Coaching–Praxis – So kann es gehen

19. Oktober 2016 Von In Coaching Ausbildung Gelesen 1429 mal 0 Kommentar

Fälle aus der Coaching-PraxisCoaching Praxis

Was für „Fälle“ bzw. was für Menschen kommen eigentlich in ein Coaching? Mit welchen Problemen „kämpft“ jemand, ehe er Unterstützung von außen in Anspruch nimmt?

Nicht nur Teilnehmer aus unserer Coaching-Ausbildung, sondern auch allgemein Coaching-Interessierte, fragen gerne nach und möchten wissen, wer zu einem Coaching kommt und wie man sich die Bearbeitung eines Coaching-Falls vorstellen kann.

Aus diesem Grund, möchte ich Dir heute zwei Beispiele aus meiner Praxis vorstellen. Diese sind natürlich stark verkürzt wiedergegeben. Sie sollen lediglich einen kleinen Einblick in mögliche Coaching-Anliegen bieten. Beide Fälle liefen über einen Zeitraum von ca. 4 Monaten. Zwischendurch konnten die Klienten neu erworbene Kenntnisse und Einsichten in die Praxis umsetzen. Das jeweilige Statement der Klienten am Ende der Beschreibung soll verdeutlichen, wie das Coaching von den Klienten wahrgenommen wurde und was sie jeweils für sich mitgenommen haben.

Coaching-Praxis: 1. Beispielfall

Marcus F., 49 Jahre, Manager, wurde bei der Vergabe einer leitenden Funktion übergangen und lernt, wie wichtig ein Perspektivwechsel sein kann

Marcus F. ist als Manager der mittleren Ebene in einem großen Konzern tätig. Für die Neubesetzung einer leitenden Funktion wurde jedoch nicht er, sondern ein Kollege ausgewählt. Der Klienthatte sich große Chancen eingeräumt, da er sich seit vielen Jahren überdurchschnittlich für die Firma und ihre Mitarbeiter engagiert. Er ist sehr kompetent und erfahren. Doch nach dieser Niederlage ist seine Motivation plötzlich auf den Nullpunkt gesunken. Er fühlt sich gekränkt, nicht anerkannt, seine Frustration sitzt tief, und er weiß nicht, wie es nun weitergehen soll.

Das Coaching bietet Marcus F. zum einen die Möglichkeit, sich seine Frustration von der Seele zu reden. Zum anderen möchte er eine Antwort auf die Frage, wie es sein kann, dass ein anderer für diese Stelle bevorzugt wurde. Gibt es nicht einen Weg, den Konzern jetzt noch davon zu überzeugen, dass er der richtige Mann gewesen wäre?

Zunächst lasse ich mir von ihm den gesamten Sachverhalt schildern. Im Laufe seiner Erzählung wird deutlich, in welchem Ausmaß er sich ungerecht behandelt fühlt. Dann vergleichen wir gemeinsam das Anforderungsprofil der Stelle mit seinem eigenen Profil und seinem bisherigen beruflichen Werdegang. Es stellt sich heraus, dass Marcus F. trotz hoher fachlicher Kompetenz, das Anforderungsprofil nur zum Teil erfüllt. Im weiteren Verlauf des Coachings wird auch der Führungsstil von Marcus F. betrachtet. Er macht sich seine eigenen Wertvorstellungen und Verhaltensweisen bewusst, die ihn in seiner Führungsrolle geprägt haben. Und er erinnert sich an die ein oder andere unglückliche Schlüsselsituation, an der er maßgeblich beteiligt war. Nach seiner eigenen Einschätzung, könnte dies eventuell mit ein Grund dafür gewesen sein, dass man ihn bei der Vergabe der Stelle nicht bedacht hat.

Herr F. hat nach und nach gemerkt, wie sinnvoll es für die Beurteilung eines Sachverhaltes ist, verschiedene Blickwinkel einzunehmen, um sich ein möglichst umfassendes Bild machen zu können. Er ist davon abgekommen, die Entscheidung des Konzerns infrage zu stellen. Vielmehr ist es ihm wichtig geworden, seine Einstellung gegenüber Mitarbeitern und Kollegen zu hinterfragen. Daran möchte er künftig verstärkt arbeiten. Trotz seiner Enttäuschung sieht er nun wieder eine Perspektive, sich für seine Arbeit zu engagieren.

Marcus F.: "Bisher bin ich immer von meiner Sicht der Dinge ausgegangen und stellte meine Fähigkeiten als Führungskraft nicht infrage. Christiane Richter hat mir auf einfühlsame Weise gezeigt, wie wichtig es ist, auch über andere Sichtweisen nachzudenken und wie dies gelingt."

 

Coaching-Praxis: 2. Beispielfall

Sonja K., 46 Jahre, Chefsekretärin, fühlt sich von einer neuen, jungen Kollegin beiseite gedrängt und lernt ihre innere Kündigung abzuwenden ...

Das Coaching soll die als Zuspitzung empfundene Situation der Chefsekretärin Sonja K. klären und ihr bei der Entscheidung helfen, ob eine Kündigung tatsächlich der einzige Ausweg ist oder ob es nicht doch noch andere Optionen gibt.

Zum Coaching erscheint eine resolute Frau, die mir den Eindruck vermittelt, dass sie weiß, was sie will. Durch mein gezieltes, detailliertes Nachfragen gelingt es Sonja K., ihre neue Arbeitssituation zu reflektieren. Eine Übung zum Perspektivwechsel ermöglicht es ihr, sich in die Rolle der neuen Kollegin hineinzuversetzen. Es stellt sich heraus, dass Frau K. ihr gegenüber unbewusst ihre Macht demonstriert hat. Die Klientin kann sich nun gut vorstellen, dass „die Neue“ sich von ihr unter Druck gesetzt fühlte und mit einer Abwehrhaltung reagiert hat um sich zu behaupten. Dann erarbeiten wir gemeinsam verschiedene Handlungsoptionen für die Zukunft.

Sonja K. ist von dem Gedanken zu kündigen abgerückt, weil ihr die Firma viel bedeutet und sie ihre Arbeit dort liebt. Sie möchte mit allen wieder einvernehmlich zusammenarbeiten. Daher ergreift sie die Initiative und vereinbart mit ihrer Kollegin und mit ihrem Chef jeweils ein Gespräch. In beiden Gesprächen gelingt es ihr, mit Verständnis für den anderen zu reagieren. Sowohl ihre Kollegin als auch ihr Chef sind mit einem „Neustart“ in der veränderten Konstellation einverstanden.

Sonja K.: „Da ich kein Typ für Minderwertigkeitskomplexe bin, prallen Widerstände von außen eher an mir ab. Doch Christiane Richter hat sich nicht davon abhalten lassen, freundlich, aber bestimmt auch kritische Fragen zu stellen. So hat sie mich zum Nachdenken gebracht, und das war sehr hilfreich.“

Gelesen 1429 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 19 Oktober 2016 10:51
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