Dienstag, 17 Februar 2015 17:39

Wie viel Facebook braucht ein Coach?

 

Wie viel Facebook und Twitter braucht ein Coach?

Nun ist es also doch soweit. Lange haben wir gezaudert und überlegt wie wichtig wohl Facebook und Twitter für uns ist. Wir haben diverse Artikel gelesen und uns mit Kollegen und Freunden beraten. Die einen sagten „Das ist doch reine Zeitverschwendung.“ Andere waren der Meinung, dass wir da nicht drum herum kommen, wenn wir weiterhin erfolgreich sein wollen.

Obwohl wir lange Zeit eher kritisch waren, haben wir uns nach diversen Telefonaten und Skype-Terminen nun doch entschieden sowohl auf Facebook als auch auf Twitter aktiv zu werden. Ich möchte kurz beschreiben was letztendlich den Ausschlag gegeben hat, was wir von Social Media erwarten und wie wir uns unsere Aktivitäten vorstellen.

Lange haben auch wir geglaubt, dass ist nichts für unsere Branche. Das ist doch mehr für private Kontakte. Doch müssen wir feststellen, dass es zum Thema Coach und Coaching bereits viele interessante Einträge auf Facebook gibt. Da wollen wir natürlich nicht fehlenJ. Zusätzlich müssen wir uns auch eingestehen, dass wir bisher die damit einhergehende Arbeit etwas gescheut haben. Denn, machen wir uns nichts vor, eine Website zu gestalten und aktuell zu halten ist eins. Einen Blog mit wöchentlich neuen Beiträgen ist zu schreiben ist das Nächste. Und einen Facebook-Account mit möglichst relevanten Informationen zu bestücken und auch über Twitter möglichst täglich etwas zu verbreiten ist alles in allem nicht ohne. Doch wir sind zu Zweit und können es uns aufteilen.

Letztlich entscheidend für uns war die Erreichbarkeit unserer Zielgruppe. Durch kein anderes Medium können wir so schnell so viele Menschen erreichen. Das ist jetzt nicht wirklich neu, doch manchmal brauchen Erkenntnisse und Entscheidungen ihre Zeit ;-) Natürlich haben auch wir die aktuelle Diskussion um die neuen Geschäftsbedingungen von Facebook verfolgt und finden die Entwicklung nicht gerade lobenswert. Dennoch möchten wir uns Facebook, Twitter, Xing und diversen anderen Social-Media-Plattformen als moderne Medien nicht verschließen. Schließlich ist es nur ein Medium mehr, und es liegt an jedem einzelnen, wie er damit umgeht. Es gab schließlich auch Zeiten, da galt das Telefon als „Teufelszeug“.

So wird es an uns liegen, wie wir Facebook und Co. für uns nutzen und welchen „Freundeskreis“ wir uns aufbauen. Wir hegen die stille Hoffnung, dass wir unser Netzwerk mit interessanten Menschen bereichern können, und uns gegenseitig Impulse für unsere Arbeit geben können. Wir möchten von uns persönlich berichten aber auch von unserer Arbeit und was uns gerade so beschäftigt, damit man auch den Menschen hinter dem Coach bzw. Coach-Ausbilder erkennt.

Wir haben sowohl unseren Facebook – als auch Twitter-Account gerade erst eröffnet und sind gespannt wie es sich anlässt.

Da die Diskussion um Facebook gerade wieder aufgeflammt ist, würde mich interessieren was Du als Coach oder angehender Coach von Facebook hältst? Wie sind Deine Erfahrungen? Gerne nehmen wir auch Ratschläge und Hinweise entgegen.

Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

Donnerstag, 05 Februar 2015 20:21

Warum tun wir was wir tun?

 

 

Das „Warum?“ hinter dem ICK-Institut für Coaching & Kompetenz von Christiane Richter und Peter Reitz

Die Idee von Gordon Schönwälder http://podcast-helden.de/einladung-zur-blogparade-erzaehl-uns-deine-unternehmens-story/ hat uns echt begeistert. Gerade in unserer Branche wird viel von Selbstreflektion gesprochen. Darum wollen wir diese Idee zum Anlass nehmen und darüber berichten, warum wir tun was wir tun.

