leben zu konzentrieren. Auf das, was DIR tatsächlich wirklich ist.

02. Mai 2017 Von Gelesen 654 mal 0 Kommentar

5 Anfängerfehler als Coach, in die Du bitte nicht tappst.

Als Coaching-Neuling bist Du bestimmt top motiviert, Klienten bei der Hilfe von Problemen oder Belastungen zu unterstützen. Trotz einer soliden Ausbildung können in der Praxis Risiken und Fehler auftreten, vor denen niemand gefeit ist. In dem Artikel möchte ich Dir typische Anfängerfehler aufzeigen und gleich einen möglichen Lösungsansatz mitlie-fern.

Anfängerfehler 1 im Coaching:

Der Klient hat falsche oder zu hohe Erwartungen an das Coaching mit Dir.

Lösung:

Dieser Punkt kann insbesondere am Beginn Deiner Tätigkeit herausfordernd sein. Vielleicht bist Du unsicher, was Du als Coach leisten kannst oder „musst“. In einer guten Coaching-Ausbildung solltest Du allerdings gelernt haben, dass eine saubere Auftragsklärung bereits der halbe Coaching-Prozess ist. Du solltest also im Erstgespräch (z. B. am Telefon) schon realistisch die Möglichkeiten benennen, die ausgehend vom Anliegen des Klienten im Coaching leistbar und realistisch sind. Hierbei solltest Du auch darauf achten, dass kleine Ziele die Wahrscheinlichkeit der Erreichung wesentlich steigern, und damit auch die Selbstkompetenz des Klienten stärken. Wichtig ist, Deine Rolle als „Prozesshelfer“ zu definieren und auch zu kommunizieren. Hier ist auch Vorsicht geboten, denn der Coach könnte durch unrealistische Erwartungen des Klienten wie „Ich weiß, Sie als Coach können mir da auf jeden Fall weiterhelfen“, sich auf ein Podest gestellt sehen. Solche Glorifizierungen sollte der Coach immer selbstkritisch sehen.

Anfängerfehler 2 im Coaching:

Der Coach wird zum Allheilmittel in allen Lebenslagen

Lösung:

Das kann verführerisch sein; ist auch der Coach „wirtschaftlichen Zwängen“ ausgesetzt und freut sich über eine gebuchte Beratungsstunde. Um eine Unabhängigkeit vom „reinen Coaching“ zu gewährleisten, halten wir grundsätzliche eine „Mischkalulation“, wie sie in der Praxis oft vorkommt für sinnvoll. Viele Coaches arbeiten demnach auch im Trainingsbereich und umgekehrt. Weiterhin halten wir eine Haltung gegenüber dem Coach im Sinne von „Was kann ich tun, damit Sie mich so schnell als möglich nicht mehr brauchen“, für sinnvoll und ethisch verantwortbar. Im Kern ist Coaching eine Hilfe zur Selbsthilfe und Dein Klient sollte wichtige Kompetenzen auch in andere Lebensbereiche transferieren können.

Anfängerfehler 3 im Coaching:

Der Coach nutzt die Arbeit mit Klienten, um eigene unerfüllte Wünsche zu befriedigen

Lösung:

Wie in anderen helfenden Berufen steht hinter jedem Coach auch ein Mensch mit wichtigen Bedürfnissen und Wünschen. Fahrlässig handelt der Coach, wenn er die Coaching-Arbeit zur Kompensation eigener unerfüllter Wünsche nutzt oder sich an den Problemen oder gar dem Leid von belasteten Menschen „ergötzt“. Entsprechende Selbsterfahrung und auch die Kenntnis eigener „Strickmuster“ sollte in einer Coaching-Ausbildung und auch danach selbstverständlich sein. Strenggenommen ist das ein nie endender Prozess, da das reale Leben auch Entwicklungskrisen und Lebensübergänge für den Coach bereithält.

Anfängerfehler 4 im Coaching:

Der Coach gibt seine Neutralität auf

Lösung:

Das kann insbesondere dann passieren, wenn eine prozessorientierte Beratungshaltung nicht oder ungenügend ausgebildet ist. Nur zu gerne laden Klienten, oft implizit, den Coach ein, seine persönliche Meinung und seinen geschätzten Rat kundzutun. Hier sollte der Coach seine eigenen Kommunikationsmuster und auch sein eigenes Wertesystem gut kennen und auch immer wieder hinterfragen.

