Burnout als Coach? Der müsste es doch eigentlich besser wissen, oder?

21. Mai 2017 Von In Coaching Ausbildung Gelesen 663 mal 0 Kommentar

Gibt es überhaupt so etwas wie Burn-Out? Ist es eine der vielen Modediagnosen, welche vielleicht auf die Pharmaindustrie zurückgeht? Ist es vielleicht sogar „schick“, ein Burnout zu „haben“?

Viele Fragen, mit denen ich als Coach häufig von Klienten konfrontiert werde. In meiner Praxis spielt tatsächlich das Thema Burnout aus Klientensicht immer wieder eine Rolle im Karrierecoaching. In diesem Artikel interessiert mich aber vielmehr die Gegenseite, nämlich: Wie schütze ich mich als Coach vor Überlastung oder woran merke ich, dass ich kürzer treten oder mehr auf mich achten sollte?

Arbeitest Du als Selbstständiger auch im Coaching, hast Du es in der Hand, in welchem Thema Du Deine Expertise aufbaust und mit wem Du arbeitest. Vielleicht bist Du als gefragter Businesscoach für Unternehmen tätig, hast Dir einen Namen gemacht und wirst mittlerweile von vielen empfohlen!? Dann brauchst Du Dich wahrscheinlich gar nicht mehr darum kümmern, bekannt zu werden. Oder Du hast im Bereich Personalcoaching ein Thema, das sehr gefragt ist und Du wirst von Klient zu Klient „herumgereicht“, da Dein Ruf Dir vorauseilt!? Vielleicht bist Du aber auch Newcomer und musst Dein Geschäftsfeld und Deine Expertise noch etablieren, was Dich sehr viel Mühe und Fleiß kostet…

Egal zu welcher beschriebenen Gruppe Du gehörst: Die Arbeit als Selbstständiger erfordert ein sehr hohes Maß an Einsatz, Fleiß, Ausdauer, Kreativität uvm. Klar ist: Das alles muss geleistet werden und die meisten Coaches sind „Solo-Selbstständige“. Damit meine ich: Viele oder gar alle Entscheidungen werden (müssen) selbst getroffen werden. Die Lorbeeren aber auch das Risiko werden oft alleine getragen. Gerade am Anfang ist es auch so, dass der selbstständige Coach nebenbei noch „Steuerberater“, „Journalist“ und „Werbefachmann“ ist, also ein Allrounder, der die Geschicke seines „Unternehmens“ selbst lenkt bzw. lenken muss.

Es macht ja auch Spaß, die Arbeit als Coach

Du kannst anderen Menschen helfen, ihre Probleme besser zu lösen. Vielleicht bist Du auch als Impulsgeber bei wichtigen Unternehmensentscheidungen tätig und hilfst dem Management, eingetretene „Denkpfade“ zu verlassen. Als erfolgreicher Coach bist Du gefragt und kannst manches Mal live erleben, wie Deine Arbeit sich nutzbringend für Klienten einsetzen lässt. Vielleicht brennst Du sogar für Deine Arbeit und gehst immer höher, schneller, weiter. Auch Erfolg kann süchtig machen. So sprach ich kürzlich mit einem Kollegen, der in einem Jahr über 120 Coaching- und Trainingstage absolviert hat. Das finde ich sehr viel. Dieser Erfolg hatte allerdings seinen Preis: Er hat seine Kinder nur sehr selten gesehen. Auf Nachfrage ob er denn noch verheiratet sei entgegnete er, dass seine damalige Ehefrau das auf Dauer nicht mitgemacht hat und sich von ihm habe scheiden lassen. Beruflicher Erfolg hat demnach auch eine „Kehrseite“, der gründlich abgewogen werden will.