Peter und ich haben uns während unserer Coaching-Ausbildung vor acht Jahren kennengelernt. Seitdem ist viel Zeit vergangen in der jeder seine eigene Praxis, sprich sein eigenes Business aufgebaut und verwirklicht hat. Beide haben wir unsere Schwerpunkte gefunden, in denen wir uns, so wie es in der Branche üblich sein sollte, regelmäßig weiterbilden. Peter hat eine Ausbildung zum systemischen Berater absolviert und ich habe eine Ausbildung zur Hypnosetherapeutin gemacht.

Wir hatten in dieser Zeit regelmäßig Kontakt und haben uns fachlich ausgetauscht. Irgendwann, nach vielen Telefonaten und Mails wollten wir unser geballtes Wissen aus unserer Coaching- und Trainingserfahrung bündeln und gründeten 2013 das ICK Institut für Coaching & Kompetenz. Nach vielen Jahren der Coachingtätigkeit und noch längeren Jahren als Trainer, geben wir unsere Erfahrungen gerne in Form einer Ausbildung zum Personal-/Businesscoach weiter.

Die Vermittlung von Kompetenzen in Theorie und Praxis ist unsere Leidenschaft und fordert uns immer wieder neu heraus. Als großes Plus sehen wir dabei unsere eigene Erfahrung im Aufbau der Selbstständigkeit als freiberuflicher Coach. Ein Schritt, vor dem wir selbst vor vielen Jahren standen. So können wir die Dinge weitergeben, die aus unserer Erfahrung wirklich funktionieren!

Doch warum?

Als Coach unterstützen wir Menschen, ihren eigenen Weg zu gehen, Krisen zu überwinden oder Entscheidungen zu treffen. Andere möchten sich von Erwartungen, die an sie gestellt werden lösen um zu ihrem eigenen Kern zurück zu finden. Wieder andere wachsen in eine neue Aufgabe hinein, z. B. als Führungskraft, oder sie sind schon „High-Performer“ und möchten noch besser werden. Es ist schön zu sehen, wie Menschen sich entwickeln und wir als Coach dazu einen Beitrag leisten konnten.

Zurück zur Lehrtätigkeit: Die Arbeit mit den Teilnehmern der Coachingausbildung macht uns unglaublichen Spaß, da wir diese bei ihrer beruflichen, aber auch persönlichen Entwicklung unterstützen können. Es sind Menschen, die eine eigene Dienstleistung anbieten möchten, bei der sie ihre Klienten wiederum bei der Lösung eines Problems oder in der Entscheidungsfindung unterstützen möchten.

Da während eines Coachingprozesses der Coach als Person mit all seinen Lebenserfahrungen und Wertvorstellungen immer „mit dabei“ ist, macht insbesondere die persönliche Weiterentwicklung der „jungen Coaches“ die Qualität der späteren Arbeit aus.

Das klingt oft so einfach. Nach dem Motto: „Das kann doch jeder.“ Doch dabei ist es eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die einen sehr fordern kann. Stellt Euch nur mal vor, Ihr würdet ein Gespräch mit einem Klienten über 1,5 Stunden führen, bei dem es um Karriereentwicklung geht. Ihr seid natürlich permanent aufmerksam und mit allen Sinnen präsent. Ihr unterstützt ihn, motiviert ihn, bringt ihn durch intensives Fragen zu kritischer Reflektion, zum Nachdenken oder Umdenken, vielleicht zum lachen, vielleicht zum weinen. Ihr freut euch mit Ihm, wenn er in seinem Anliegen weiterkommt und feiert kleine und große Erfolge.

Wenn dieser Klient Eure Praxis oder Büroverlassen hat, macht ihr Euch Notizen und ein kurze Pause und dann kommt der Nächste und dann der Nächste. Ihr könnt Euch jetzt sicher vorstellen, dass es wichtig ist, dass man als Coach gut auf sich selber achten muss, um sich nicht zu überfordern. Dies unseren Teilnehmern mit auf den Weg zu geben ist uns ebenfalls sehr wichtig. Deswegen steht ganz am Anfang der Satz –Sorge für Dich selber - Nur wenn es einem selber gut geht, kann man auch für andere da sein. Nicht vergessen sollte man, dass ein Coach einen großen Vertrauensvorschuss von seinen Klienten bekommt, dem man auch gerecht werden möchte und sollte.

Neben der Arbeit mit den Teilnehmern motiviert uns aber auch das „Drumherum“.

