Coach oder Trainer

Du merkst, jetzt ist die Zeit reif: Du möchtest eine Weiterbildung machen, kannst Dich aber nicht zwischen Coach und Trainer entscheiden. Du arbeitest gerne mit Menschen, bist kommunikativ und strukturiert? Dann könnte eine Coaching-Ausbildung das Richtige für Dich sein, oder doch lieber eine Ausbildung zum Trainer? Wodurch unterscheidet sich eigentlich die Arbeit eines Coaches von der eines Trainers? Diese Frage stellen sich häufig Interessenten, die sich für eine unserer Ausbildungen interessieren. Da es Dir vielleicht ähnlich geht, möchte ich Dir heute 5 Kriterien aufzeigen, die die beiden Berufsbilder voneinander unterscheiden und Dir gleichzeitig aufzeigen, welche Voraussetzungen Du für die eine oder andere Ausbildung mitbringen solltest.

Was macht eigentlich ein Coach?

Coaching ist eine lösungsorientierte Prozessbegleitung, durch die Dein Klient befähigt werden soll, sein Anliegen bzw. Problem mithilfe seiner Ressourcen selbstständig zu lösen. Um diesem Ziel möglichst nahezukommen, förderst Du als Coach bei Deinem Klienten sowohl die Selbstwahrnehmung als auch die Selbstreflexion und unterstützt ihn in der Bewusstwerdung seines Verhaltens. Coaching im weitesten Sinn hat immer mit der Entwicklung der Persönlichkeit zu tun, also mit dem, was einen im Innersten ausmacht (Einstellungen, Verhaltensmuster, Werte). Coaching basiert auf der Freiwilligkeit des Klienten.

Was macht eigentlich ein Trainer?

Bei einem Training geht es um strukturierte Vermittlung von Wissen oder Fertigkeiten. Als Trainer hast Du gegenüber Deinen Teilnehmern in aller Regel einen Wissensvorsprung, der es Dir ermöglicht einen Lernprozess zu gestalten. Als Trainer präsentierst Du also ein bestimmtes Thema und sorgst im besten Fall für eine Atmosphäre, in der Lernen Spaß machen kann. Du solltest dabei möglichst viele Sinneskanäle ansprechen, da es unterschiedliche Lerntypen in einer Gruppe gibt. So gibt es Menschen, die eher durch zuhören lernen, andere wiederum benötigen eine bildhafte Präsentation. Als Trainer solltest Du Dich also nicht nur fachlich auskennen sondern Dich zusätzlich mit Methodik und Didaktik beschäftigen. Im Gegensatz zum Coaching kommen in ein Training auch häufig Menschen, die von ihren Vorgesetzten „geschickt“ werden, was eine besondere Herausforderung an das Thema Motivation stellt.

Nach diesen beiden Definitionen könnte ich den Artikel eigentlich beenden, da damit grundsätzlich alles gesagt ist, oder? Doch nicht unbedingt. Es gibt durchaus Parallelen zwischen den beiden, weshalb es tatsächlich nicht immer so einfach ist sich zu entscheiden.

Selbstständig als Coach oder Trainer

Nehmen wir mal an, Du hast Sozialpädagogik studiert und schon einige Jahre Berufserfahrung. Deine Arbeit in einer Familien-Beratungsstelle macht Dir grundsätzlich Spaß. Du hast das Gefühl, dass Du Dich gut auf unterschiedliche Menschen einstellen kannst und sich die Menschen Dir anvertrauen. Doch irgendetwas fehlt Dir. Du bist in einen Arbeitsalltag eingebunden, der Dich im wahrsten Sinne des Wortes bindet. Gerne würdest Du losgelöst von einer gemeinnützigen Einrichtung Dein eigenes Ding machen. Deinen Arbeitstag selber planen, für die Akquisition Deiner Kunden selber verantwortlich sein. Du möchtest das Gefühl haben, dass Deine Arbeit auch finanziell geschätzt wird.

Schon immer hast Du Dich für das Thema Kommunikation und seit einiger Zeit auch für das Thema Resilienz interessiert. Diese Themen würdest Du gerne einem größeren Kreis von Menschen zugänglich machen. Andererseits reizt es Dich, individuelle „Beratungen“ durchzuführen; Menschen dabei zu unterstützen ihr Kommunikationsverhalten zu verbessern, Konflikte zu bewältigen oder auch in Krisenzeiten zu überwinden.

Da Du mit Deiner momentanen Arbeit grundsätzlich zufrieden bist, kann es Sinn machen zunächst nebenberuflich als Coach und Trainerin zu arbeiten. So hättest Du ein gesichertes Einkommen bis sich Deine Neuausrichtung rechnet.

Auf die Reihenfolge kommt es an

Aus meiner Sicht könnte es Sinn machen, sich zunächst auf eine Coaching-Ausbildung zu konzentrieren und zwar aus folgenden Gründen:

  • Während einer Coaching-Ausbildung lernst Du einiges über die Grundbedürfnisse von Menschen, was Dir als Trainerin ebenfalls helfen kann um Dich auf heterogene Gruppen einzustellen
  • Du lernst verschiedenste Fragetechniken kennen, die Du auch im Training einsetzen kannst.
  • Du lernst während der Coaching-Ausbildung eine ganze Menge über Dich selber, was Dir auch bei einer Trainertätigkeit helfen kann.
  • Du lernst Deine „blinden“ Flecken kennen, was Dir den Umgang mit vermeintlich „schwierigen“ Teilnehmern erleichtern kann.
  • Du entwickelst Deine Persönlichkeit, was zu einer selbstbewussten Trainerhaltung führen kann
  • Nebenbei lernst Du, vor einer Gruppe zu sprechen und Dinge auf den Punkt zu bringen

Dies sind nur ein paar Beispiele, dafür, dass eine Coaching-Ausbildung einer Trainer-Ausbildung vorangestellt werden könnte, wenn Du vorhast beides anzubieten. Übrigens bieten die meisten Coaches zusätzlich Seminare bzw. Workshops an. Nicht zuletzt ist es ein tolles Instrument sich einen Namen zu machen und darüber hinaus Klienten für ein Coaching zu gewinnen.

Würdest Du nach einer Coaching-Ausbildung noch eine Trainer-Ausbildung absolvieren wollen, hättest Du bereits die besten Voraussetzungen. Denn dann, in der Trainer-Ausbildung, geht es in erster Linien darum,

  • wie Du Dein fachliches Thema strukturiert präsentieren kannst
  • Du eine ansprechende Lernatmosphäre schaffen kannst
  • Du einen Lernprozess in der Gruppe moderieren kannst und wie
  • Du als Trainer-/in authentisch rüberkommst und
  • Wie Du mit vermeintlichen „Störern“ umgehen kannst.

Das, was ich eben geschrieben habe, soll aber nicht heißen, dass jeder eine Coaching-Ausbildung machen muss, der als Trainer arbeiten möchte. Nur, wenn Du Dir grundsätzlich beides vorstellen kannst, würde die beschriebene Reihenfolge aus meiner Sicht Sinn machen.

Grundsätzlich lässt sich folgendes sagen:

Eine Trainer-Ausbildung kann für Dich Sinn machen, wenn Du

  • gerne vor Gruppen stehst
  • strukturiert und kommunikativ bist
  • gerne Dein Wissen teilst
  • Spaß an der Gestaltung von Lernprozessen hast
  • Spaß am Lernerfolg anderer hast

Eine Coaching-Ausbildung kann für Dich Sinn machen, wenn Du:

  • mehr über Dich selbst erfahren möchtest,
  • Deine Persönlichkeit weiterentwickeln möchtest
  • lernen möchtest, wie Du andere Menschen bei deren Zielerreichung unterstützen kannst,
  • strukturiert und kommunikativ bist
  • Spaß an der Gestaltung von Entwicklungsprozessen hast
  • Spaß am Erfolg anderer hast

Ich hoffe, ich konnte Dir einen kleinen Einblick in die Unterschiede und Parallelen einer Coaching-Ausbildung bzw. Trainer-Ausbildung geben.

Wenn Du Fragen zu der ein oder anderen Ausbildung hast, kannst Du Dich gerne bei uns melden. Vielleicht hilft Dir auch unser Buch „Jetzt werde ich Coach!“ , das im nächsten Monat im Beltz Verlag erscheinen wird.

Kennst Du sie - die Online Marketing und social-media Berater, die das „Blaue vom Himmel" versprechen? „Ich zeige Dir, wie Du Deine facebook-Kontakte in Kunden verwandelst! - Baue Dir Dein Traumbusiness auf. Du bist nur einen Klick davon ent-fernt!" Kennst Du diese Phrasen auch? Sie schießen förmlich wie Pilze aus dem Bo-den, die sogenannten social-media Berater und „Experten". Die Namen mögen vielfältig sein. Auffallend ist, dass sich viele dieser Berater in jüngster Zeit die Zielgruppe der selbstständigen Coaches oder Berater ausgesucht haben. Das erweckt in mir den Eindruck, dass diese es offensichtlich sehr nötig haben, einiges über Marketing und social-media Strategien zu lernen. Oftmals ist es ja auch so, dass jemand fachlich wirklich top ist, in der Darstellung seiner Dienstleistung nach Außen aber eher ein Flop.

