Katze im Sack

Wer sich als Coach etablieren möchte, hat es heute ungleich schwerer als noch vor 10 Jahren. Zwar hat Coaching mehr und mehr seinen Platz in der Gesellschaft gefunden, doch gibt es auch immer mehr "Wildwuchs".

So werden häufig Maßnahmen als Coaching bezeichnet, die für uns eher einer Fachberatung gleichzusetzen sind. Vielleicht hast Du bereits in unserem Buch "Jetzt werde ich Coach!" gelesen, was Coaching für uns bedeutet.  Um heute von seiner Profession gut leben zu können, ist es für die meisten Coaches von Nöten sich ein zweites, besser ein drittes Standbein aufzubauen. Durch die Vielzahl an Coaches, die sich am Markt tummeln, wird es nicht nur für uns schwerer sondern auch für unsere Kunden. Diese müssen nämlich aus der Vielzahl der Angebote jenes raussuchen, dass ihnen die bestmögliche Lösungsoption anbietet.

Doch wie können wir uns von der Masse abheben bzw. dem Kunden das Gefühl geben, dass er bei uns richtig ist? Ein Thema, dass nicht nur die Teilnehmenden unserer Coaching-Ausbildung weit über die Ausbildung hinaus begleitet.

Als Coaches verkaufen wir kein greifbares Produkt. Unsere potentiellen Kunden können unsere „Ware“ nicht anfassen, nicht testen. Es gibt auch keine Umtauschgarantie und keine Rückgabemöglichkeit. Das heißt, unsere Kunden geben uns einen riesigen Vertrauensvorschuss, wenn sie bei uns ein Coaching buchen und wir müssen ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht „die Katze im Sack“ kaufen.

Aufgrund dieser Unwägbarkeiten für den Kunden, darf es uns nicht wundern, wenn die Kaufentscheidung zögerlich ist bzw. sehr lange dauert. Doch wie können wir es anstellen, unseren Kunden möglichst umfassend das Gefühl zu geben, dass sie bei uns genau richtig sind?

Da viele unserer Kunden über unsere Website auf uns aufmerksam werden, gilt es hier alles dafür zu tun das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Doch was gehört dazu?

Die eigene Coach-Biografie

Zunächst einmal ist es wichtig die eigene Biografie zu beschreiben. Diese zeigt unsere bisherige Lebens- und Berufserfahrung und nicht selten suchen sich Klienten Coaches aus einem ähnlichem Berufsfeld, da dies eine gewisse Feldkompetenz erwarten lässt. Ich habe z. B. viele Jahre Softwaretrainings gegeben, bevor ich zusätzlich Coach wurde und nicht selten buchen mich Menschen aus dem IT-Sektor oder auch Projektmanager. Natürlich nicht ausschließlich aber eine gemeinsame Sprache kann die Kommunikation deutlich erleichtern.

Deine Coaching-Ausbildung

Aus der Biografie sollte nicht nur die Ursprungsausbildung bzw. das Studium hervorgehen, sondern auch Deine  Coaching-Ausbildung und wie lange Du schon als Coach arbeitest. In einem anderen Artikel (Link) haben wir uns schon mal mit dem Thema Zusatzausbildungen für Coaches beschäftigt und dafür plädiert nicht jedes Wochenendseminar aufzuführen. Diese Einstellung bleibt auch bestehen. Versetze Dich in die Lage potentieller Klienten und überlege Dir welche Information tatsächlich relevant ist. Interessanter als jeder einzelne Workshop ist für viele Klienten wie lange Du bereits als Coach arbeitest. Dies ist natürlich leichter zu schreiben, wenn man bereits einige Jahre Praxiserfahrung hat, als wenn man gerade angefangen hat. Hier kann es helfen Berufserfahrungen zu beschreiben, die die notwendige Feldkompetenz unterstreichen.