Wir können unsere Ausbildung so konzipieren, wie wir es für richtig halten. Wir machen es genauso, wie wir es uns vorstellen und können dadurch unsere eigenen Ideen verwirklichen. Das heißt, wir haben die Möglichkeit, alles eigenverantwortlich durchzuführen. Wir bekommen sofort Feedback ob etwas funktioniert oder nicht. Das Schöne ist, das wir zu zweit sind. Obwohl Peter mit seiner Familie in der Nähe von Frankfurt wohnt und ich mit meinem Mann in Berlin, sind wir stets über E-Mail bzw. Skype „verdrahtet“. Es macht einfach viel mehr Spaß ein Unternehmen zu zweit zu führen. Jeder bringt neue Ideen ein, die vom anderen wohlwollend aber kritisch unter die Lupe genommen werden. Wir tragen gemeinsam die Verantwortung für unser Institut. Wir initiieren gemeinsam Projekte und ziehen sie gemeinsam durch, so ist auch die Verantwortung auf zwei Schultern verteilt.

Uns ist es wichtig, dass unsere Ausbildung bodenständig bleibt. Wir geben unseren Teilnehmern die Möglichkeit zu erkennen, dass es wichtig ist sich zunächst selber kennen zu lernen, sich selbst und seine Handlung zu reflektieren. Wir möchten unseren angehenden Coaches vermitteln, wie wichtig die Beziehung zu ihren Klienten ist und dass Methodenwissen wichtig aber nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Was nützt es, wenn ich viele tolle Methoden kenne, sie aber nicht zur Anwendung bringen kann, da ich mit meinen Klienten nicht in Kontakt komme. Beziehungsaufbau verstehen und leben. Wenn wir das vermitteln können, haben wir eine ganze Mange erreicht.

Uns ist es wichtig, dass unsere Teilnehmer Ihren eigenen Coachingstil entwickeln können, deshalb bieten wir Ihnen viel Gelegenheit zum Üben. Jeder hat seine Vorlieben und Schwerpunkte, für jeden gibt es eine Nische. Diese gilt es herauszuarbeiten und sich entsprechend zu positionieren. Dabei möchten wir sie unterstützen.

Dies alles motiviert uns das zu tun was wir tun. Sicherlich haben wir noch das eine oder andere vergessen, doch das „Warum“ ist jetzt schon länger geworden, als eigentlich gedacht. Aber während des Schreibens sind uns dann doch noch viele Dinge eingefallen, die uns bei unserer gemeinsamen Arbeit wichtig sind.

Wann hast Du zuletzt darüber nachgedacht warum Du tust was Du tust?

Wir freuen wir uns über Deinen Kommentar.

Freitag, 31 Oktober 2014 00:01

Business Sprachkurs - Folge 3 -

Aller guten Dinge sind „Drei", und so folgt nun nach zwei Folgen unseres kleinen Business-ABC der dritte und letzte Teil. In den beiden ersten Teilen unseres Sprachkurses haben wir schon einige, echte „Highlights" kennengelernt. Heute wollen wir diesen kleinen Exkurs für angehende oder schon richtige Businesscoaches bzw. Organisationsberater zum Abschluss bringen und Ihnen noch weitere Vokabeln mit auf den Weg geben.

U: underperformer - Minderleister

Beispiel: „Die Leute vom sales department sind echte underperformer. Wenn die ihren take nicht ins flow bringen, schaffen wir den break even erst im nächsten Jahr".
Soll heißen: Unsere Verkäufer bekommen es nicht wirklich geregelt und werden voraussichtlich die Vorgaben nicht schaffen. So kommen wir erst im nächsten Jahr in die Gewinnzone.

V: VUCA - Volatility, uncertainty, complexity, ambiguity, - Volatilität, Ungewissheit, Komplexität, Gegenmittel

Beispiel: „Wenn wir unsere VUCA konsequent umsetzen, werden wir unser AC in eine neue period bringen".
Soll heißen: Bei der Führungskräfteeinstellung wollen wir bestimmte Standards schaffen.

W: walkable - gehbar, gangbar

Beispiel: „Unsere long-term-strategy ist nicht walkable, so werden wir nicht in die hall of fame kommen".
Soll heißen: Unsere langfristige Geschäftsstrategie wird nicht ausreichen, wenn wir Marktführer werden wollen.