Schau her, ich zeige was ich habe

Mit sexy Ausstrahlung und Sonnenbrille, entspanntem „feel" unter der Sonne am Strand, in der Nobelkarosse sitzend oder vielleicht ihren letzten Jahresumsatz vor sich hertragend, wollen sie Dir vor allem eines zeigen: „Sieh her, das habe ich gemacht. Und : Das kannst Du auch!" Kaufe jetzt den Kurs xyz und lerne, wie Du...dann kann Dich und Dein neues Business (in dem Du auch sexy wirst und Sonnenbrille aufhast, am Strand sitzt, usw.) nichts mehr trennen. Zumindest ist das die Botschaft die bei mir ankommt.

Who´s who?

Ich bin jemand, der sich auch immer für die Person interessiert, die hinter einer Dienstleistung und einem Angebot steht. Hier ist oft Fehlanzeige angesagt und Sätze wie „Unternehmerin aus Leidenschaft" oder „Social-Media Marketing ist meine Passion" sind manches Mal die dürftigen Informationen, aus denen ich mir zusammenreimen muss, wer denn nun hinter der Dienstleistung steht. Oft suche ich dann nach der Erfahrung (z.b. als Coach, Berater Trainer), aus der sich nun eben Expertise aufbaut, meist vergeblich.

Bist Du Coach, Trainer oder Berater?

Jawoll, bin ich! Und spätestens jetzt hellwach, wenn es darum geht, dass andere Marketingstrategien für Coaches vorstellen. Insbesondere dann, wenn sich diese Bezeichnungen geben wie „Experten". Vielleicht weißt Du, dass ich auch gerne dazulerne und mich selbst auch als „lernende Organisation" begreife. So freue ich mich immer, etwas Neues dazuzulernen. Bei genauerem Hinschauen auf die oben genannten Angebote ist mir allerdings etwas doch recht merkwürdiges passiert.

Die Gretchenfrage

Ich stelle dann nämlich gerne die Frage nach den Referenzen im beworbenen Bereich der Coaches und Trainer. Also, wie viele Kunden hat jemand tatsächlich durch die beworbenen Aktivitäten gewonnen. Dann wird es entweder lustig oder ganz arg traurig. Hier habe ich schon Antworten zu hören bekommen wie: „Diese Frage ist aber ganz schön plump" oder „Man weiß ja schließlich, dass Online-Marketing funktioniert". Als ich diese Aussage einmal in Frage gestellt habe (da kommt dann doch der Coach in mir durch), bin ich sogar aus einer facebook-Gruppe ausgeschlossen worden. Spannend, nicht? Tatsächlich bin ich davon überzeugt, dass z.B. Online-Marketing funktioniert und sich zum Beispiel gute Selbstlernkurse verkaufen lassen - diese auch wirklich einen Mehrwert bieten, wenn sie gut gemacht sind und der Anbieter vor allem eines hat: Feldkompetenz und Erfahrung im Metier für das er angibt Experte zu sein! Das gute an dieser „Produktform" des Online-Kurses ist, dass sie von überall auf der Welt (Internetzugang vorausgesetzt) konsumiert und auch umgesetzt werden kann. Falls du selbst Berater, Coach oder Trainer bist, „klingelt" es vielleicht auch gerade bei Dir: Die angesprochene Dienstleistung des Coaches etc. wird in aller Regel in einem face to face Setting erbracht (Ausnahmen mögen hier die Regel bestätigen), so zum Beispiel in Unternehmen, Organisationen oder in einer Praxis. So halte ich das reine Online(Kurs)-Medium für einen Coach, Berater oder Trainer für ungeeignet. Dies zu verstehen ist aber tatsächlich nur möglich, wenn Du entsprechende Feldkompetenz in diesem Bereich hast. Insbesondere dann, wenn Du Deine Dienstleistung regional anbietest (z. B. als Personalcoach), musst du unbedingt noch andere Register „ziehen" um in Erscheinung zu treten. Ich frage mich allen Ernstes: Wie glaubwürdig sind solche Angebote von Menschen, die von der Arbeitsweise (so ganz unterschiedlicher Berater oder Coach-Dienstleistungen) keine Ahnung haben, aber sagen (oder den Eindruck erwecken wollen), sie hätten welche, in dem sie explizit die Berufsgruppe der Coaches und Trainer, etc. ansprechen? Aus meiner Sicht werden hier sicherlich funktionierende Regeln des „digital-business" auf eine Berufsgruppe übertragen, deren Dienstleistung in aller Regel nicht digital erbracht wird.

Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins...

Nun gibt es aber wirklich Berater, die echt was drauf haben und ihr Handwerk verstehen. Ich finde es im Übrigen auch gar nicht schlimm, wenn jemand Berufsanfänger in seinem Bereich ist und das auf Nachfrage auch so sagt. Hier ist manchmal das Engagement für einen Kunden wirklich etwas zu bewegen und sich "ins Zeug zu legen" sehr hoch. Oder eben kundtut, dass es einfach noch keine Referenzen gibt. Das halte ich für zehnmal glaubwürdiger als solche „Verallgemeinerungen" oder „Ausweichmanöver", wie oben beschrieben. Aus meiner Erfahrung möchte ich Dir noch zwei Tipps an die Hand geben, wie Du Beraterprofis erkennen kannst die tatsächlich ihr Geld Wert sind:

Tipp 1:

  • Erfrage immer die Expertise: Was genau qualifiziert eine Person, „Experte" in einem Bereich zu sein, z. B. im Marketing von Coaches und Trainern? Nicht jeder der „Olympiasieger" trainiert, muss selbst mal ein Olympiasieger gewesen sein. Dennoch sollte Erfahrung in diesem Bereich vorhanden sein, am allerbesten eigene ;-)

Tipp 2:

  • Frage nach konkreten Referenzen im „beworbenen" Bereich. Mit konkret meine ich nicht „Hurra, der Kurs war toll" oder „Oh ja, ich habe 1000 neue likes auf mein Profil" bekommen. Hinter konkreten Kundenreferenzen stehen Menschen die auch „handfestes" liefern, die also tatsächlich ihr Business „messbar" verbessert haben. Zum Beispiel durch ein höheres Honorar oder bessere (quantitativ- qualitativ) Abschlüsse. Wenn Du schon eine Weile selbstständig arbeitest weißt du längst, dass diese Beurteilung für den Unternehmer mindestens einige Monate braucht, um diese „Effekte" überhaupt kausal einigermaßen auf die Beratung zurückzuführen. Hier empfinde ich es als hilfreich, wenn solche Referenzen genannt werden können und es auch die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme gibt. Wenn es keine Referenzen gibt, sollte man dies aber auch genauso sagen und dazu stehen. Sollte hier „rumgeeiert" werden wäre das für mich schon ein KO-Kriterium.

Ich brauche Deine Hilfe

Nun kann ich nur auf meine eigene, bescheidene Erfahrung von nunmehr 10 Jahren als hauptberuflicher Coach und Trainer zurückblicken. Viel spannender finde ich aber, wie andere, die auch hauptberuflich in diesem Bereich arbeiten ihr Business begründet und sich etabliert haben. Findest Du das auch spannend? In unserem Buch „Jetzt werde ich Coach" haben wir drei hauptberuflich arbeitende Coaches aus ganz Deutschland nach deren Werdegang befragt. Eine wahre Inspirationsquelle!

Noch etwas ist mir wichtig: In diesem Artikel habe ich Dir meine Wahrnehmung und Beobachtung, aber auch meine ganz subjektive Erfahrung geschildert. Wenn Du andere Erfahrungen gemacht oder noch mehr Tipps auf Lager hast, wie man einen guten Berater erkennt freue ich mich über Deinen Kommentar! Vielleicht habe ich auch einen fundamentalen Denkfehler? Danke, dass Du mir hilfst zu lernen!

Mittwoch, 10 Februar 2016 08:36

So findest Du Deinen Idealklienten

IdealklientMit wem kann ich`s am besten?

Wenn Du Dich an meinen Blogartikel über Deine optimale Positionierung als Coach erinnerst, ging es darum, Dein Coaching-Angebot so konkret wie möglich zu formulieren um sich von anderen Angeboten abheben zu können. Zusätzlich war aber auch von Deinem Idealkunden die Rede. Also von den Menschen, denen Du typischerweise Deine Dienstleistung anbieten möchtest. Denn neben Deiner Positionierung, ist es mindestens genauso wichtig, dass Du Dir Gedanken über Dein zukünftiges Klientel machst. Erst wenn Du weißt, an wen Du Dich konkret wenden möchtest, kannst Du Deine Werbung zielgruppenspezifisch aufbauen.