Dein Coaching-Thema

Die Klienten interessiert weiterhin auf welche Probleme Du Dich spezialisiert hast. Es gibt nicht den „Nur“-Coach. Ich habe mich z. B. auf die Themen Konflikte, Entscheidungen und Stressmanagement spezialisiert. Darum ranken sich natürlich viele Unterthemen wie persönliche und berufliche Neuorientierung, Führungsverhalten, Konflikte am Arbeitsplatz usw. Optimal ist es, wenn Deine Klienten auf Deiner Internetseite erkennen können welche „großen“ Probleme sie mit Deiner Hilfe lösen können. Also, konzentrier Dich auf wenige Themen und mach Dich darin fit.

Weniger wichtig ist es in aller Regel die zur Anwendung kommenden Methoden bis ins Detail zu beschreiben. Die wenigsten Klienten interessieren sich dafür bzw. kennen sich damit aus.

Deine Arbeitsweise als Coach

Wichtiger ist es Deine grundsätzliche Arbeitsweise während des Coachings zu formulieren und zwar in einer Sprache, die Deine Coaching-Interessenten anspricht. Versuche Dich sprachlich abzuheben, in dem Du die Sprache Deiner Kunden benutzt und nicht irgendwelche abgedroschenen Phrasen von anderen Webseiten übernimmst. Versuche bei allem was Du schreibst, die Perspektive Deiner Kunden anzunehmen. Sie sind es, die Du überzeugen willst und deren Vertrauen Du gewinnen möchtest. Schreibe so konkret wie möglich. Das macht Deine Vorgehensweise anschaulich.

Zeige Deinen Kunden, dass Du etwas von dem Problem-Thema verstehst. Behandle dies eingehend auf Deiner Internetseite, damit die Lesenden erkennen können, dass Du Dich intensiv mit der Thematik beschäftigt hast und Dich auskennst. Erfolgreiche Fallbeispiele können das Bild abrunden.

Falls Du schon Artikel oder interessante Blogbeiträge zu „Deinen“ Themen veröffentlicht hast, solltest Du auch das erwähnen, da es Deine Kompetenz unterstreicht.

Professionalität ist gefordert

Nicht vergessen solltest Du, einen professionellen Umgang mit Deinen möglichen Klienten zu pflegen. Hier kann es Sinn machen, sich eine Routine zu überlegen, die Du dann auch einhältst. Dazu gehören solche Dinge wie. Wie schnell rufst Du zurück? Wie gut bist Du erreichbar? Wie viel Zeit möchtest Du Dir für ein Vorgespräch nehmen? Ist dies kostenfrei oder kostenpflichtig? Wie schnell erstellst Du ein Angebot?, usw. Dies sind alles Kriterien, die dazu geeignet sind ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen.

Damit Du Dich von Anfang an professionell aufstellen kannst, ist eine Coaching-Ausbildung auf jeden Fall ein notwendiger Basis-Baustein für Deine Karriere als Coach. Hier lernst Du nicht nur Methoden kennen, sondern lernst vor allem Dein Persönlichkeitsprofil zu schärfen. Doch neben persönlicher und fachlicher Kompetenz gehört zum Coach-Sein auch ein nicht zu verachtender Unternehmergeist dazu. Ansonsten verwässert Dein Angebot und bleibt doch die Katze im Sack, die sich nicht raus traut ;-)

Zu Social-Media Kanälen wie Facebook, XING, Twitter & Co. scheiden sich die Geister. Während die einen es für unverzichtbar halten, auf möglichst vielen präsent oder gar ständig online zu sein, scheuen andere den Kontakt damit wie der Teufel das Weihwasser. In dem heutigen Artikel zeige ich Dir, wie Du Bekanntheit aufbaust und welche 3 Dinge Du dafür brauchst.

