Der Klient will einfach nicht auf die „Ressourcenseite“…im Zweifel „den Rettungsanker“ werfen?

18. Juni 2017 Von In Coaching Ausbildung Gelesen 306 mal 0 Kommentar

Die Kunst erfolgreichen und nachhaltigen Coachings ist es, den Klienten im Coachingprozess mit etwas Wichtigem, vielleicht im Moment Verschütteten bzw. nicht Greifbaren in Kontakt zu bringen, seinen Ressourcen! Da Coaching ein prozessorientiertes „Beratungsformat“ ist, können wir die Anliegen insofern begleiten, dass wir wichtige Ressourcen aktivieren, damit unsere Kunden bzw. Klienten im Moment anstehende Probleme, Entscheidungen etc. selbst lösen können oder in ihrer Zielerreichung weitere, selbstständige Schritte einleiten oder gehen können. Um in ein Bild einzutauchen: Als Coach bist Du ein Navigator, der bei trübem Wetter oder unklarer Sicht Hilfestellung bietet und zwar solange, bis sich der Nebel aufgelöst hat und die Sicht wieder klar(er) ist. Als geschulter Coach bist Du sicherlich „Ressourcenfachmann“. Was aber tun, wenn der Klient auf kein „Angebot“ in punkto Ressourcenaktivierung von Dir eingehen möchte? Im folgenden Artikel möchte ich Dir zeigen, welche „Fallstricke“ im Coaching lauern können und wie du diese umgehen kannst.

Aller Anfang ist Kontakt - Deine Hausaufgaben als Coach

Ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Baustein für Dich als Coach ist, eine vertrauensvolle Basis herzustellen. Diese braucht neben klientzentrierter Beratungshaltung ganz einfach Zeit und auch Geduld. Hier entscheidet sich oft, ob es dem Coach gelingt für „guten und belastbaren“ Kontakt zu sorgen. Belastbar in dem Sinne, dass auch schwere Themen von beiden Seiten ausgehalten werden können. Oftmals wird übersehen, dass Dein Werteverständnis auch Deine Arbeit als Coach mitbeeinflusst. Da wir immer auch „Teil des Coachingprozesses“ sind, kommt der Wirkung unserer Person ein nicht zu unterschätzender Anteil zu. Untrennbar hängen eigene Werte auch mit Glaubenssätzen zusammen. Ein solcher könnte lauten: Ich muss meinen Klienten möglichst schnell zur Zielerreichung hinführen, sonst ist er mit dem Coaching unzufrieden und ich hab womöglich einen schlechten Job gemacht. Aber ist Dir bzw. dem Klienten das Ziel auch wirklich „sonnenklar“?

Saubere Auftragsklärung verhindert „Schiffbruch“ im Coaching

Vielleicht hat Dein Klient verschiedene Anliegen, die in dem Moment wichtig sein können. Möglicherweise ist er auch in einem krisenhaften Erleben und steuert tatsächlich „auf Sicht“ und benötigt Dich als Leuchtturm. Der bildliche Vergleich passt gut zu der Aussage: Manchmal ist das Ziel noch nicht so klar erkennbar, weil der Nebel zu dicht ist. Bucht ein Klient Dich für eine Sitzung, ist oftmals noch gar nicht genau abzusehen, wohin die „Reise“ geht. So kann es unter Umständen eine ganze Sitzung dauern, bis der Klient sein Anliegen schlüssig formulieren kann. Hat der Klient sein Anliegen formuliert, hast Du auf jeden Fall schon eine wichtige „Pflicht“ erfüllt. Jetzt kommt aber die „Kür“, nämlich:

Welchen Auftrag formulierst Du nun für Dich daraus?

Ein Beispiel aus der Coachingpraxis:
Die 42-jährige Klientin kommt zu Dir ins Coaching, da sie mehr und mehr gefrustet ist von ihrer jetzigen Arbeit. Sie hat im Moment einen ziemlich hohen „Stresspegel“, wie sie wörtlich sagt. Mit einer Kollegin erlebt sie im Moment ziemliches „rumgezicke“, jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt und vergifte das Klima im Büro. Dazu kommt, dass sie im Moment in einem Projekt eingebunden ist, das sehr hohe Zeitressourcen von ihr beansprucht und sie dafür viele Überstunden macht. Das Projekt sei aber wichtig für ihre weitere Karriere in der Firma, so ihre Aussage. Die Klientin spricht im Coaching von vielen Anliegen. Auf Nachfrage von Dir, welches das wichtigste sei sagte sie dass sie lernen möchte, ihren Stresspegel zu senken. Sie würde eine Verbesserung daran merken, dass sie nicht auf jeden „Mist“ ihrer Kollegin einsteigen würde. Das wäre bereits eine große Entlastung.