Ich möchte Dir heute zeigen, wie Du herausfinden kannst, mit wem Du arbeiten möchtest, wer also Dein Idealklient ist.

Nicht selten wirst Du als Coach mit folgenden oder ähnlichen Fragen konfrontiert: „An wen wendest Du Dich eigentlich mit Deinem Coaching?“ Oder „Mit wem arbeitest Du in Deinen Coachings?“ Jetzt kannst Du natürlich antworten: „Mit allen, die zu mir kommen wollen.“

Ok. Das ist natürlich theoretisch möglich aber doch sehr wenig spezifisch. Denn, wen möchtest Du tatsächlich ansprechen? Mit wem möchtest Du gerne arbeiten? Ist es eher der Manager, der Dich in seinem Büro empfängt, der Freiberufler mit dem Du Dich in einem Café triffst oder arbeitest Du lieber mit Jugendlichen die kurz vor der Berufswahl stehen?

Auf den Fokus kommt es an

Gerade am Anfang Deiner Coaching-Tätigkeit kann es sinnvoll sein, sich zunächst auf eine Zielgruppe zu spezialisieren damit Du Dich selber fokussieren kannst. Konkreter wird das Ganze noch, indem Du Dir nur Eine Person mit ganz bestimmten Eigenschaften vorstellst. Das mag zunächst etwas ungewohnt sein, doch steht diese eine Person dann stellvertretend für Deine Zielgruppe. Die Spezifizierung sollte soweit gehen, dass Du Deinen Idealklienten so gut kennst, dass Du Dich vollkommen in ihn hineinversetzen kannst und Dir genau vorstellen kannst wie er oder sie denkt und fühlt. Wenn Dir das gelingt, kannst Du für diese Person ein konkretes Angebot erstellen in dem sie sich wiederfindet.

Der Vorteil sich zunächst auf eine Person zu beschränken liegt klar auf der Hand. Bei jeder Form der Kommunikation mit Deinem potentiellen Kunden, ob Du eine Anzeige erstellst, einen Newsletter schreibst oder eine Seminarausschreibung erstellst; was auch immer im Zusammenhang mit Deinem Angebot steht: Es wird Dir leichter fallen, die entsprechenden Texte zu erstellen, wenn Du Dir nur eine konkrete Person dabei vorstellen musst. Durch die Konkretisierung kannst Du Dich sehr gut in die Person hineinfühlen. Du wirst sehr viel persönlicher und konkreter in Deinen Texten werden. Dadurch, dass Du die Gefühle Deiner Zielperson „kennst“, weißt Du wo Du ansetzen musst um Sie gezielt ansprechen zu können.

Jetzt kannst Du natürlich die Sorge haben, dass Du damit ein Menge anderer Personen ausgrenzt. Aber genau das ist das Ziel. Du möchtest nur die Personen ansprechen, mit denen Du tatsächlich arbeiten möchtest.

Solltest Du später Dein Angebot erweitern, kann es durchaus sein, das Du Dir weitere Idealklienten erstellst.

Idealkunden-Profil

Um ein Profil für Deinen Idealklienten zu erstellen macht es Sinn, dass Du Dich mit Deinem Wunschklientel beschäftigst.

Beantworte dazu folgende Fragen, indem Du Dir eine Liste anlegst mit deren Hilfe Du später einen Steckbrief erstellen kannst.

1. Charakterisiere Deinen Idealklienten so konkret wie möglich.

- Männlich oder weiblich?

- Wie alt?

- Wohnort:

- Familienstand:

- Bildung:

- Branche:

- Religion:

- Nationalität:

- Einkommen:

- Kleidung:

- Werte:

- Glaubenssätze:

- Interessen:

- weitere Eigenschaften:

2. Welchen Preis kann sich mein Idealklient leisten?

3. Welchen Preis ist mein Idealklient bereit zu zahlen?

4. Welche Sprache spricht mein Idealklient? (hier ist so etwas gemeint wie förmlich, burschikos, sachlich etc.)

5. Welche Begrifflichkeiten werden genutzt?(Gibt es bestimmte Modebegriffe oder auch Fachtermini die genutzt werden?)

6. Weitere Informationen über meinen Wunschklienten

Wenn Du Dir über die obigen Fragen Gedanken gemacht hast, fasse die Antworten in einen Steckbrief zusammen, so dass Du Dich möglichst genau in diese eine Person hineinversetzen kannst.

Es geht noch genauer

Noch konkreter wirst das Ganze, wenn Du es schaffst aus Sicht Deines Idealklienten folgende Fragen zu beantworten:

1. Was stresst mich im Moment am meisten?

2. Welche Themen halten mich nachts wach?

3. Was soll „weg“ gehen?

4. Was möchte ich endlich erreichen?

5. Wenn ich XY endlich geschafft hätte, wäre ich überglücklich.

Aus diesen Informationen kannst Du Deine ideale Zielperson erarbeiten. Diese Fragen zu beantworten ist zunächst nicht ganz so einfach. Aber versuche wirklich aus der Sicht Deines Wunschkunden zu sprechen. Am leichtesten fällt es Dir wenn Du ihm oder ihr einen Namen gibst. Durch die Personifizierung bekommt Dein Wunschkunde quasi ein Gesicht und es fällt Dir leichter, seine Sichtweisen anzunehmen.

Wenn Du Dir die eben beschriebene Arbeit erst mal gemacht hast (und glaube mir, es ist wirklich Arbeit), wirst Du feststellen, wie viel leichter es für Dich sein wird eine gezielte Kommunikation mit Deinem Idealklienten aufzubauen. Dein Wunschkunde wird sich von Dir verstanden fühlen was im „schlimmsten“ Fall dazu führt, dass er mit Dir Kontakt aufnimmt ;-)). Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg!

Mehr Informationen und Aufgaben zum Thema Positionierung und Wunschkunden findest Du in unserem Buch "Jetzt werde ich Coach!" das im April beim Beltz Verlag erscheinen wird.

 Jetzt werde ich Coach

„Jetzt hat der Klient ja schon seine Lösung erkannt, aber er hat davon noch immer nichts umgesetzt...... Nach fünf Sitzungen sollte der Groschen ja langsam gefallen sein, aber ich höre immer noch die gleiche Leier.... Kriegt der Klient nicht bald mal den Hintern hoch, es ist doch jetzt eigentlich alles klar, oder?

Kennst Du solche und ähnliche inneren Dialoge wie oben genannt auch von Dir? Oder vielleicht beobachtest Du manchmal, dass ein Klient, der die Lösung scheinbar in der Tasche hat nun doch ganz eigene Wege geht. In unserer Coaching-Ausbildung hören wir auch immer wieder die Frage: „Mein Klient möchte sich gar nicht verändern, was kann ich jetzt tun?" In diesem Artikel zeige ich Dir, wie Du mit Menschen umgehen kannst die ins Coaching kommen, scheinbar aber nichts verändern wollen. Und was das Ganze mit Dir selbst zu tun hat.

Der Klient - ein Buch mit sieben Siegeln

Wer schon mal Seminare von mir besucht hat, kennt bereits diesen Ausspruch: „Coaching ist eine super Sache, wenn da nur diese Klienten nicht wären." Damit meine ich, dass Menschen, die eine Beratung oder ein Coaching aufsuchen, manchmal ganz eigene Wege gehen, die wir scheinbar nicht verstehen. Schließlich haben wir mit dem Klienten zusammen viel gearbeitet, uns Mühe gegeben und nun ist das Ergebnis scheinbar „kaputt" oder „nichts wert". Wenn es Dir auch schon mal so ergangen ist, dann lies weiter.

Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass


Dieser Ausspruch kann manchmal passen, wenn im Coaching Perspektiven oder Lösungen generiert wurden, die dem Klienten vielleicht „unangenehm" sind. Eigentlich möchte er eine Änderung herbeiführen, daher besucht er auch einen Coach. Aber irgendwie will er doch noch nicht „so weit" gehen. Das kann eine Entscheidung sein, die schon längere Zeit „vermieden" wurde und jetzt offensichtlich auf der Hand liegt, die Zeit aber vielleicht noch nicht reif ist um jetzt wirklich zu handeln. Es kann aber auch sein, dass der subjektiv empfundene Leidensdruck noch nicht hoch genug ist und es zumindest im Moment leichter erscheint, alles „beim Alten" zu lassen. Möglicherweise ist aber auch die Angst vor möglichen Folgen einer Entscheidung so groß, so dass die Sicherheit bevorzugt wird. Auch wenn die Sicherheit bedeutet „zu leiden", immerhin ist das eine Sicherheit gegenüber der Unsicherheit und den Folgen einer Verhaltensänderung oder Entscheidung. Es kann auch gut sein, dass der Klient ganz kleine Schritte geht, die vielleicht noch gar nicht so recht wahrnehmbar sind, und die wir vielleicht übersehen? Vielleicht ahnst Du schon, worauf ich hinaus möchte: Bei (scheinbarer) Veränderungsresistenz lauern auf Dich als Coach „böse Fallen". Doch dazu mehr im nächsten Absatz.