1. Setze Prioritäten

Zur Stunde gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich in sogenannten sozialen Netzwerken zu bewegen. Und es gibt eine Tendenz, dass ständig neue hinzukommen. Damit wächst auch für viele der Druck, präsent zu sein - schließlich möchte man ja nichts verpassen. Die Auswahl wird auch nicht kleiner. Doch welches macht wirklich Sinn?

Zu allererst: Entscheide Dich für eine mögliche Form des Netzwerkens. Als Faustregel kann gelten: Bist Du eher businessorientiert, ist XING die erste Wahl. Dieses ist vom Charakter her eher auf Businesskontakte ausgelegt. Das kannst Du schon alleine daran sehen, dass Menschen dort Ihre beruflichen Lebensläufe und Werdegänge aufzeigen.
Facebook ist ganz anders gestrickt: Hier geht es eher darum, persönliches zu zeigen und durch manchmal ausgefallene Ideen, Videos oder Content Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ich persönlich halte es für schwierig, auf beiden Kanälen gleichermaßen präsent zu sein. Zu allererst entscheide Dich also für eine Variante. Eine Hilfe zur Entscheidung ist Deine Zielgruppe. Frage Dich also: Ist Dein Angebot eher businessorientiert? So wärst Du im Businessmetier eindeutig besser bei XING aufgehoben, während Du bei Facebook vor allem private Leute ansprichst. Dazu beigetragen hat sicherlich auch eine „Du-Kultur“, die bereits bei der Ansprache z. B. in posts vertraulich wirkt bzw. wirken kann.

2. Erzeuge spannende Inhalte

Vielleicht fragst Du Dich jetzt: Was sind denn eigentlich interessante Inhalte? Die Antwort ist ganz einfach: Dinge die andere interessieren! ;-) Und da wären wir auch schon wieder bei der Unterscheidung zwischen Business und eher Privat, sprich: XING und Facebook. Bereits durch die Ausrichtung der beiden Netzwerke gibt es ein deutliches Unterscheidungskriterium und auch die Antwort auf die Frage nach spannenden Inhalten: Spannend ist, was andere für spannend halten! Die Betonung liegt also auf „andere“. In XING sind es eher die Problemlösungen für ganz bestimmte Sachverhalte. Vielleicht hast Du eine ganz bestimmte Botschaft, die eine Aufgabe, leichter, einfacher oder schlichtweg preisgünstiger erledigen lässt? Wichtig ist hier, die Lösung für ein bestimmtes Problem zu kommunizieren oder anderen dabei zu helfen (vielleicht unentgeltlich?), ein Problem zu lösen.
Anders bei facebook: Hier wird das „Banale“ zur Maxime. Im Grunde ist facebook eine Ansammlung von Belanglosigkeiten, wenn man einmal von den Gruppen absieht. Wer hier Aufmerksamkeit erzeugen will, muss entweder außergewöhnliche Bilder zeigen (solche, die emotional betroffen machen -auch solche die abstoßend sein können), oder solche, die einfach Klamauk sind. Du siehst, das was spannend ist liegt zu einem großen Teil im Auge des Betrachters.

Spannende Inhalte kannst Du übrigens auch dadurch erzeugen, indem Du Beiträge anderer teilst. Das ermuntert wiederum auch diese, mal einen Beitrag von dir in ihr Netzwerk zu teilen. Auch dadurch erzeugst Du Reichweite und somit Aufmerksamkeit.

3. Sei beharrlich

Aufmerksamkeit in sozialen Medien erzeugst Du nicht dadurch, dass Du einmal ein posting machst. Ganz im Gegenteil: Durch kontinuierliche Inhalte machst Du Dich bekannter. Wichtig ist: Deine Inhalte sollten unbedingt zu Deinem Thema passen! Es würde also wenig Sinn machen, wenn Du als Paarcoach Inhalte erstellst oder teilst, bei denen es um Kochrezepte oder Kinderspielzeug geht. Sinnvoller wäre es, Beiträge aus Deinem Blog zu verlinken oder interessante Beiträge (auch aus anderen Blogs), die thematisch passend sind zu posten. So baust Du Dir ganz nebenbei für Dein Thema auch einen Expertenstatus auf. Und wann soll ich das alles machen?