Was hat die Auftragsklärung mit der besagten „Ressourcenseite“ im Coaching zu tun?

An der Stelle ist es nun wichtig, für Dich aus dem genannten Anliegen einen Auftrag zu generieren, der für Dich leistbar ist und welcher der Klientin hilft, ihr Anliegen zu bearbeiten. Folgenden Auftrag bietest Du an: Ich könnte Ihnen helfen, Ihr Kommunikationsverhalten zu reflektieren und zu schauen, welches Verhalten bzw. welche „Muster“ dazu führen, dass die Kommunikation mit Ihrer Kollegin eskaliert. Ich würde Ihnen zeigen, wie Sie diese „Muster“ unterbrechen könnten. Zurück zum Ausgangsthema: Ein ressourcenorientierter Auftrag impliziert bereits, dass die oben genannte Klientin etwas an ihrem Verhalten verändern möchte und darauf Einfluss nehmen kann. Hier kann bereits ein wichtiges „Priming“ entstehen. Damit gemeint ist eine Vorbereitung, um auf die „Ressourcenseite“ der Klientin umzuschwenken und natürlich auch um Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln.

Vom Problemraum zum Lösungsraum im Coaching - ein schmaler Grat?

Im systemischen Coaching nutzen wir eine schöne Metapher. Hier sprechen wir vom "Problemraum" und "Lösungsraum". In Ersterem exploriert der Klient seinen momentanen Ist-Zustand, spricht über das was ihn stört oder ihm einfach Probleme bereitet. Auf der Lösungsebene schauen wir, was der Klient möchte und wie er dies mit Hilfe seiner Ressourcen erreichen kann. Hierbei können wir zwischen internen und externen Ressourcen unterscheiden. Als interne Ressourcen bezeichen wir diejenigen, die der Klient selbst in sich trägt. Das kann eine Kompetenz sein, Wissen, Fähigkeiten, durchschrittene Krisen, Erfahrungen uvm. Externe Ressourcen sind solche, die der Klient von „Außen“ bekommt. So ist bereits das Inanspruchnehmen des Coachings eine externe Ressource. Gerne möchte man den Klienten möglichst schnell in den „Lösungsraum“ bringen, dass dieser umgehend sein Problem bzw. Anliegen lösen kann. Dieser Anspruch kann aber selbst „zum Problem“ werden, wenn der „Schwenk“ zu schnell erfolgt und das Problem oder der momentane Leidensdruck mit allem was für den Klienten in der Situation wichtig ist nicht oder zu wenig gesehen oder gewürdigt wird. Es wäre nicht das erste Coaching, welches „misslingt“, da der Coach zu schnell auf die Lösungsebene wechseln möchte und der Klient einfach (noch) nicht bereit dazu ist.

Immer diese „Klienten“…

Solltest Du den Eindruck haben, dass der Klient sich im Problemraum ganz wohl fühlt und eher „noch nicht“ in den Lösungsraum wechseln möchte, könntest Du auch eine ganz neue Perspektive entwerfen. Vielleicht hat das Problem auch im Moment viele gute Seiten, die man mit einer „Lösung“ möglicherweise aufgeben müsste. Manchmal sind diese Dinge auch unbewusst oder gar nicht präsent. Solltest Du diesen Eindruck haben, könnte ein echter „Rettungsanker“ für Coach und Klient diese Frage sein:

Was wären gute Gründe, dass das Problem im Moment „noch nicht“ gelöst ist?

Im besten Falle löst Du damit Suchprozesse aus und Dein Klient kann schonmal den „großen Zeh“ in das „neue Fahrwasser“ halten. Vielleicht merkt er aber auch, dass ihm das Wasser noch etwas kalt ist. Möglicherweise braucht er aber noch eine „Schwimmweste“ (z.B. in Form von Hilfen von Dir), damit er sich in das Unbekannte wagen kann. Es könnte aber auch sein, dass er einen „Kopfsprung“ macht und sich überraschen lässt von dem, was da kommt. Menschen haben immer gute Gründe, sich genauso zu verhalten wie sie es tun. Wir Coaches können und dürfen neugierig sein. Vielleicht ist das angesprochene Problem des Coaches auch eine Lösung? Ja, für was eigentlich? ;-) Somit hast du gleich mindestens zwei Anker zur Verfügung: Ressourcenorientierte Auftragsklärung und die „noch-nicht“ Frage.

Gelesen 306 mal Letzte Änderung am Sonntag, 18 Juni 2017 00:49
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