Anfängerfehler 5 im Coaching:

Der Coach wird Opfer von „Therapeutenfutter“

Lösung:

Insbesondere in der Kindheit werden häufig die „größten Probleme des Menschen“ vermutet. Allzu leicht kann die Versuchung bestehen, bei den „Kindheitsthemen“ die der Klient anspricht in die Tiefe zu gehen. Klar ist: Jeder Mensch hat (auch der Coach!) Themen aus der Kindheit die ihn auf irgendeine Weise, in positiver oder negativer, geprägt und beeinflusst haben. Falls diese Themen relevant sind für das Coaching-Anliegen kann ein Vertiefen durchaus Sinn machen. Falsch wäre, wenn der Coach hierauf „einsteigt“ und nicht das Ziel bzw. den Auftrag des Klienten im Coaching im Blick hat.

In diesem Artikel wollte ich Dir zeigen, welche „Tücken“ oftmals ganz einfach geglaubte Situationen im Coaching haben können. Unabdingbar für Deine professionelle Arbeit als Coach sind Deine Haltung gegenüber dem Klienten, Selbsterfahrung und auch die Kenntnis über das „Strickmuster“ der eigenen Person. In diesem Sinne, wünsche ich Dir viele gute Erfahrungen und den Wunsch, Dich in Deinen Fähigkeiten immer weiter zu qualifizieren und weiter lernen zu wollen.

11. April 2017 Von Gelesen 781 mal 2 Kommentare

Coaching oder PsychotherapieGroße Verunsicherung von Seiten des Coaches kann entstehen, wenn Klienten im Coaching von zurückliegender, psychischer Erkrankung sprechen. Ist die psychische Erkrankung vielleicht wiedergekommen? Kann ich hier trotzdem ein kompetenter Coach sein? Was ist, wenn das aktuelle Coaching-Anliegen auch eine psychische Erkrankung ist oder damit irgendwie im Zusammenhang steht? In diesem Artikel möchte ich Dir helfen, klarere Grenzen für den Umgang mit den genannten Fragestellungen zu ziehen.

Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Psychotherapie?

Wo hört Coaching auf, wo fängt Therapie bzw. Psychotherapie an? Wie kann ich als Coach Sicherheit bekommen? Diese Fragen wurden auch in unserer Coaching-Ausbildung schon mehrfach gestellt. Als Hilfe soll diese Unterscheidung dienen: Coaching ist die Arbeit mit prinzipiell psychisch gesunden Menschen, die aktuell in einer Konflikt- oder Krisensituation (z.B. vor wichtigen Entscheidungen) Orientierung suchen. Von psychischer Erkrankung sprechen wir, wenn Leiden mit Krankheitswert zu verzeichnen sind. Krankheitswert definiert sich nach gültigem Standard nach der ICD-10, der sogenannten internationalen Klassifikation der (psychischen) Störungen. Als „medizinischer“ Laie ist es aber unmöglich, nun diesen ganzen „Störungskatalog“ im Hinterkopf zu haben.

Beispiele für psychische Störungen im Coaching

Hinweise auf psychische Störungen können nur zu einem sehr kleinen Teil an der äußeren Erscheinung festgemacht werden. Vor allem im Gespräch sollten bestimmte Hinweise auf psychische Erkrankungen erkannt werden können.

Hilfreiche Hinweise können sein:

  • Berichtet der Klient, dass ihm alles sehr schwer falle und ihm Dinge die er gerne getan hat nun keine Freude mehr machen?
  • Klagt er über schlechten Schlaf oder mangelnden Appetit?
  • Äußert er, dass er seit einigen Wochen unter „gedrückter Stimmung“ leide?
  • Spricht er möglicherweise Sätze wie „Alles macht keinen Sinn“, „ohne mich ginge es allen besser“ oder „ich bin anderen nur eine Last“?