Das ist eine gute Frage! Wie alles andere braucht die Präsenz auf sozialen Medien einfach Zeit und Einsatz. Wenn Du clever bist, sind die Aktivitäten in den sozialen Medien ein Bestandteil Deines Marketing-Mixes. Hast Du bereits einen Marketing-Plan? Super! Falls nicht: Komme am 22.11. in unser Webinar: Jetzt rühre ich die Werbetrommel. Übrigens findest Du in unserem Buch „Jetzt werde ich Coach!“ jede Menge Tipps, wie Du das Marketing findest, das zu Deinem Produkt passt. Du weißt noch nicht, welches Produkt Du eigentlich anbietest? Kein Problem! Auch dazu bietet das Buch eine Fülle von Anregungen und Arbeitsvorlagen.

bike 177029 1920„Coaches ziehen einem doch nur das Geld aus der Tasche“

Heute möchte ich Dir von einem Telefonat mit einer Freundin berichten, welches mich einerseits erschreckt, andererseits aber gezeigt hat, wie viel Aufklärungsarbeit noch zu leisten ist.

Der Ursprung des Gesprächs war ein ganz anderer, doch kamen wir irgendwann auf meine Arbeit zu sprechen. Plötzlich sah ich mich Aussagen gegenüber wie:

„Die ganze Theorie hinter Coaching ist unseriös.“

Coaches haben den Anspruch, dass sie mit ein paar Tools Menschen helfen könnten.“

Coaching ist oberflächliche Behandlung eines Symptoms.“

„Es geht ja nur um Leistungssteigerung und „glücklich machen.“

„Außerdem zieht man damit den Menschen das Geld aus der Tasche. Das ist ethisch nicht vertretbar“

Wow, das waren schon starke Töne. Ok, sie lebt in Frankreich, vielleicht ist dort Coaching nicht gefragt. Keine Ahnung. Auf jeden Fall war ich überrascht, wie jemand so wenig von Coaching weiß aber doch alles zu kennen glaubt.

Warum ich Dir das erzähle, hat drei Gründe:

1. Habe ich wieder gemerkt, wie „interessant“ es sein kann, wenn zwei Welten aufeinander prallen.

2. Können solche Diskussionen helfen, die eigene Profession zu hinterfragen um solche Scheinaussagen entkräften zu können.

3. Hat es mir gezeigt, dass es anscheinend noch immer viele Menschen gibt, die ein eher schräges Bild von Coaching haben und

4. zeigt es, wie wichtig es ist bei allem was wir tun seriös und professionell zu agieren.

Falls Du mal mit ähnlichen Aussagen konfrontiert sein solltest, möchte ich Dir hier meine Reaktionen auf die obigen Aussagen mitteilen und Dich gleichzeitig bitten, darüber nachzudenken, wie Du darauf reagiert hättest. Es wäre schön, wenn Du uns Deine entsprechenden Argumente mitteilen würdest, so haben wir alle etwas davon. Vielleicht pickst Du Dir die Aussage raus, die Dich am meisten „piekst“…

„Die ganze Theorie hinter Coaching ist unseriös.“

Es gibt nicht die „eine“ Theorie hinter Coaching. Dazu ist der Markt zu groß und vielschichtig. Jeder Coach definiert seine Arbeit individuell, weshalb es für unsere Kunden wichtig ist, sich die Art der Arbeit und das Grundverständnis mit der jeder Coach arbeitet genau anzusehen. Was hat er für einen Hintergrund/Ausbildung? Welche Erfahrung (Lebens- und Berufserfahrung) bringt er mit? Wie definiert er Coaching? Ich kann für mich sagen, dass ich meine Klienten dabei unterstütze ihre selbstgewählten(!) Ziele zu erreichen und mich dabei auf wissenschaftlich fundierte Methoden stütze, die aber alle unbrauchbar werden, wenn es keine vertrauensvolle Beziehung zwischen meinem Klienten und mir gibt.