Erst kommt der Sinn, dann der Unsinn

Ich möchte Dich sensibilisieren, trotz allem Spaß an der Arbeit nie wichtige Säulen, die als Gegenpol Sinn stiften können, zu vernachlässigen. Insbesondere in einem stressigen Berufsalltag als Selbstständiger fehlt oft die Zeit, sich um Dinge wie Freunde, Freizeitaktivitäten oder die eigene Familie zu kümmern. Ich selbst habe zumindest noch keine Ehe oder Familie kennengelernt, die wegen „zu viel Zeit“ auseinandergegangen ist. Sinnvoll ist es, sich in der Freizeit zum Beispiel mit Dingen zu beschäftigen, die überhaupt nichts mit Deiner Arbeit als Coach zu tun haben. Vielleicht spielst du gerne Tennis oder macht einen anderen Sport. Oder du fotografierst gerne oder besuchst Kino oder Konzerte. Diese Dinge laden Deinen Akku wieder auf, damit Du für Deine Klienten auch etwas Gutes geben kannst. Unsinn ist die Annahme, dass ein immer größeres Arbeitspensum Dich immer besser werden lässt. Oftmals sind es „kleine Krisen“ und deren Vorboten, die nicht gehört werden, die Menschen in ein Burnout bringen können. Wichtig ist es dann, gute und sinnvolle bzw. sinnstiftende Aktivitäten zu haben die helfen, in anderen Bereichen außerhalb der Arbeit wichtige „Anker“ zu besitzen.

Burnout wo - wie - was? Also ich hab noch keinen gesehen…

Ein gutes Frühwarnsystem soll Dir helfen, ein „Ausbrennen“ zu verhindern. Wichtige Anzeichen sind:

  • Lustlosigkeit - Dinge die Dir sonst immer Freude oder Spaß gemacht haben, zum Beispiel Deine Arbeit, fallen Dir schwer und Du kannst diese nur wie gegen einen Widerstand erledigen
  • Versagensangst - Du hast das Gefühl, Deinen Aufgaben beruflich wie auch privat nicht mehr gerecht werden zu können
  • Müdigkeit - Du fühlst Dich permanent wie „gerädert“, bist müde, kraftlos und erschöpft. Selbst wenn Du Dir entsprechende Ruhepausen gönnst hast Du das Gefühl, dass Dein Akku nicht aufgeladen ist.
  • Sinnlosigkeit - Diese kann nicht nur Deine Arbeit betreffen sondern zieht sich auch durch private Aktivitäten. Oftmals kommt dazu noch der Antriebsmangel.

Kennst Du eines oder mehrere dieser Anzeichen von Dir selbst? Dann macht es Sinn, Deine Strukturen oder Abläufe einer Überprüfung zu unterziehen.

Leichtigkeit als Coach - Struktur und kritischer Prüfstand

Wo kannst Du Abläufe und Strukturen vereinfachen? Welche Arbeit bzw. Aufträge sind stressig, bringen aber im Grunde wenig? Welche materiellen Dinge brauchst Du wirklich zum Leben und was ist im Grunde materieller Ballast, der sich im Laufe der Zeit angehäuft hat? Wie kannst Du kritisch zu Dir selbst sein und Dich fragen, was Du überhaupt zum Leben brauchst und was vielleicht nur Deine Angst ist, es könnte auch mal nicht so gut laufen?

Gleich ob es nun „Burnout“ tatsächlich gibt: Die oben aufgezeigten Kriterien solltest Du auch immer mal für Dich selbst heranziehen. Ich wollte Dich mit diesem Artikel aufmerksam machen und Dir helfen, einmal auf Dich selbst zu schauen. Unser Arbeitsalltag als Coach besteht oft darin, sich um andere zu „kümmern“ und ihnen zu helfen, deren Probleme zu lösen. Immer sollten wir aber auch nach unserem eigenen „energetischen Haushalt“ schauen. Denn nur dann können wir die beste Arbeit für unsere Coaching-Klienten leisten.

Gelesen 663 mal Letzte Änderung am Sonntag, 21 Mai 2017 23:54
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