Wozu brauchst Du Deine Klienten?

Nun haben wir schon einige Punkte erwähnt, die für eine mögliche (oder scheinbare) Veränderungsresistenz sprechen könnten. Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang, die Du Dir selbst immer wieder einmal stellen solltest, insbesondere am Anfang Deiner Coaching-Tätigkeit, ist: „Was macht es mit Dir, wenn ein Klient die im Coaching gefundenen Lösungen nicht umsetzen möchte?" Könntest Du den Klienten dann immer noch vorbehaltlos annehmen, auch wenn er sich gegen die von Euch erarbeitete Lösung entscheidet? Wie reagierst Du typischerweise und was macht das mit Dir?

Und Du als Coach? Welcher „Reaktionstypus" bist Du, kennst Du Dich selbst auch?

Für Dich als Coach gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, mit dem Verhalten Deines Klienten umzugehen. Einige „Klassiker" wollen wir Dir hier vorstellen:

Typus: Narzisstische Selbstbestätigung
„Ich fühle mich gekränkt!" - Schließlich habe ich Zeit und Mühe investiert und jetzt ist offenbar unsere Arbeit nichts wert. Der Klient hat es offenbar nicht mal nötig, sein eigenes Ziel umzusetzen.

Typus: Abwertung

Der Klient hat überhaupt keinen Mumm! Hätte er diesen, dann würde er seine Ziele konsequent und erfolgreich angehen. So wird das nie was werden! Offenbar weiß er nicht wohin mit seinem Geld, sonst würde er es für Dinge ausgeben, die ihm wirklich etwas bringen.

Typus: Bagatellisierung

Ist mir doch egal, Hauptsache der Klient hat bezahlt. Wenn er die Sachen nicht umsetzen möchte - ist doch seine Sache, sein Problem, sein Ding.

Typus: Helfer

Oh nein! Wahrscheinlich war unser Coaching nicht gut und ich nicht gut genug. Ich muss doch noch die und die Weiterbildung besuchen, damit ich wirklich immer und überall perfekt bin. Offensichtlich war ich es noch nicht...

Typus: Selbsterhöhung
In Wirklichkeit schaue ich auf meine Klienten herab. Sie kriegen´s halt nicht hin. Daher brauchen sie mich denn sie wissen (so wie ich auch): Der weiß wie´s läuft.

Typus: Ablenker
Eigentlich bräuchte ich selbst mal ganz dringend ein Coaching, vielleicht sogar eine Therapie. Viel leichter ist es aber, das Problem beim Andern zu diagnostizieren und zu lösen. Wenn ich mich dann mit meinen Klienten beschäftigen kann (und deren Problemen), brauche ich mich nicht mit mir selbst zu beschäftigen.

Hast Du Dich vielleicht wiedererkannt? Die gute Nachricht: Diese Reaktionen auf scheinbare „Veränderungsunwilligkeit" wären absolut menschlich. Die schlechte Nachricht: Als Coach solltest Du Deinen „Anteil" im Coaching, also Deine (unbewussten) Strickmuster kennen und beherrschen können. Es kannt sonst sehr leicht passieren, dass Du diese Anteile unreflektiert in den Prozess miteinbringst oder Deinem Klienten gar „überstülpst". Wir halten es für unerlässlich, durch entsprechende Selbsterfahrung sich auch mit diesen Fragen zu konfrontieren.

Eines möchte ich Dir noch mitgeben: Der Klient hat immer gute Gründe, Dinge genau jetzt so zu tun. Auch wenn wir diese im Moment vielleicht nicht kennen oder nicht sehen (wollen). Und wir sind gut beraten, uns dem „System" des Klienten mit Respekt und Wertschätzung zu nähern. Wenn wir das verstehen und umsetzen, bereiten wir übrigens den Nährboden für etwas ganz Wichtiges im Coaching: Beziehung für erfolgreiche Veränderungsarbeit.

MotivationAls Coach, vor allem wenn Du relativ neu in der Branche bist, geht es Dir sicherlich wie vielen Unternehmern bzw. Selbständigen auch. Du hast tolle Ideen und möchtest sie umsetzen. Doch bei näherer Betrachtung, stellst Du fest, dass da wieder jemand schneller war und „Deine“ Idee bereits umgesetzt hat. Das war es wieder mit der Positionierung als Coach. Dass es viele Bäcker oder Metzger mit einem ähnlichen Angebot gibt, ist selbstverständlich. Doch was unterscheidet sie jeweils von der Konkurrenz, so dass sie sich dennoch am Markt behaupten können? Was also unterscheidet DICH von anderen Coaches, damit Du mit Deinem Angebot überzeugen kannst?

Die Antwort mag simpel klingen, doch der Teufel steckt wie immer im Detail.

Du unterscheidest Dich von anderen Coaches durch Deine Persönlichkeit, Deine Denkweise und Deine grundsätzliche Herangehensweise.

Was heißt das aber für Dich in der Praxis? Ich möchte Dir zeigen, wie Du mit wenigen aber fundierten Fragestellungen Deiner Positionierung entscheidend näher kommen kannst und so von Deinen Wunschkunden als professionell und vertrauenswürdig wahrgenommen wirst.

Wie denkst Du über Dich?

Denk doch mal zwei Minuten über Dich und Dein Angebot nach. Fühlt sich das „rund“ an? Kannst Du gut sein, in dem was Du anbietest? Bist Du davon überzeugt, dass Du die Beste sein wirst? Kannst Du 100%ig zu Deinem Angebot stehen?

Wenn ja, dann trau Dich auch dies zu zeigen; auf Deiner Website, in Deiner Kundenansprache und Deiner Preisstruktur. Steh zu dem was Du kannst und sei authentisch, eben so, wie Du bist.

Warum eigentlich Coaching?

Schon Kleinkinder tun es. Mit ca. 3 – 4 Jahren hinterfragen Kinder ALLES und Mütter und Väter müssen geduldig eine Antwort geben. Vielleicht haben uns unsere Eltern die Fragerei mit der Zeit abgewöhnt? Warum hinterfragen wir als Erwachsene nur noch so selten warum wir etwas machen?

Dabei lautet die wichtigste Frage bei der Gründung Deines Coaching-Business: Warum möchtest Du als Coach arbeiten?

Was ist der Reiz dabei? Was motiviert Dich eine Coaching-Ausbildung zu machen, Dich in Selbstreflektion und Fragetechniken zu üben und Dir viele verschiedene Tools anzueignen? Wobei möchtest Du Menschen gerne unterstützen oder sie begleiten? Was ist Dein eigentlicher Beweggrund, also Deine Motivation?

Wenn Du Dir darüber schriftlich Gedanken machst, wirst Du herausfinden was Dein tatsächliches Angebot sein wird und wie Du Dich damit positionieren kannst. Nimm Dir also wirklich Zeit und beantworte die obigen Fragen.

Mindestens genauso wichtig ist es, dieses „Warum“ Deinen potentiellen Kunden mitzuteilen. So wirst Du als Mensch mit einem bestimmten Erfahrungsschatz sichtbar. Außerdem erfahren sie von Dir, wie Du zu dem geworden bist der Du jetzt bist und welche Stolpersteine Du vielleicht überwinden musstest.

Falls Du es noch nicht wusstest: Die „Über-Mich“-Seite wird auf Websites am häufigsten gelesen. Das heißt, Deine Kunden werden sich für Dich interessieren und möchten erfahren wer Du bist. Gerade beim Coaching geht es um den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung. Da kannst Du gleich auf der Über-Mich-Seite damit beginnen. Die wenigsten Coaches machen das...

Auf unserer „Über uns“-Seite, wirst Du lesen können warum wir tun was wir tun. Wir wurden dazu angeregt von einer Blogparade von Gordon Schönwälder. Auf die Länge kommt es dabei nicht an, eher auf Authentizität.

Falls Du Dir also bisher noch keine (schriftlichen) Gedanken über Deine Beweggründe gemacht hast, solltest Du damit beginnen. Es lohnt sich auf jeden Fall und hilft Dir, wie gesagt, bei Deiner individuellen Positionierung.

Das konkrete Angebot

Wenn Du erst mal weißt warum Du Coach sein möchtest, wird es Dir sehr viel leichter fallen daraus ein konkretes Angebot zu formulieren.

Hierzu ein Beispiel: Nehmen wir an, Du warst viele Jahre Lehrer und hast Deinen Beruf vor einiger Zeit aufgegeben um als selbständiger Coach zu arbeiten. Wenn wir jetzt die Frage nach dem „Warum“ stellen, könntest Du z. B. antworten: „Als Lehrer habe ich stets mit unterschiedlichen Charakteren gearbeitet, was mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hat. Ich weiß aber auch, dass es für einen Lehrer nicht immer leicht ist und dass es oft sehr stressige Situationen gibt, die einen auch psychisch überfordern können, wenn man nicht lernt auf sich zu achten. Als Coach werde ich nun meinen jungen Kollegen helfen, wie sie mit stressigen Situationen besser umgehen können und wie sie lernen können gut für sich zu sorgen. Vielleicht machen sie dann weniger Fehler als ich.“

Nach der Aussage würden doch sicher so manche Lehrer sagen: "Wow, das spricht mir aus der Seele. Damit wäre mir sehr geholfen.“

Das Beispiel zeigt, wie aus einem klaren „Warum“ sofort ein konkretes Angebot formuliert werden kann.