Diese Hinweise könnten auf eine depressive Verstimmung oder depressive Episode hinweisen. Im letzten Punkt könnte auch eine suizidale Einengung vorliegen. Das heißt: Der Klient deutet Suizidgedanken an. Solche Hinweise sollten sehr ernst genommen werden und der Klient sollte motiviert werden, sich in diesem Falle einer ärztlichen Abklärung zu unterziehen. Depressive Störungen können bzw. könnten vielerlei Ursachen haben. Es gab auch schon Fälle, in denen Klienten von Ereignissen (z.B. Tod eines Angehörigen, Arbeitslosigkeit oder ähnliches) berichten, die erst wenige Wochen her sind. Manchmal können solche Situationen bzw. Ereignisse Auslöser für Krisen sein und eine sogenannte „reaktive psychische Störung“ kann vorliegen. Hiermit gemeint ist eine Reaktion aufgrund eines „Verlustes“ oder eines „außergewöhnlichen“ Ereignisses.

Ein anderer Fall: Die Klientin berichtet außergewöhnlich viel von Ängsten, die mehrere Lebensbereiche betreffen. Sie hat Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Außerdem bereitet ihr Sorge, ihr Mann oder ihre Kinder könnten ernsthaft erkranken. Dazu kommt, dass sie selbst das Gefühl hat, immer unsicherer zu werden und dass dies auch ihre Lebensfreude und ihr Lebensgefühl sehr beeinträchtige. Diese Anzeichen können einen Hinweis geben auf eine „generalisierte Angststörung“, die in fachkundige Abklärung und Behandlung gehört.

Kann ein Coach auch bei psychischen Störungen helfen?

Ein klares JA! Allerdings sollte die psychische Störung durch entsprechende, kompetente Hilfe (zum Beispiel mit Psychotherapie) durch eine Fachperson behandelt werden. Die Aufgabe eines Coaches beim Verdacht auf eine psychische Störung könnte darin liegen, den Klienten zu motivieren sich entsprechende ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Idealerweise kann der Coach hierbei behilflich sein, in dem er in seinem Netzwerk entsprechende Fachleute empfehlen kann. Coaching kann auch parallel zu einer Behandlung durch einen Therapeuten sehr gute Dienste leisten. So ist es in meiner Coachingpraxis schon vorgekommen, dass es neben der therapeutischen Begleitung auch ein Coaching-Anliegen gab. Aber: Therapie ist kein Coaching und ein Therapeut auch kein Coach, das muss klar gesagt werden. Das gleiche gilt übrigens auch umgekehrt: Ein Coach ist per Definition kein Therapeut. So ist es bereits mehrfach vorgekommen, dass Klienten für die biografische Aufarbeitung von Vergangenem therapeutische Hilfe in Anspruch nahmen und zusätzlich bei mir ein Coaching buchten für aktuelle berufliche Weichenstellung. Wichtig ist, und das soll noch einmal deutlich werden, dass mögliche therapeutische Anliegen von Fachpersonal behandelt werden müssen.

Sicherheit im Grenzbereich: Zulassung als Heilpraktiker (Psychotherapie) für den Coach

Vielleicht hast Du beim Lesen des Artikels oder bereits in Deiner Praxis bemerkt, dass die Abgrenzung zwischen der Tätigkeit eines Coaches und der eines Therapeuten fließend sein kann. Insbesondere in Krisensituationen sind bestimmte Reaktionen einer normalen Konfliktverarbeitung zuzuschreiben, die man anderorts auch als „pathologisch diagnostizierbar“ beschreiben könnte. Um im Grenzbereich von Coaching und Therapie sicher bewerten und entscheiden zu können, halten wir die Zulassung als Heilpraktiker (Psychotherapie) für hilfreich und sinnvoll. Du erhältst dadurch profundes Wissen welches Dir hilft, bessere Abgrenzungen zu ziehen und ganz einfach professioneller zu handeln. Darüber hinaus erhältst Du Rechtssicherheit, um auch in Grenzbereichen arbeiten zu können. Außerdem kannst Du die Formate Psychotherapie und Coaching noch besser einordnen und bei entsprechendem fachlichem Background, wäre somit auch die Durchführbarkeit einer psychotherapeutischen Behandlung durch Dich möglich.

  • Telefon: 030 - 71 53 82 83
  • Telefon: 06051 - 47 01 20