X: X-Mas - Weihnachten

Beispiel: Unser management-board ist X-Mas-like.
Soll heißen: Unsere Vorstandsetage verhält sich wie der Weihnachtsmann (verteilt Geschenke).

Y: young potentials - junge Nachwuchskräfte

Beispiel: „Nehmen sie die young-potentials für zwei Wochen on board, im warehouse werden wichtige skills developed".
Soll heißen: „Die Jungen" sollen für zwei Wochen ins Lager um auch zu lernen, mal richtig zu arbeiten.

Z: zero - null

Beispiel: „Die Customer-Strategie sorgte bisher für zero-visibility. Hier brauchen wir ein neues kick-off-meeting mit dem customer-service".
Soll heißen: Die Kundenstrategie ist bisher nicht erfolgreich. Trommeln Sie den Kundendienst zusammen und fangen nochmal von vorne an.

Jetzt sind sind Sie bestimmt von A bis Z vorbereitet auf Ihren nächsten Einsatz im Business. Wenn Sie bis hierhin durchgehalten haben, sind Sie, zumindest was die Sprache anbelangt, ein ganzes Stück weitergekommen und werden vielleicht auch noch ein echter „business-hyper". Ich kann es mir aber nicht verkneifen, die letzten drei Folgen dieses „business-language-contest" mit einem kleinen Augenzwinkern zu betrachten ;-) Ich will Ihnen auch sagen warum: Manchmal verbergen sich hinter wohlklingenden „strategies" ganz einfache Dinge. Lassen Sie sich bitte niemals von „Worthülsen" blenden. Schauen Sie auf das Wesentliche hinter den Dingen. Nicht zuletzt ist dies unser Job: Zusammenhänge zu veranschaulichen und Handlungskompetenz und Klarheit zu vermitteln bzw. herstellen. Dabei wünsche ich Ihnen viel Erfolg!


Falls Sie selbst schon die Eine oder Endere Anekdote im Rahmen des Business-Talks erlebt haben, freue ich mich auf Ihren Kommentar!

Freitag, 20 Juni 2014 22:46

Nostalgie im Coaching -

Ein überflüssiges Gefühl?

Bestimmt kommt Ihnen das bekannt vor: Sie suchen ein bestimmtes Buch und dort ein ganz bestimmtes Kapitel. Und plötzlich fällt aus dem Buch, dass Sie schon lange nicht mehr in der Hand hielten ein alter Brief heraus, den sie lesen. Oder sie kramen in alten Unterlagen und eine Fototasche mit Fotos aus der Jugendzeit fällt Ihnen in die Hände...

Heute möchte ich, inspiriert durch einen Artikel in der vorletzten Ausgabe der „Psychologie heute", über meine „nostalgischen Erfahrungen" im Coaching schreiben. Nicht, dass Coaching wie ich es verstehe direkt etwas mit „Nostalgie" zu tun hat. Ich möchte vielmehr beleuchten, wie nostalgische Gefühle bzw. Erinnerungen im Coaching nützlich und hilfreich sein können.

Wikipedia schreibt: „Nostalgie bezeichnet eine sehnsuchtsvolle Hinwendung zu vergangenen Gegenständen oder Praktiken". Und was hat das mit Coaching zu tun, werden Sie sich vielleicht jetzt fragen? Zumal Coaching ja eher im Hier und Jetzt bzw. in die Zukunft gerichtet arbeitet.

Erfolge feiern wie sie fielen

Wer kennt es nicht, dieses bittersüße Gefühl und vielleicht auch „Grummeln" in der Magengegend. Sie schauen sich alte Fotos an, lesen in alten Tagebüchern oder schauen vielleicht einen alten Super8 Film an, den Sie vor gefühlten unendlich vielen Jahren aufgenommen haben. Und dabei denken Sie vielleicht: „Ach ja, damals - als noch alles leicht schien.... diese Ungezwungenheit – einfach frei sein und nicht an morgen denken". Möglicherweise kommt Ihnen auch so etwas wie: „Ja, damals – da war ich noch jung und naiv. Zum Glück bin ich heute viel weiter, gebildeter, erfahrener". Einmal ist man vielleicht bedrückt, dass die „alten Zeiten" vorbei sind. Ein anderes Mal vielleicht heilfroh, dass die „alten Zöpfe" abgeschnitten sind. Im Coaching kann beides hilfreich sein.