Du merkst vielleicht schon, dass sich nun aus dem konkreten Angebot ein potentieller Wunschkunde formulieren lassen könnte. Doch dazu in einem nächsten Blogartikel mehr.

Was motiviert Dich als Coach zu arbeiten? Wir sind gespannt auf Dein „Warum“? Leg gleich los!

Dienstag, 08 Dezember 2015 14:53

Warum (mehr) Frauen ein Coaching buchen

Das Jahresende naht heran. Für viele Zeit, auch mal Rückschau zu halten über das, was in diesem Jahr so los war. Ich habe mir heute mal die Zeit genommen, die Daten meiner Coaching-Klienten auszuwerten. Doch keine Sorge: Ich unterliege der Schweigepflicht und werde selbstverständlich keine persönlichen Daten preisgeben. Eine Frage die mich aber beschäftigt hat ist, ob mehr weibliche oder mehr männliche Klienten ein Coaching buchen. Die Antwort auf diese Frage habe ich oben bereits verraten: Es sind (deutlich) mehr weibliche Klienten. Ich habe mir auch Gedanken darum gemacht, warum das sehr wahrscheinlich so ist und habe dazu einige Thesen aufgestellt:

Durch „neue Berufsbiografien" sind Frauen von jeher mehr Veränderungen ausgesetzt

Während bei Männern die berufliche „Karriere" eher geradliniger verläuft (Schule, Studium bzw. Ausbildung, berufliche Tätigkeit), ist die weibliche Berufsbiografie von „Natur" aus eher „Umbrüchen" ausgesetzt. Ich denke dabei vor allem an Erziehungs- bzw. Elternzeit, Doppelbelastung durch Familie und Beruf aber auch die Pflege von eventuell erkrankten Angehörigen. Da oft der Mann das höhere Einkommen erzielt, sind Frauen auch eher bereit, durch einen Ortswechsel die berufliche Karriere des Mannes zu unterstützen.

Frauen hinterfragen sich eher

Ich bin davon überzeugt, dass Frauen eher bereit sind über persönliches zu sprechen. Das müssen nicht immer die „tiefsten Gefühle" sein. Schon allein die Fähigkeit, sein eigenes Befinden beschreiben zu können, erfordert die Fähigkeit, sich selbst wahrzunehmen. Dazu kommt auch noch, diese Wahrnehmung mitteilen zu wollen. In einem Frauengespräch erzählt man gerne alltägliches, vielleicht auch (für uns Männer) banales. Ganz oft geht es aber wirklich um das eigene Erleben und man tauscht sich tatsächlich darüber aus, wie es einem gerade geht. Hör mal einer „typischen Männerrunde" zu in der gerade einer die Frage stellt: „Na, wie geht´s dir?" Du wirst die typischen Standards hören wie: „Am liebsten gut.." oder...."naja, man muss halt"....oder vielleicht...."wir sind zufrieden.."...Mal ganz ehrlich, ist das eine Antwort auf die oben gestellte Frage? Ich will da den Männern überhaupt keinen Vorwurf machen. Orientieren sich diese verständlicherweise an den Rollenvorbildern, z. B. dem Vater oder anderen männlichen Bezugspersonen. Konnte Dein Vater wirklich über (eigene) Gefühle oder Befindlichkeiten sprechen? Da Frauen, so glaube ich, allgemein einen besseren „Zugang" zu sich selber haben als Männer, können diese sich auch eher hinterfragen und sind bereit zur Selbstreflexion.

Frauen können sich eher eingestehen, dass sie Hilfe brauchen und sind bereit, sich diese zu suchen und auch anzunehmen

Dieser Punkt setzt an obigem an und fängt schon bei der Suche nach Hilfe und Unterstützung durch einen vertrauten Menschen, z. B. einer Freundin an. Nach meiner Erfahrung „brödeln" Männer eher in sich hinein und glauben, alles alleine hinzubekommen oder hinbekommen zu müssen. Das hat sicher auch etwas damit zu tun, wie die eigenen Rollenvorbilder mit Konflikten umgegangen sind oder wie Konflikte (wenn überhaupt) gelöst wurden. Frauen sind nach meiner Einschätzung und Erfahrung eher bereit, sich zu öffnen, Hilfe zu suchen und auch anzunehmen. Das kann natürlich auch professionelle Hilfe sein durch einen Coach, Berater oder Therapeuten.

Tendenziell „brauchen" Frauen eher eine Stärkung der eigenen Ressourcen

Das ist jetzt sicherlich eine gewagte These, das ist mir schon bewusst. Allerdings glaube ich: Da Männer durch die männlich-dominierte Gesellschaftssicht eher als das „starke Geschlecht" wahrgenommen und auch als dieses gefördert werden (z. B. durch ein höheres Gehalt), werden Frauen viel eher als Männer „klein gehalten". Schaut man sich die heute 20-jährigen an, mag mein Argument eher witzig klingen. Blickt man aber etwas weiter und fragt einmal die 50 - 60 jährigen (oder noch älter) schaut die Sache schon anders. Ich will nicht generalisieren, stelle aber die Behauptung auf, dass in der „damaligen Zeit" Pflichtbewusstein und Pflichterfüllung, vielleicht aber auch möglichst konform zu sein und „wenig Ansprüche" zu haben für viele handlungsleitend war. Vielleicht deshalb, weil solche Werte in der eigenen Erziehung als wichtig erachtet wurden? Themen wie „Selbstverwirklichung" oder sich selbst auch als wichtig und wertvoll wahrnehmen waren längst nicht so etabliert und selbstverständlich, wie das heute ist.

Die Rolle der Frau ist auch kulturell geprägt

Da wir in einer multikulturellen Gesellschaft leben, schadet ein Blick über den „eigenen Horizont" nicht. Hat sich das westliche Frauenbild auch im Zuge des aufstrebenden Wohlstandes positiv verändert (und das tut es hoffentlich weiterhin), leben in Deutschland auch viele Frauen aus Ländern anderer Kulturen. Die Rolle und der Wert der Frauen unterscheidet sich zum Beispiel in stark religiös geprägten Kulturen deutlich von unserem Frauenbild. So ist es nicht verwunderlich, dass es in einem sehr freiheitlich geprägten Land wie Deutschland auch Bestrebungen gibt, diese Freiheiten für sich in Anspruch zu nehmen, woraus sich auch der Bedarf an Hilfe oder auch das Bedürfnis zur Hilfe ergeben kann.

Frauen sind selbstkritischer und eher bereit sich zu verändern

Um noch einen „Allgemeinplatz" zu nennen, glaube ich, dass Frauen recht selbstkritisch sind. Sie möchten möglichst alles perfekt machen und das am besten sofort. Dazu gehört es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, genauso wie die Pflege von Beziehungen. Und überhaupt, soll es allen um sie herum gut gehen. Das kann schon ganz schön stressen. Zumal sich die Frauen auch noch ein ganz kleines bisschen um sich selber kümmern möchten. Das Zauberwort heißt hier „Work-Life-Balance". Dies ist nicht immer so einfach und hier kann Beratung hilfreich sein.

Frauen sind generell „psychologischen Themen" gegenüber aufgeschlossener

Während Männer Themen die mit der Psyche des Menschen zu tun haben, oftmals als „überdrehten Psychokram" abtun, sind Frauen daran interessiert zu verstehen was einen Menschen bewegt, warum jemand so und so reagiert und nicht anders. Nicht zuletzt möchten sie sich selbst auch besser verstehen. Sie haben ein fast schon natürliches Interesse an diesen eher „weichen" Themen.

Ich bin mir wohl bewusst, dass ich mit diesem Artikel nichts anderes als meine ganz subjektive Meinung darlege. Vielleicht kannst Du aber mein Wissen noch weiter erhellen: Was glaubst Du, nehmen mehr Frauen als Männer ein Coaching in Anspruch?

Ich bin sehr gespannt auf Deine (gerne kontroverse) Meinung!

