„Da hat mich doch so ein Ausländer um meine Beförderung gebracht. Sagen Sie mal, ist Ihnen das auch schon einmal passiert, dass Ihnen einfach jemand vor die Nase gesetzt wurde?“ Fragend schaut der Klient Dich an und wartet auf eine Antwort.

In dem Artikel möchte ich Dir zeigen, wie Du im Coaching mit privaten Fragen von Klienten umgehen kannst, ohne diesen vor den Kopf zu stoßen und seinem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zustimmung Rechnung trägst.

Klarheit bringt Sicherheit im Coaching

Früher oder später wirst Du in Deiner Coaching-Praxis mit dieser Situation konfrontiert werden. Vielleicht kennst Du diese geflügelten Redewendungen wie: „Coaching auf Augenhöhe“, oder, „Prozessbegleitung side by side“. Das ist vom Grunde her richtig da hiermit gemeint ist, dass der Klient Experte ist für seine Situation und der Coach als Prozessbegleiter fungiert. Schauen wir genau hin, stimmt das allerdings nicht ganz. Der Klient ist in gewisser Weise in einer „unterlegenen Situation“, da er Hilfe sucht und den Coach als Helfer wahrnimmt. Im besten Fall hast Du Dich bereits in Deiner Coachingausbildung mit der Frage beschäftigt: Was will ich im Coaching von mir preisgeben? Es ist nämlich sehr hilfreich, bereits im Vorfeld sich darüber im Klaren zu sein, welche Dinge man von sich selbst erzählen möchte und welche gar nicht.

Selbstöffnung oder Abstinenz als Coach?

Bist Du der Coach, der jede Frage Deines Klienten mit einer Gegenfrage beantwortet? Oder bist Du jemand, der sich sehr darüber freut, dass endlich mal die eigene Meinung gefragt ist und Du auch mal zu „Deinem Recht“ kommst? Bei einer vollständigen Abstinenz, wenn Du also jede „Persönlichkeit“ im Coaching ablehnst, kann dies für den Klient verstörend und auch schnell sehr künstlich und kalt wirken. Außerdem verstärkt dieser Umstand auch noch mehr das Ungleichgewicht im Beratungssetting. Ungünstig ist es auch, sich hinter pseudo-berufsständischen, institutionellen Scheinbarrieren zu verstecken wie: „Ich würde Ihnen ja gerne antworten, aber meine Berufsethik lässt eine derartige Antwort auf Ihre Frage nicht zu.“ Auch eine „agressiv-abwertende“ Reaktion wird häufig als „barsche Abfuhr“ aufgefasst: „Wie können Sie mir denn so eine Frage stellen? Sie können sich doch denken, dass ich Ihnen darauf nicht antworte!“

Manchmal sind gestellte Fragen auch einfach belanglos und dienen eher von Klientenseite als Small-talk. Hierzu zähle ich Fragen wie: „Sind Sie eigentlich auch verheiratet? Haben Sie Kinder? Arbeiten Sie schon immer als Coach?“ Dies ist gerade dann unverfänglich, wenn z.B. in Deiner Coachingpraxis ein Kinderbild hängt oder ein Familienfoto auf dem Schreibtisch steht. Solche Fragen können auch gut als gemeinsames „Warm up“ betrachtet und genutzt werden, zum Thema der Stunde zurückzukehren oder überzuleiten. Manchmal werden persönliche Fragen auch als „Entlastungsfrage gestellt“, um von einem im Moment schwierigen Thema „abzulenken“. Hier ist es die Aufgabe des Coaches, wohlwollend aber bestimmt zum eigentlichen Thema zurückzukehren, sonst kann schnell der Eindruck einer „Plauderei“ entstehen.

Empathie oder Egoismus des Coaches?

Eine Selbstöffnung in Maßen fördert aus meiner Sicht auch die menschliche Seite und damit Sympathie beim Klienten. Es fördert das Vertrauen und macht den Coach greifbarer. Für nicht ratsam halte ich, eigene Schwächen in das Coaching-Setting einzubringen, die das Bild eines „hilflosen Coaches“ implizieren. „Ja, ich habe auch seit einem Monat Steuerschulden beim Finanzamt und weiß auch nicht, wo ich das Geld dafür auftreiben soll.“ Grundsätzlich ist es wichtig sich selbst zu überprüfen, welches Motiv hinter einer möglichen Selbstöffnung stehen könnte. Sinnvoll ist diese, wenn Sie dem Fortgang des Coachings oder des Beratungsprozess dient. Hierbei denke ich an Beziehungsaufbau und Motivation des Klienten. Genauso kann der Coach auch eine Modellfunktion einnehmen und für den Klienten damit ein Leuchtturm sein, wenn beispielsweise ein Thema selbst bearbeitet und überwunden wurde. Das kann Akzeptanz fördern. Vorsicht ist geboten, wenn der Klient dies als „Verbrüderung“ gegen ein (vom Klient ausgemachtes) „Feindbild“ betrachtet.

Ein Beispiel: Du hattest viele Jahre Rückenschmerzen, die lange Zeit unklar waren. Zufällig bist Du an einen Therapeuten gekommen, der durch seine Behandlung die Rückenschmerzen zum Verschwinden gebracht hat. Der Klient berichtet ebenfalls unter anderem von Rückenschmerzen, die ihn schon lange Jahre plagen. In der dritten Sitzung erzählst Du eher beiläufig, dass Du viele Jahre auch dieses Problem hattest und die Therapie XY hilfreich war. Dies kann der Klient zum Anlass nehmen, auf die „bösen und unfähigen“ Ärzte zu schimpfen und erkennt in Dir vielleicht seinen „Bruder oder Schwester“ im Geiste. Hierbei solltest Du achtsam sein, wenn der Klient von Dir erwartet auf dieses Thema „einzusteigen“.

Kritisch überprüfen sollte man eigene, „egoistische“ Motive. Als Coach sollte man sich daher eingehend mit der Frage beschäftigt haben: Wozu brauche ich meine Klienten? Sonst könnte der Coachingprozess „missbräuchlich“ sein, in dem ich durch Selbstoffenbarung mein eigenes Äußerungsbedürfnis befriedige oder die Anerkennung des Klienten suche (und brauche).

Bestimmt aber nicht unhöflich

Empathie und das Eingehen auf den Klienten sind elementare Wirkfaktoren im Coaching. Trotzdem gibt es im Coaching Grenzen die Du freundlich aber bestimmt Vertreten können musst: „Das ist bestimmt eine interessante Frage für sie, das kann ich gut verstehen. Trotzdem möchte ich ihnen sagen, dass mir die Frage zu persönlich ist und ich darauf nicht antworten möchte.“ Um mit dieser Aussage keinen „Bruch“ im Arbeitsbündnis oder eine Kränkung auszulösen, solltest Du aufmerksam sein wie der Klient mit Deiner Äußerung umgeht, ggf. auch dafür Raum geben.

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