Wegweiser und Ratgeber im eigenen Leben

In meiner Arbeit im Karrierecoaching arbeite ich oft mit Menschen zwischen 40 und 50 Jahren. Auffällig ist, dass Menschen in dieser Lebensspanne oft eine Art innere Lebensbilanz ziehen. Etwa die Hälfte des (zumindest statistischen) Lebens ist vorüber, und die andere Hälfte liegt noch vor einem. Hier schauen Menschen oft nach der „Haben und Soll-Seite: Was habe ich in meinem Leben erreicht und was wollte ich bzw. will ich noch erreichen? Besonders wenn die „Soll-Seite" überwiegt, also eigene Ziele nicht erreicht wurden oder vieles vielleicht anders gekommen ist als geplant, schauen Menschen gerne tiefer. Mit „Haben und Soll" sind übrigens keine Kontostände oder finanziellen Möglichkeiten gemeint. Vielmehr geht es um Lebenszufriedenheit und den ganz persönlichen Sinn im eigenen Leben. Und hier kommt jetzt „die Nostalgie" ins Spiel. Ich erlebe es oft, dass dann nach alten Wünschen oder Sehnsüchten geschaut wird. Manchmal kommen auch noch „Altlasten" an die Oberfläche. Gemeint ist damit, dass alte Wunden wieder aufbrechen und Menschen merken, dass alter Groll oder Unfrieden Kraft kostet oder gekostet hat. Oder Klienten haben das Gefühl, sich mit Alltagszwängen und täglichem „Einerlei" über die Zeit verloren zu haben. Hier erlebe ich es als hilfreich, in der eigenen Biografie nach verborgenen Schätzen und wichtigen Impulsen zu schauen. Auch wie oben schon angedeutet, spielt das Thema Vergebung und Versöhnung oft eine große Rolle. Frei nach dem Motto des Autors Ben Furman: „Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben" (übrigens ein Klassiker der Psychotherapie-Literatur). Meist ist es möglich, auf Vergangenes und Erlebtes noch einmal einen ganz anderen Blick zu wagen. Insbesondere dann, wenn Menschen das Gefühl haben in bestimmten Bereichen gescheitert zu sein.

Auf die Blickrichtung kommt es an

Um im Coaching diese Erfahrungen nutzbar zu machen, stelle ich oft ressourcenorientierte Fragen. Mir ist es also wichtig zu schauen, was liegt im Verborgenen an Stärken und Kräften. Dabei soll negativ Erlebtes nicht ausgeblendet oder negiert werden! Wichtig ist mir zu schauen, ob in vermeintlichen Hindernissen nicht auch Geschenke verborgen liegen.

Häufig stelle ich Fragen wie:

  • Was hat sie als Kind / Jugendlicher fasziniert?
  • Waren sie als Kind lieber drinnen oder draußen? Warum?
  • Wenn sie ihrem Leben eine Überschrift bis zum heutigen Tage geben müssten, welche wäre dies?

Und weiter:

  • Wenn sie ihrer Zukunft eine Überschrift geben müssten, welche wäre dies?
  • Auf was möchten sie gerne zurückschauen, wenn ihre letzte Stunde geschlagen hat?


Das Ende kann der Anfang sein

Insbesondere die letzte Frage mag hart klingen, die meisten Klienten werden jedoch nachdenklich und genau dies möchte ich auch erreichen. Aus der Betroffenheit der Frage heraus kommen oft sehr spannende Antworten, welche die Bewusstheit für die eigene, endliche Zeit in den Fokus rücken. Hier arbeite ich gerne mit erlebnisorientierten Verfahren, um die ganz persönliche „Zeitreise" noch einmal nachzuerleben. Dabei schaue ich ganz bewusst in die Vergangenheit und die Zukunft. Wenn die Vergangenheit „in Ordnung" gebracht ist, haben Klienten die besten Voraussetzungen, um gestärkt in eine möglichst selbstbestimmte, glückliche Zukunft zu schreiten.

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, ob es im Coaching eine feste Herangehensweise gibt? Wie ist ein Coaching aufgebaut? Wie läuft eine Coachingstunde ab? Ist der Ablauf immer gleich?