In einem kürzlich erschienen Artikel haben wir uns mit dem Thema Netzwerken befasst. Weiterhin haben wir in einem Webinar ausführlich die Vor- und Nachteile aufgezählt und berichtet, wie wir zu dem Thema stehen. Eines kam hoffentlich ganz deutlich rüber: Wir sind ein großer Fan von Netzwerken, wenn diese auf Geben und Nehmen ausgerichtet sind und für die Beteiligten wirklich ein Mehrwert bringen. Deutlich machen wollten wir aber auch, dass wir von Kontaktanfragen wie sie z. B. über Netzwerkplattformen wie XING kommen a la „Hallo Herr Reitz, gerne würde ich Sie in meinem Netzwerk begrüßen....bestimmt ergeben sich aus unserer Zusammenarbeit wertvolle Synergieeffekte...bla bla bla....", nichts halten. Handelt es sich dabei doch eher um getarnte „Verkaufsanfragen". Ich bekomme fast jeden Tag solche Anfragen auch über facebook und lehne diese ab, wenn ich die Person nicht kenne bzw. absehbar ist, dass es sich nur um einen „oberflächlichen" „Verkaufskontakt" handeln sollte. Noch einmal zur Erinnerung: Netzwerken bedeutet für uns: Mit interessanten Menschen, Kollegen einen Wissens- und Erfahrungsaustausch betreiben, voneinander lernen, sich empfehlen (wenn es passt) und diesen Kontakt pflegen. Ein Netzwerk mit qualitativ hochwertigen Kontakten bedeutet für uns, auch Hilfe zu bekommen bei Problemen, und Kunden bei Problemlösungen auch an passende Ansprechpartner verweisen zu können. Das ist in dem Falle für alle Beteiligten ein Gewinn: Der Kunde bekommt schnelle Hilfestellung, selbst dann, wenn wir ihn an eine andere Stelle verweisen müssen, der Netzwerkpartner bekommt einen Auftrag und wir konnten kompetent weiterhelfen.

1 + 1 = 3?

Aus kollegialer Zusammenarbeit in einem Netzwerk kann aber noch mehr entstehen. So gibt es die Möglichkeit, diese Zusammenarbeit noch auszuweiten und „gemeinsame Sache" zu machen. In einer Kooperation bündelt man die individuellen Erfahrungen und das Wissen, um zusammen mehr zu erreichen. Damit Du eine bessere Vorstellung davon bekommst, wie so etwas aussehen kann, hier ein paar Beispiele:

• Du gründest mit jemand zusammen ein Unternehmen.
• Du bietest etwas an, zu dem Du „externes know how" benötigst. Vielleicht bist Du Organisationsentwickler und Dein Kooperationspartner stellt dazu passende „Outdoor-Trainings" bereit.
• Gemeinsame Nutzung von Büroräumen.
• Zusammenarbeit bei Kundenaufträgen, wenn diese für Dich nicht alleine zu schaffen sind oder zusammen einfach besser laufen.

Allen oben genannten Beispielen ist etwas gemeinsam: Es gibt gemeinsame Ziele, zu deren Erreichung jeder (s)einen Teil beiträgt.

Woher nehmen wenn nicht stehlen?

Wenn Du als Freiberufler arbeitest, stellt sich oft die Frage wie Du überhaupt Menschen kennenlernen kannst, die für eine mögliche Kooperation in Frage kommen könnten. Dazu gibt es viele Möglichkeiten:

• Du besuchst einen Unternehmerstammtisch in Deiner Region. Oft werden diese über Netzwerkplattformen beworben und sind offene Treffs.
• Du hast bereits ein Netzwerk und überlegst, wer mit seiner Expertise Dein Angebot sinnvoll ergänzen könnte
• Du besuchst Weiterbildungen und Workshops und sprichst die Menschen an, die etwas interessantes machen. Vielleicht ergibt sich hieraus weiteres.
• Du interessierst Dich für die Menschen in Deinem Umfeld: Auch auf Geburtstagen, Familienfeiern oder ähnlichem gibt es interessante Menschen zum Kennenerlernen.

Drum prüfe, wer sich „ewig" bindet...

Eine alte „Coaching-Weisheit" sagt: Entwicklung braucht Zeit! So ist es auch hier: Passende Kooperationspartner zu finden braucht Zeit und Muße. Der Nährboden jeglicher Beziehung ist Vertrauen – das ist hier nicht anders. Und Vertrauen muss wachsen (können). Empfehlenswert ist, durch gemeinsame Gespräche wirklich herauszufinden, ob man zusammen passt und vor allem, ob die Ziele die man mit einer Kooperation verbindet auch wirklich gleich bzw. ähnlich sind. Ich selbst habe schon Menschen erlebt, die große Ziele hatten und wirkliche „Visionen". Es ist toll und macht Spaß, herumzuspinnen und sich die schönsten Dinge auszumalen. Absolut entscheidend ist aber für mich, was jemand bereit ist dafür dann wirklich zu tun. Nicht wenige bleiben in ihren Planungen stecken oder gute Ideen versanden, weil der Zeitaufwand zur Realisation falsch eingeschätzt wurde oder einfach keine freien Ressourcen verfügbar sind. Oder nur einer macht die Arbeit und es entsteht früher oder später ein Ungleichgewicht, was die zu erledigenden Aufgaben betrifft. Ein Negativbeispiel wäre auch, wenn gemeinsame Absprachen nicht eingehalten wurden und im schlimmsten Fall neben Vertrauens- oder Wortbruch Geld unterschlagen oder verloren gegangen ist. Ich empfehle daher immer, wichtige Absprachen schriftlich zu fixieren. Das muss nicht immer ein richtiger Vertrag sein. Möglich ist auch, wichtige Vereinbarungen zu protokollieren und aufzuheben. Das soll keineswegs Misstrauen schüren! Ist es doch eine Absicherung für beide Parteien, dass man sich über etwas im Klaren ist und untermauert eher die Ernsthaftigkeit des gemeinsamen Vorhabens.

Love it, leave it or change it

Ich selbst habe hier auch schon „Lehrgeld" bezahlt in dem ich Kooperationen eingegangen bin, die sich im Nachhinein nicht als „fruchtbar" erwiesen haben. In einem solchen Fall macht es meiner Ansicht nach Sinn, offen darüber zu sprechen und diese wieder zu beenden. Alles andere wäre krampfig und jeder würde in seiner Entwicklung nur behindert werden. Ist das Vertrauen zwischen Partnern erst einmal beschädigt, ist es oft schwer das wieder herzustellen. Wenn man auch den worst case auf jeden Fall mit einplanen sollte, geht man aber Kooperationen ein um etwas positives zu schaffen. Und das möchte ich auf jeden Fall noch einmal in aller Deutlichkeit betonen. Ich selbst unterhalte viele Kooperationen und profitiere davon sehr – meine Partner offensichtlich auch! 

Wie hältst Du es mit Kooperationen, findest Du das sinnvoll oder bist du lieber alleine erfolgreich?

Mittwoch, 04 November 2015 15:16

Coaching in Wald und Flur?

Für ein Coaching benötigen wir in aller Regel einen Raum in dem wir uns ungestört und in aller Ruhe mit unseren Klienten unterhalten können. Meistens ist dies ein Besprechungszimmer mit Sesseln und Beistelltisch, dazu Flipchart oder Whiteboard. Eine insgesamt behagliche Atmosphäre, in der sich Klient und Coach wohl fühlen dürfen. Dies ist wohl die am häufigsten anzutreffende Variante.

Doch, muss es immer der Praxisraum bzw. das Besprechungszimmer sein? Könntest Du Dir auch vorstellen ein Coaching an einem völlig anderen Ort durchzuführen, zum Beispiel in der Natur, also einem echten Freiraum oder in einem Kloster? Da ich neugierig war, was andere Coaches so anbieten, habe ich versucht mir einen Überblick über ungewöhnliche Coaching-Orte zu verschaffen. Doch zunächst möchte ich Dir von meinem eigenen Projekt berichten.

Ostsee-Coaching

Ich bin, wann immer es möglich ist, an der deutschen Ostseeküste unterwegs, meist auf einem Segelboot. Ich mag die Kombination aus Meer, Strand und Küstenwäldern, die in dieser Form relativ einzigartig ist. Von der guten Luft und der norddeutschen Mentalität ganz zu schweigen (Übrigens nennt sich Schleswig-Holstein mittlerweile „Glückwachstumsgebiet“, was ich eine tolle Idee finde). Doch genug der Schwärmerei. Da ich nun schon viele Jahre an den gleichen Ort fahre, kenne ich dort im Hafen mittlerweile viele Leute. Vor einigen Jahren wurde „unser“ Hafen durch ein recht ungewöhnliches Hausboot mit toller Einrichtung bereichert. Da ich die Eigentümer gut kenne, durfte ich es gleich besichtigen und wusste sofort: Dies ist der ideale Ort für ein Coaching. Das Innere des Hausboots bietet einen ungestörten Raum, doch ist es auch möglich, sich auf die Dachterrasse zu setzen und mit Blick auf die Ostsee das Coaching fortzusetzen. Hier ist es möglich Urlaub und Coaching miteinander zu verbinden. Seitdem biete ich von Berlin aus auch Ostsee-Coaching in der http://www.aqua-villa-ostsee.de an. Das Angebot richtet sich an Menschen, die für Ihr Thema bzw. ihre Gespräche eine besondere Atmosphäre suchen und dies mit ihrem Urlaub bzw. einer kleinen Auszeit kombinieren möchten.