„Coaches haben den Anspruch, dass sie mit ein paar Tools Menschen helfen könnten.“

Oh ja, unsere Klienten betreten die Praxis, erklären kurz worum es geht und schon holen wir aus der „Trickkiste der Coaches“ das ein oder andere Tool und schon ist das Problem gelöst.

Wer sich intensiv mit Coaching beschäftigt, der weiß, dass das Wichtigste im Coaching eine vertrauensvolle Beziehung ist, wie ich oben schon erwähnte. Es geht überhaupt nicht darum, möglichst viele Tools zu beherrschen um damit die Klienten zu beeindrucken. Die Tools, die größtenteils aus unterschiedlichen Psychotherapierichtungen adaptiert wurden, können hilfreiche Interventionen sein, um beispielsweise den Klienten aus seinem alten Denkmuster rauszuholen und ihm neue Perspektiven zu eröffnen. Sie sind aber kein Allheilmittel. Diesen Anspruch hat aus meiner Sicht auch kein seriöser Coach.

„Coaching ist oberflächliche Behandlung eines Symptoms.“

Das klingt fast nach einer schlechten Therapie. Doch hat Coaching nichts mit Therapie zu tun. Die Menschen, die zu uns ins Coaching kommen sind in aller Regel psychisch gesund und haben ein persönliches Anliegen, dass sie geklärt haben möchten. Dies kann beruflicher oder persönlicher Natur sein. Zur Klärung, kann es manchmal hilfreich sein mehr in die Tiefe zu gehen, doch überlassen wir das unseren Klienten, inwieweit sie dazu bereit sind. Und nicht bei jedem Thema ist es zielführend in der Kindheit anzufangen. Coaching ist ein lösungsorientierter Prozess, an dessen Ende optimaler Weise das vom Kunden erwünschte Ziel steht.

„Es geht ja nur um Leistungssteigerung und „glücklich“ machen.“

Nein, wir machen mit unseren Klienten keine überzogenen Motivationsübungen, wie man sie schon mal bei diversen Bühnenshows sehen kann und nochmals nein, es geht nicht ausschließlich darum Menschen glücklich zu machen, was auch immer das heißen mag. Jedes Coaching ist so individuell wie unsere Klienten. Natürlich kann es schon mal darum gehen, dass jemand lernen möchte sich besser darzustellen bzw. sich besser präsentieren zu können. Aber Coaching ist keine Motivationsshow, nach dem Motto:“Wenn Du nur wirklich willst, dann kannst Du es schaffen, Du musst es nur wirklich wollen.

„Außerdem zieht man damit den Menschen das Geld aus der Tasche. Das ist ethisch nicht vertretbar“

Ich muss zugeben, da war ich besonders verwirrt. Seit wann ist es unethisch für eine Dienstleistung Geld zu verlangen? Klienten suchen uns auf, weil sie unsere Unterstützung in Anspruch nehmen möchten. Dafür erhalten wir ein vorher vereinbartes Honorar. Fertig. Auch Ärzte, Therapeuten, Rechtsanwälte, Friseure, ach egal, tausende von Dienstleistern erhalten Geld für ihre Dienste warum soll ein Coach kein Geld verlangen dürfen??? Darüber muss man, so glaube ich, nicht wirklich diskutieren.

So war das bei meiner letzten Diskussion über meinen Beruf, der eindeutig mehr ist als nur ein Job!

Daher meine Bitte. Welche Argumente würdest Du auf die ein oder andere Anmerkung „ins Feld führen“? Ich freue mich auf Deine Antwort.