Individuell aber doch strukturiert

Eins vorweg: Coaching ist so individuell wie die Menschen, die es nutzen. Zumindest sollte es so sein! Trotzdem ist es für den Coach, aber auch für den Klienten hilfreich, eine gewisse Struktur vorzugeben. Gerade für den Coaching-Einsteiger kann ein Modell hilfreich sein, an dem er, ähnlich wie an einem Geländer, entlanggehen kann. Schließlich müssen in einem Coaching-Prozess zwei wesentliche Dinge vom Coach simultan geleistet werden: Auf der einen Seite muss ein zielführender Prozess gestaltet werden, auf der anderen Seite muss der Inhalt, also das vom Klienten Gesagte, verstanden werden. Was ist nun mit diesen Begriffen gemeint?

Prozessgestaltung: Hierbei führt der Coach den Klienten durch verschiedene Phasen des Coachings und bringt ihn mit seinem Anliegen, seinen Zielen und Ressourcen in Kontakt. Dazu benutzt der Coach Fragen, Aktionen, Hausaufgaben, sonstige Interventionen.

Inhalt: Präsenz gegenüber den Worten, Verstehen was der Klient sagt, also Wahrnehmung verbaler und nonverbaler Kommunikation.

Phasenmodell KAPA

Mit einem strukturierten Vorgehen ist es dem Coach möglich, den Kurs im Coaching-Prozess besser im Auge zu behalten. Das Gefühl, einen Prozess mit Sicherheit und Souveränität führen zu können strahlt auch auf den Klienten aus. Modellhilfe kann hier das von uns entwickelte KAPA-Schema bzw. KAPA-Modell bieten. Die Anfangsbuchstaben des Akronyms geben Hinweis auf den dahinter stehenden Prozessbaustein.

K – Kennenlernen - Beziehungsaufbau

A – Auftragsklärung - Zieldefinition

P – Prozessbegleitung - Veränderungsarbeit

A – Abschluss - Transfer in den Alltag

Die Phasen im Einzelnen

Kennenlernen: Am Anfang eines Coachings müssen sich Klient und Coach in der Regel erst kennenlernen. In dieser Phase entscheidet sich, ob zwischen Coach und Klient die „Chemie" stimmt. Dazu gehört aber auch das Kennenlernen des Problems, des Anliegens, der aktuellen Befindlichkeit aber auch der möglichen Dringlichkeit, dass ein Problem gelöst wird.

Auftragsklärung: Hier geht es um die Ableitung eines Auftrags aus dem Klientenanliegen. Menschen, Organisationen etc. haben Veränderungswünsche. Wie genau kann eine Unterstützung durch den Coach aussehen? Was ist leistbar? Woran genau würde der Klient merken, dass das Coaching erfolgreich war und das vereinbarte Ziel erreicht wurde? In der Auftragsklärung steckt bereits sehr viel Information für den späteren Prozess. Ohne saubere Klärung des Auftrags ist die gemeinsame Arbeit oft zum Scheitern verurteilt. Im Prozess auftretende Nebenbaustellen können nicht „sauber" abgegrenzt werden und die Gefahr des „sich-verzettelns" ist enorm groß.

Prozessbegleitung: Der Coach bringt den Klienten mit seinem Anliegen (weitergehend) in Kontakt. Dabei bedient er sich gezielt ausgewählter Interventionen, die a) zum Klienten passen müssen und b) individuell zum Anliegen und aktuellen Zustand des Klienten abgestimmt werden.

Abschluss: Coaching ist eine auf Zeit angelegte Entwicklungsmaßnahme. Spätestens bei Erreichung des in der Auftragsklärung abgestimmten Ziels ist die Coaching-Maßnahme zu Ende. Manchmal brauchen Ziele aber auch längere Entwicklungszeiten, z.B. wenn vorhandene Kompetenzen ausgebaut oder ganz neue Ressourcen erschlossen werden müssen. Dazu kann der Transfer der Coachingergebnisse in den Alltag des Klienten gestaltet werden.

KAPA dient dabei sowohl zur Strukturierung des Gesamt-Prozesses, als auch zur Strukturierung einer einzelnen Coaching-Session! Auch bei einer einzelnen Sitzung müssen sich Coach und Klient wieder „kennenlernen". Dieses besteht hier aber aus dem wiederherstellen einer tragfähigen Arbeitsbeziehung. In der Auftragsklärung erinnern Sie noch einmal den Klienten an den erteilten Auftrag und im Abschluss einer Coaching-Stunde sollten Sie unbedingt die Stunde zusammenfassen und das erreichte auch herausstellen und würdigen.