Doch genug von mir. Jetzt möchte ich Dir zeigen was andere Coaches sich haben einfallen lassen. Die nachfolgende Auflistung stellt übrigens lediglich eine kleine Sammlung dar. Ich möchte die Ideen in keiner Weise bewerten. Ich finde nur, es schadet nicht, mal zu sehen was es sonst noch für Ideen bzw. Möglichkeiten gibt. Und jeder möge sich seine eigene Meinung dazu bilden.

Einige der nachfolgenden Ideen habe ich dem Buch „50 kreative Coaching Ideen von Martin Wehrle entnommen.

Coaching beim Joggen

Besonders sportliche Coaches bieten Coaching beim Joggen an. Bekanntermaßen schüttet das Gehirn während des Joggens im Belohnungszentrum euphorisierende Stoffe aus. Außerdem sorgt die Bewegung dafür, dass beide Hirnhälften stimuliert werden, das beruhigt. Wenn die innerliche Erregung zurückgeht, können Patienten wieder beginnen, klarer zu denken und machen eine wichtige Erfahrung: nämlich die, wie sehr Organismus und Seele zusammenhängen.

Hopi-Walk

Etwas weniger sportlich aber ebenfalls draussen, bieten manche Coaches den sogenannten Hopi-Walk an. Hierbei handelt es sich um einen abwechslungsreichen Spaziergang bzw. Wanderweg. Grundsätzlich ist es ein Spaziergang, der aus der Kultur der Hopi-Indianer stammt. Der Sage nach haben die Hopi-Indianer vor wichtigen Entscheidungen immer einen Gang durch die Natur gemacht, mit der festen Überzeugung, dass ihnen die Erkenntnis für die richtige Entscheidung in Form eines Tieres, einer Pflanze, einer Weggabelung etc. begegnen wird. Diese Methode wird heute im Coaching als so genannter „Hopi-Walk“ gezielt eingesetzt.

Coaching im Kloster

Die Idee, Seminare und Workshops in einem Kloster durchzuführen ist nicht ganz neu und da ist es bis zum Coaching auch nicht mehr weit. Ein Kloster ist in jedem Fall ein Ort der Stille und bietet die Möglichkeit zur Besinnung. Dies kann sehr hilfreich sein, kommt sie doch in so manchem Manageralltag kaum noch vor.

Coaching während einer Stadtführung

Ein Tourist sieht oftmals mehr als ein Einheimischer. Er ist aufmerksamer für die Umgebung: Er nimmt vielmehr wahr. Jede Kirche, jedes Denkmal, jede Brücke, wird von ihm inspiziert – und unbewusst mit dem verglichen was er aus seiner Heimat kennt. Wer am Neckar wohnt, sieht die Hamburger Elbe als großen Fluss. Wer am Hudson River in New York lebt, sieht sie als Rinnsal. Genau diese Haltung ist im Coaching wertvoll, da der Klient mit geschärften Sinnen auf sein Anliegen schaut, statt immer wieder das alte Problem zu sehen.

Coaching auf dem Segelboot

Ob türkische Riviera, Mallorca oder Karrierecoaching auf einem Großsegler. Den Stress einfach über Bord zu werfen, bietet sich schon aufgrund des Wortspiels an.

Coaching via Skype

Für Coachings, die relativ ortsungebunden durchgeführt werden sollen, gibt es diverse Angebot über Skype als quasi digitalen Treffpunkt.

Coaching im Zug

Warum nicht die Bahn nutzen um seinem Coaching-Ziel näher zu kommen? Auch hier sind viele Analogien möglich. Es gibt ein Start und Ziel. Es gibt Haltepunkte an denen man verweilen kann. Mitunter muss man umsteigen oder es gibt Verspätungen und auch diverse Baustellen, die einen manchmal erst später ans Ziel gelangen lassen als zunächst gedacht.

Vielleicht haben Dich die Beispiele ermuntert, mal in Deiner Nähe bzw. in Deinem Wirkungsfeld zu schauen, ob es nicht die eine oder andere Alternative zu Deinem Praxisraum geben kann. Meine Idee war einfach, mal über den, vielfach strapazierten, Tellerrand zu schauen und offen zu sein für andere Begegnungsmöglichkeiten zwischen Coach und Klient.

Falls Du schon einen seltenen, eventuell kuriosen Ort für gute Coachings entdeckt hast, würde ich mich freuen, wenn Du diesen mit uns teilst.

Dienstag, 02 Juni 2015 08:19

Ist Coaching sein Geld Wert?

Heute schreibe ich über ein Thema, dass bestimmt viele an Coaching interessierte spannend finden: Ist Coaching das Geld Wert was es kostet?

Vor gut einer Woche habe ich mein Auto über den TÜV gefahren. Da im Vorfeld noch eine Reparatur zu machen war, brachte ich das Auto in die Werkstatt meines Vertrauens. Da ich nie einen Auftrag ohne vorherige Kostenschätzung vergebe, bekam ich die Antwort: Die Reparatur wird 2-3 Stunden dauern, unser Stundensatz liegt bei 77 Euro.

Vom Diensten und vom Leisten

Nun ist Coaching eine Dienstleistung unter vielen. Wer einen Experten für die Steuererklärung braucht, geht zu einem Steuerberater. Brauchst du einen neuen Haarschnitt, gehst du zum Frisör. Und wer eine Autoreparatur benötigt, der bringt sein Auto eben in die Werkstatt wie ich in der letzten Woche.

Allen drei Beispielen ist eines gemeinsam: Es handelt sich jeweils um eine Dienstleistung die erbracht wird. Und noch eines ist gleich: Immer kannst du nach Leistungserbringung das Resultat unmittelbar sehen. Ob es nun die fertige „Steuer" ist, der Haarschnitt oder das ausgetauschte Teil in der Autowerkstatt. Hier gäbe es sicher noch zahlreiche weitere Beispiele, von dem Immobilienmakler den du beauftragst oder dem Tierarzt, der eine Kastration durchführt. Doch wie lässt sich eigentlich der Wert eines Coachings messen?

Was im Coaching passiert

Etwas vereinfacht ausgedrückt kommen Menschen ins Coaching, die eine Differenz zwischen einem „Ist-Zustand" und einem „Soll-Zustand" verspüren.

Bleiben wir bei klassischen Coaching-Anlässen: Eine Führungskraft übernimmt ein neues Team, in dem sich etwa zwei Monate nach dessen Übernahme Konflikte herausbilden. Diese laufen eher im „Hintergrund" und sind nicht so deutlich wahrnehmbar. Auffallend ist allerdings, dass die Arbeitsleistung sich seitdem spürbar verschlechtert hat. Der Auftrag an den Coach ist dabei: „Ich möchte meine Art der Kommunikation reflektieren und schauen, wie ich diesen Konflikt am besten lösen kann. Ist-Zustand: Konflikte im Team, Soll-Zustand: Keine Konflikte im Team und gute Arbeitsperformance. Die Führungskraft in unserem Beispiel sucht sich einen Coach, der ein Stundenhonorar von 100 Euro aufruft.

Weiterer Coaching-Anlass: Die Chefsekretärin einer internationalen Versicherung hat sich auf eine neue Stelle beworben. Da ihr letztes Vorstellungsgespräch über 10 Jahre her ist, ist sie unsicher über Ihre Stärken und Schwächen und auch darüber, wie sie sich am besten präsentiert. Wie bei der obigen Gegenüberstellung könnte man auch hier sagen: Ist-Zustand: ich möchte mich beruflich verändern und sicher in ein Vorstellungsgespräch gehen. Soll-Zustand: Ich bin total aus der Übung und weiß nicht recht, was mich erwartet noch, wie ich mich am besten präsentieren kann. Sie geht zu einem Karrierecoach der ein Stundenhonorar von 80 Euro aufruft. Wie die Zwischenüberschrift bereits ankündigt, wird im Coaching ebenfalls immer ein „Dienst" bzw. eine „Leistung" erbracht.

Was bedeutet das für mich als Coach?

Arbeitest du als freiberuflicher Coach, bist du auf Klienten angewiesen die deine Dienstleistung bezahlen möchten bzw. können. Dabei finde ich es elementar wichtig, eine exakte „Auftragsklärung" mit deinem Kunden durchzuführen. Nur, und nur dann, wenn ganz klar ist an was der Klient den Erfolg des Coachings misst, ist das Ergebnis verifizierbar, und auch erreichbar. Und dies ist sehr wichtig, wenn dein Honorar plausibel und nachvollziehbar sein soll. Wird diese Auftragsklärung zu Beginn nicht sorgfältig durchgeführt, tappen Coach und Klient im Nebel. Getreu dem Motto: „Wer kein Ziel hat, kann auch keines erreichen". Dann war das Coaching zwar ganz nett, hat aus meiner Sicht aber keinen wirklichen Mehrwert und rechtfertigt auch das Honorar nicht. Dies gilt für mich übrigens bei jeder erdenklichen Dienstleistung.

Vertrauen und Transparenz schaffen – aber wie?