Arbeitest Du auch im Vollerwerb selbstständig als Trainer, Dozent oder Coach, hast Du Dich sicher auch schon einmal mit dem Thema „Altersvorsorge" oder Rentenversicherung beschäftigt. Während Angestellte automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung (Deutsche Rentenversicherung = DRV) pflichtversichert sind, ist dies für selbstständig Tätige nicht automatisch der Fall. In diesem Artikel zeige ich Dir, wie Du das etwas „heikle Thema" gelassen angehen kannst und für Dich eine gute Entscheidung triffst.

Gesetzliche Grundlage

Das Sozialgesetzbuch §2 S 1 Nr. 1 und Nr. 9 besagt:
Bestimmte Selbstständige sind rentenversicherungspflichtig. Hierzu gehören u. a.:

• selbstständige Lehrer und Erzieher, die in ihrem Betrieb keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen, .....
• Selbstständige mit einem Auftraggeber, die im Zusammenhang mit ihrer selbstständigen Tätigkeit keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen."

Dieser Gesetzestext sorgt bei vielen Coaches für Verunsicherung. Gehöre ich zu dem Kreise der hier genannten? Und wenn ja, was bedeutet das für mich konkret? Coaches, Trainer und Dozenten werden nach diesem Passus einer „lehrenden Tätigkeit" zugeordnet. Darunter versteht die DRV das vermitteln von Fertigkeiten und Kenntnissen. Der Lehrbegriff wird also recht weit gefasst.

Coaching im Portfolio

Solltest Du zu den Coaches gehören, die neben ihrer Coachingtätigkeit auch als Trainer oder Berater arbeiten, gibt es eine weitere Regelung. Hier ist der Anteil der „lehrenden" Tätigkeit zu bestimmen. Geprüft werden muss daher, ob die lehrende Tätigkeit (nach Auslegung des Gesetzes) den Schwerpunkt der Arbeit bildet. Ist dies der Fall, liegt nach Maßgabe der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherungspflicht vor.

Dazu noch ein Beispiel:
Mal angenommen, Deine Coachingtätigkeit bestimmt 30% Deiner gesamten Arbeit. Liegt der Gewinn dafür über der sogenannten Geringfügigkeitsgrenze (derzeit 5400 Euro, oder 450 Euro monatlich), musst Du für den erzielten Betrag Beiträge zur Rentenversicherung bezahlen. Bleibst Du allerdings unter der Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro, ist dies nicht der Fall. Auf die erzielten Einnahmen anderer Tätigkeiten (die nicht im o.g. genannten Sinne als „lehrend" eingestuft werden), entfallen keine Beiträge.

Arbeiten bis zum Umfallen?

Die Frage nach der Altersvorsorge wird gerne verdrängt. Schließlich ist man ja fit und gesund, und so arbeitet man eben weiter bis 85 oder wie alt man eben wird. Die Einstellung, bis ins hohe Alter einer Tätigkeit nachzugehen, die man gerne tut halte ich für sehr erstrebenswert. Oder willst Du etwa wie viele Rentner nach dem Frühstück gleich den Fernseher einschalten? Ich bestimmt nicht. Trotzdem macht es Sinn, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Schließlich ist überhaupt nicht klar, ob man tatsächlich so lange arbeiten kann und das in diesem Alter auch noch möchte. Viele Selbstständige fürchten die Rentenversicherungspflicht und auch auf einmal einen nicht unerheblichen Teil ihres Gewinns der RV-Pflicht zu unterwerfen. Das ist sicherlich nicht unbegründet, beträgt doch der derzeit gültige Satz (Stand 2016) 18,7 Prozent. Bei einem Einkommen von 3000 Euro wären dies schon über 560 Euro, die Du Monat für Monat an die Rentenversicherung abführen müsstest. Während bei Angestellten der Beitrag je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen wird, müsstest Du diesen komplett selbst aufbringen. Der Gesetzgeber hat aber bei der maximalen Beitragshöhe einen Riegel vorgeschoben: So ist derzeit die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze bei 6200 Euro, was bei dem genannten Prozentwert einen maximalen Rentenbeitrag von knapp 1200 Euro ergibt (Quelle: www.deutsche-rentenversicherung.de). Über einem Verdienst von 6200 Euro steigt also der Rentenbeitrag nicht mehr.