Ende gut alles gut?

Ein strukturiertes Vorgehen ist sowohl für den Klienten als auch für den Coach hilfreich Ein vorgefertigtes Schema dem Klienten überstülpen zu wollen, würde allerdings der Individualität von Menschen und deren Anliegen nicht gerecht werden. Im Gegenteil: es könnte so etwas passieren wie in der Medizin: „Aha, sie haben Schnupfen, na dann gebe ich Ihnen mal das Schnupfenspray XYZ." So ist auch die Länge der Phasen in KAPA vom Coach nach deren Nützlichkeit anzupassen. Coaching-Prozesse verlangen sehr hohe geistige Präsenz! Sich Strukturierungshilfen zu bedienen, die sehr leicht erlernbar sind, kann hier sehr hilfreich sein!

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, das im Coaching oft unterschätzt wird. Kreativität ist aus meiner Sicht eine Schlüsselkompetenz im Coaching-Prozess. Für Klienten oder für den Coach werden Sie sich jetzt vielleicht fragen? Ich denke für beide! Für mich ist Kreativität vor allem die Fähigkeit zu schöpferischem Denken. Aus Sicht des Coaches bedeutet dies: den Klienten mit einfallsreicher Gesprächsführung, sinnvoll ausgewählten Interventionen und passender Konfrontation mit seinem Anliegen in Kontakt zu bringen und ihm zu helfen, dieses einer Lösung zuzuführen. Für den Klienten: sich einlassen auf den Coaching-Prozess und vor allem erst einmal gedanklich den Mut haben, neue Wege zu betreten.

Kreativität als menschliche Stärke und Ressource

Erinnern Sie sich an Ihr letztes berufliches Problem dass Sie zu lösen hatten oder vielleicht eine private Herausforderung, der sie gegenüberstanden? Vielleicht hatten Sie eine gute Eingebung, einen sagenhaften Einfall oder ein Gespräch mit einem Bekannten hat Sie auf „neue Ideen" gebracht. So gesehen ist Kreativität eine echte Ressource wenn es um Ihre persönliche Leistungsfähigkeit geht. Und nicht nur das: kreative Menschen sind nachweislich zufriedener! Somit trägt Kreativität zu physischer und psychischer Gesundheit bei.

Warum ist Kreativität so wichtig?

Kennen Sie das Konzept des „Konstruktivismus"? Demnach gibt es nicht „die eine Wirklichkeit", sondern jeder Mensch hat seine eigene Form der Wirklichkeit mit ganz eigenen Bedeutungen und Bewertungen. Kreativ sein in diesem Zusammenhang könnte also auch heißen: ich erfinde „einfach" eine Lösung, und dabei lasse ich mal meinen ganzen Einfallsreichtum und meine ganze Fantasie spielen. Eine gute Möglichkeit damit im Coaching zu arbeiten wäre z. B. die sogenannte „Walt-Disney-Methode, die Robert Dilts für das Coaching adaptiert hat.

Förderung von Kreativität, aber wie?

Bestimmt werden Sie sich jetzt fragen, das klingt ja alles ganz schön. Aber: was kann ich nun damit anfangen? Wie kann ich meine eigene Kreativität beflügeln oder gar erst einmal wahrnehmen? Hierzu ein ganz einfacher Tipp: Trauen sie sich, eingefahre Denkmuster zu verlassen. Versuchen Sie bei einer Problemstellung einmal ganz „unorthodoxe" Lösungen anzudenken. Man könnte auch sagen: steigen Sie aus „Denkkonserven" aus. Beispiel: Sie müssen für Ihre Abteilung eine Sommerfeier organisieren und wollen aber nicht schon wieder die „Standard-Grillnummer". Das übliche Gelage mit anschließender „Fressnarkose" kennen Sie schon aus den letzten Jahren. Wie könnten Sie jetzt etwas ganz neues angehen? Sie könnten jetzt überlegen, wie Sie die sinnliche Wahrnehmung bzw. den Erlebnischarakter steigern könnten durch mehr Eigenbeteiligung der Abteilungspersonen. Sie engagieren einen Koch der die Zutaten bereitstellt. Es gibt Spieße die sich alle selbst zusammenstellen können und eine Feuerstelle, auf der Brot geröstet werden kann. Und Sie kaufen eine Runde Frisbee-Scheiben und einen Volleyball! Mal sehen, ob Sie die Hintern ihrer Abteilung da nicht hochkriegen.