Einen Coaching-Auftrag zu Beginn exakt zu umreißen hat noch einen weiteren Vorteil: Du schützt dich vor (zu) hohen Erwartungen des Kunden. Damit meine ich solche, die für dich unerfüllbar sind.

Beispiel: Im Paarcoaching möchte die Ehefrau gerne, dass der Coach ihren Mann dazu bewegt weniger Alkohol zu trinken. Ein Auftrag, der unerfüllbar ist...! Nimmt dein Klient deine Coaching-Dienstleistung in Anspruch bedeutet das ebenfalls nicht, dass er nach einer einzigen Sitzung nach Hause geht und alles ist prima. Sein Problem, sein Anliegen ist gelöst und alle sind zufrieden.

Hüten solltest du dich, im Vorhinein Versprechungen in dieser Richtung zu tätigen. Verständlich ist die Frage von Klienten, wie viele Sitzungen für das Anliegen/den Auftrag voraussichtlich nötig werden. Hierbei eine Einschätzung und eine Auskunft nach Erfahrungswerten zu treffen und auch als solche zu benennen, schafft Transparenz und Vertrauen. Auch mit dem Hinweis, dass dies maßgeblich von der Mitarbeit des Kunden abhängt. Klärst du zu Anfang den genauen Auftrag, fördert dies auch die Zielklarheit deines Klienten und der erste (und manchmal wichtigste) Schritt in der Veränderungsarbeit ist getan.

Personal-Coaching = Business-Coaching?

Das hier beschriebene Procedere gilt übrigens sowohl im Personal-Coaching als auch im Business-Coaching. Die Honorarsätze im Business liegen deutlich höher und sind denen von Unternehmensberatern angepasst. Dabei wird in Unternehmen noch viel mehr Wert auf Kosten-Nutzen gelegt!

Der Preis ist heiß!

Hast du schon mal überlegt, was ein Frisörbesuch oder ein Tierarzt kostet und wie viele Menschen diesen in Anspruch nehmen? Dabei lässt sich gut sehen: Stimmt der Nutzen für den Kunden, lässt sich fast jeder Preis rechtfertigen. Ich habe übrigens noch nie erlebt, dass ein Kunde mit dem Preis den ich in Rechnung stelle nicht einverstanden war.

Wie ist dies bei dir, wollte schon einmal jemand um das Honorar feilschen? Wie bist Du damit umgegangen? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Kennst du das Gefühl: Eine mentale „Gewitterwolke" zieht auf, du kommst in eine schwierige Situation in der du noch nie warst oder du hast einen Umstand vor dir hergeschoben, der dich jetzt mit großer Härte trifft? Und du bemerkst an dir Gefühle wie Lähmung, Blockade oder gar Handlungsunfähigkeit? All dies könnte darauf hindeuten, dass du dich in einer Krise befindest. In diesem Artikel gehe ich auf einen wichtigen Teil meiner Arbeit ein: Die Arbeit mit Menschen, die sich akut in einer Krisensituation befinden.

Was verstehen wir unter einer Krise oder krisenhaftem Erleben?

Eine gängige Definition liefert uns der britische Psychiater Gerald Caplan. Er definierte eine Krise als: Eine emotionale Gleichgewichtsstörung, welche zeitlich begrenzt ist und mit den Gegenregulationsmechanismen, die dem Betroffenen zur Verfügung stehen nicht zu bewältigen ist. Etwas einfacher: Der Mensch kommt in eine Situation, die für ihn im Moment nicht zu bewältigen ist.

Wie neues entsteht: Lebensübergänge, Entwicklungen und natürliche Veränderungen

Der Mensch unterliegt einem natürlichen Entwicklung- und Reifungsprozess über die gesamte Lebensspanne. Ein gängiges Konzept der Entwicklung stammt von Robert Havighurst. Er postuliert, dass der Mensch im Laufe seines Lebens immer neue Probleme bewältigen muss, um zu wachsen und zu reifen. Dabei unterteilt er die Lebensspanne in unterschiedliche Lebensabschnitte:

  • Frühe Kindheit (0-2)
  • Schulübergang und frühes (2-4) sowie mittleres Schulalter (6-12)
  • Adoleszenz (13-17)
  • Jugend (18-22)
  • Frühes (23-30), mittleres (31-50) und spätes (ab 51)Erwachsenenalter


Klar ist, dass in den jeweiligen Lebensspannen ganz unterschiedliche Aufgaben gelöst werden müssen. So stehen im mittleren Schulalter Aufgaben wie: Entwickeln von Gewissen und Moralvorstellungen, Ausbilden von körperlicher Geschicklichkeit sowie das Auskommen mit Anderen an. Im Frühen Erwachsenenalter finden wir wiederum den Übergang vom Schul- ins Berufsleben, Partnerwahl und Verantwortungsübernahme für sich und verschiedene soziale Rollen. Können die Entwicklungsaufgaben im oben genannten Zeitkontinuum nicht adäquat gelöst werden, kann dies nach Havighurst zu Unzufriedenheit führen und die Bewältigung späterer Entwicklungsschritte behindern. Gelöste Probleme sind also unabdingbar für Wachstum und Reifung. Was passiert aber, wenn „Probleme" bzw. wichtige Veränderungsschritte sozusagen „übergangen" werden und nur unzureichend gelöst werden?

Entwicklungsstau und Unvorhergesehenes

Wir Menschen sind nicht nur natürlichen „Zyklen" und Entwicklungsprozessen unterworfen. Auch Unvorhergesehenes kann uns treffen und in unserem Handeln überfordern. Dies kann der Tod eines geliebten Menschen sein, aber auch (schwere) Krankheit oder die Kündigung eines Arbeitsplatzes. Ebenso die Trennung vom Partner oder der Verlust von viel Geld. Eines ist sowohl den natürlichen als auch den unvorhergesehen Veränderungen gemeinsam: Immer ist die Anpassung des eigenen Selbstbildes notwendig. Veränderung macht aber vielen Menschen Angst, da dies auch mit Unsicherheit vor dem Neuen verbunden ist, manchmal aber auch mit dem Loslassen der Überzeugung, dass alles kontrollierbar ist.

Wie Coaching helfen kann

Menschen durchleben in einer Krise oft große Verwirrung. Es fehlt der Glaube oder die Zuversicht, dass Leben selbst gestalten zu können. Die hier auftretenden Phänomene werden auch als „Mangel an Selbstwirksamkeit" bezeichnet. Manchmal treten auch alte Konflikte und ungelöste Lebensthemen wieder auf, die lange Zeit verdrängt wurden. Hier kann der Coach wichtige Hilfe zur Bewältigung leisten:

  • Anerkennen von eigenen Gefühlen wie Angst, Verzweiflung und Verwirrung, manchmal auch Trauer oder Wut
  • Dem Klienten helfen, diese Gefühle „fühlbar" zu machen und diese Emotionen anzunehmen. Das Aussprechen führt zu mehr Integration und weniger Abwehr im Klienten
  • Manchmal sind auch Bewältigungsversuche wie Alkohol oder „metaphysische" Begründungen im Spiel (z. B.: „Ich habe etwas Falsches gedacht und dadurch das Unglück, den Verlust oder Ähnliches angezogen.) Hier kann es helfen, die Nützlichkeit dieser Handlungen oder Gedanken zu überprüfen.
  • Aushalten von vorübergehender „Lösungslosigkeit"
  • Benennen von Ressourcen, was läuft gut, vieles ist in Bewegung, was darf so bleiben wie es ist?

Die Entscheidung liegt beim Klienten

Coaching kann eine sehr effektive und vor allem kurzfristig verfügbare Möglichkeit sein, akute Krisenhilfe zu leisten. Wie in allen anderen Veränderungsprozessen muss aber der Klient diese Hilfe auch wollen und sich dafür entscheiden. Ist man allerdings „weit unten", ist dies oft schwer und manchmal wird auch die Bedrohlichkeit einer Situation geleugnet oder schöngeredet. Nichts oder wenig Gutes kann noch wahrgenommen werden und im Licht der Krise werden positive Dinge häufig ausgeblendet. Wenn akute Krisensituationen im eigenen Umfeld auftreten kann es sehr sinnvoll sein, die Betroffenen zur Hilfesuche zu motivieren und zu bestärken. Der Coach hilft, die schwere Situation zu überwinden und vor allem auch, das „Gute" an der im Moment stattfindenden starken Entwicklungsphase zu sehen und hervorzuheben. Dies mag im ersten Moment absurd erscheinen. Ein einfühlsam arbeitender Coach schafft es dennoch, die momentane Ausgangslage in einem neuen Licht zu sehen und mit neuen Perspektiven anzureichern. Tritt eine solche Situation im persönlichen Umfeld des Coaches auf, ist man meines Erachtens gut beraten, als Coach nicht selbst der „Krisenhelfer" sein zu wollen, sondern an geeignete Kollegen zu verweisen.

  • Telefon: 04371 - 60 39 002
  • Telefon: 01525-39 49 994