Der Coach als perfekter Kommunikator?

01. April 2017 Von In Coaching Ausbildung Gelesen 253 mal 0 Kommentar

Coach und Kommunikation

Erwartungen an einen Coach

„Ihr müsst doch super glückliche Menschen sein. Ihr wisst, wann welche Frage in einem Gespräch sinnvoll und passend ist. Ihr wisst, wie Beziehungen gestaltet werden und Ihr wisst wie man mit "schwierigen Klienten" umgeht. Da kann doch auch im Privatleben eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?“ So, oder so ähnlich äußerte sich eine Teilnehmerin in unserer Coaching-Ausbildung als es um das Thema Kommunikation ging.

Diese Äußerung brachte mich dazu, noch mal darüber nachzudenken welches Bild sich Klienten unter Umständen von einem Coach machen und inwiefern dieses mit der Realität übereinstimmt.

Folgende Äußerungen von Klienten kamen mir dabei wieder in den Sinn:

  • Coaching hat doch viel mit Psychologie zu tun, oder?
  • Haben Sie, als Coach, überhaupt mal mit jemandem Streit?
  • Sie haben doch bestimmt für jeden Verständnis.
  • Um als Coach arbeiten zu können, muss man bestimmt viel lernen.
  • Sie kommen doch bestimmt mit jeder Situation klar.
  • Sie denken doch bestimmt über jeden Satz nach bevor Sie ihn aussprechen.
  • Dank Ihrer Coaching-Praxis sind Sie doch bestimmt immer reflektiert.
  • Sie nehmen doch sicher nichts persönlich.
  • Usw.

Wenn ich diese Fragen bzw. Aussagen so lese, stelle ich mir vor wie es wäre, wenn ich zu einem Arzt sagen würde:

  • Sie haben bestimmt noch nie geraucht.
  • Sie ernähren sich bestimmt super gesund.
  • Sie treiben bestimmt regelmäßig Sport.
  • Sie tun bestimmt alles dafür, dass Sie gesund bleiben.

Und, ist das so? Was passiert hier? Ich projiziere meine Idealvorstellungen auf den Arzt. Dieser sagt dann vielleicht: „In meiner Jugend habe ich viel geraucht und heute rauche ich noch ab und an. Das mit der gesunden Ernährung ist so eine Sache... Ach wissen Sie, ich arbeite so viel, da komme ich gar nicht immer zum Sport. Im Großen und Ganzen versuche ich gesund zu bleiben.“

Das heißt, ich würde feststellen, dass der Arzt unter Umständen auch nicht so "perfekt" ist wie ich vielleicht gedacht habe und dass er dies zur Ausübung seines Berufes auch nicht sein muss.

So ähnlich ist es auch mit den Erwartungen, die man vielleicht an uns als Coach stellt. DAs geht nicht nur meinen Kolleginnen und Kollegen so sondern auch schon den TeilnehmerInnen unserer Coaching-Ausbildung.

Es kann immer sein, dass Menschen zu uns kommen, die eine sehr hohe Erwartung an uns haben. Und die glauben bzw. hoffen, wir wären im Privatleben genauso professionell wie im Job. Das ist natürlich ein erstrebenswertes Ziel. Doch setzt hier unsere Reflexionsfähigkeit ein, die uns immer wieder aufzeigt in welchen Bereichen wir noch besser werden können. Wahrscheinlich haben wir als Coaches eine Menge Handwerkszeug dabei das uns in vielen Situationen helfen kann. Das bringt die Arbeit so mit sich.

Doch halte ich es für menschlich, im Privatleben nicht ständig perfekt kommunizieren und jede Situation im Griff haben zu müssen. Es gibt doch bei jedem Menschen Situationen, die einen persönlich so treffen, dass wir einfach mal mit jemandem streiten möchten ohne Verständnis für die Meinung des anderen.

Das darf einfach mal sein, solange wir hinterher darüber reflektieren... ;-)

Gelesen 253 mal Letzte Änderung am Freitag, 07 April 2017 14:15
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