Wo Schatten ist, ist auch Licht

Bei genauerer Überlegung kann eine Rentenversicherung in der Gesetzlichen aber durchaus Sinn machen. So bekommst Du beim Eintritt in das Rentenalter tatsächlich eine Rente. Und nicht nur das: Auch eine Rehabilitation bei (drohender) Arbeitsunfähigkeit übernimmt die Rentenversicherung. Nicht zuletzt hilft sie bei Erwerbsunfähigkeit. Solltest Du vorzeitig ableben, haben auch die Hinterbliebenen etwas davon, egal ob dies nun die Ehefrau oder Kinder sind, falls diese noch nicht selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Und ganz wichtig: All das ohne Aufpreis oder Zusatzbeiträge. Vielleicht hast Du das Thema bereits für Dich ordentlich durchgekaut und hast Dich bei einer privaten Rentenversicherung versichert. Dafür gibt es bestimmt auch gute Gründe. Nicht zu vergessen ist allerdings, dass die Privaten immer mit entsprechendem Wirtschaftswachstum rechnen und diese Faktoren in ihrer Kalkulation berücksichtigen. Sollte allerdings die Wirtschaft bzw. die „Geldkreisläufe" straucheln, kommt dieses System auch recht schnell ins „trudeln". Bei den „Privaten" werden unter Umständen auch bestimmte Risikoaufschläge fällig, welche die Rendite schmälern oder die Beiträge schlichtweg verteuern.

„Befreiung" von der Rentenversicherungspflicht

Hier siehst Du einige Möglichkeiten, die Rentenversicherungspflicht zu „umgehen" um somit keine Pflichtbeiträge einzahlen zu müssen:

Beratende Tätigkeit: Bist Du Consultant, Unternehmensberater, Lebensberater oder ähnliches? Die gesetzliche Rentenversicherungspflicht versteht unter Beratung die Unterbreitung konkret ausgearbeiteter und aufbereiteter Lösungsvorschläge bzw. Entscheidungsvorschläge.
• Lehrende Tätigkeit unterhalb der sogenannten Geringfügigkeitsgrenze im Haupt- oder Nebenerwerb
Nicht lehrende Tätigkeiten im Sinne des Gesetztes wie Vortragsredner, Autorentätigkeit, Diagnostik, u.a.
• Die Anstellung eines sozialversicherungspflichtigen Angestellen (muss über 450 Euro verdienen) oder mehreren Minijobbern, die gemeinsam die Einkommensgrenze von 450 Euro überschreiten.
• Nebenberufliche Tätigkeit von maximal 50 Tage pro Jahr, z.B. bei einem Rechtsanwalt, der nebenbei Kurse gibt oder als Coach tätig ist.

In diesem Artikel wollte ich Dir aufzeigen, dass das Thema Rente für Coaches ein ganz wichtiges ist und die gesetzliche Versicherungspflicht viele Vorteile aber auch Steuerungsmöglichkeiten hat. Vergessen hatte ich noch, dass die Rentenbeiträge zu einem großen Teil steuerlich abzugsfähig sind, also Deine Steuerlast mindern. Der Artikel kann aber freilich nicht alle Details bis ins Kleinste abbilden, noch eine Gewähr für die hier dargestellten Informationen übernehmen. Sinnvoll ist, einen sogenannten Rentenberater aufzusuchen oder den Steuerberater zu kontaktieren, falls dieser mit dem Thema kundig ist (sollte er!).

  • Telefon: 030 - 71 53 82 83
  • Telefon: 06051 - 47 01 20