Wer hat, dem wird gegeben.

Dieser, auch als Matthäus-Effekt bekannte Ausspruch aus der Soziologie, trifft weitgehend auch auf das Thema Kreativität zu. Hierher übertragen könnte man auch sagen: Menschen die schon kreativ sind und diese Seite auch an sich kultiviert haben neigen eher dazu, ungewöhnliche Wege zu gehen und ihren Denkrahmen offen zu halten für Neues. Das Sprichwort gibt es auch noch in anderen „Übersetzungen". Zum Beispiel: Es regnet immer dorthin, wo es schon nass ist."

Zahlreiche Studien haben sich der Frage gewidmet, welche Merkmale kreative Personen aufweisen. Runco (2006) hat die Ergebnisse verschiedener Studien zusammengetragen. Demnach zeichnen sich kreative Personen durch folgende Merkmale aus:

• Wertschätzung für ästhetische Qualitäten
• Breite Interessen
• Offenheit gegenüber Komplexität
• Energie
• Unabhängigkeit von den Bewertungen anderer/Autonomie
• Intuition und Selbstvertrauen
• Fähigkeit, Widersprüche aufzulösen
• Vereinbarkeit von offensichtlich widersprüchlichen Eigenschaften im eigenen Selbstkonzept
• Eine starke Auffassung der eigenen Person als kreativ
• Intrinsische Motivation

Willibald Ruch bietet an der Universität Zürich einen Online-Fragebogen zur Selbsteinschätzung eigener Charakterstärken mit kurzer Rückmeldung an.

Hier der Link: www.charakterstaerken.org

Kreativität und Innovation sind demnach Schlüsselkompetenzen für Menschen in Entwicklungsprozessen und nicht nur das, es sind geradezu überlebenswichtige Bedingungen für Organisationen und Unternehmen.

Mittwoch, 19 Februar 2014 23:02

Zu Tode arbeiten und den Coach zum Abschied?

- Outplacement-Beratung / Kommentar zum WirtschaftsWoche-Artikel -

Der Coach als „Trennungsbegleiter"

Insbesondere im Zeitalter hoher Unternehmensrisiken gehört Outplacement zum Standard, um die Trennung von Mitarbeitern möglichst sozialverträglich und „elegant" zu gestalten. Da Arbeitsbiografien von Menschen fast so schnelllebig wie die Auferstehung und der Niedergang von Firmen sind, haben sich sogenannte Outplacement-Berater auf dieses Klientel spezialisiert. Vor allem, wenn in Unternehmen Kosten gespart werden sollen, heißt dies in den meisten aller Fälle Personalabbau. Schöner: Personalfreisetzung. Dabei sind es nicht mehr nur Führungskräfte, die hier einen Coach zur Seite gestellt bekommen. Auch Fachkräfte sollen mit Hilfe eines Coachings den Übergang in eine neue Arbeitsstelle schaffen.

Zwei Seiten einer Medaille

...die kriegen einfach den Hals nicht voll...heute kommen die Mitarbeiter in Unternehmen ganz zum Schluss...soziale Verantwortung ist heute für Firmen ein Fremdwort...Arbeitsverhältnisse die von Unternehmensseite beendet werden, führen in den seltensten Fällen zu Freudentaumel. Im Gegenteil: nicht selten kommen noch „alte Rechnungen" von Seiten des Mitarbeiters auf den Tisch und nicht selten wird über einen Rechtsstreit nachgedacht. Schließlich hat man sich über Jahre den A....aufgerissen und bekommt jetzt zum Dank noch einen Tritt. Diese Haltung ist mehr als verständlich und fordert vom Coach Geduld und Verständnis, diese Gefühle auch wertzuschätzen und anzuerkennen. Selbst wenn ein Arbeitsverhältnis „verhasst" ist, bedeutet Trennung immer auch Unsicherheit und das macht den meisten Menschen mehr oder weniger Angst. Hier sollte der Coach keine Scheu vor starken Gefühlen haben. Ein guter Coach kann diese „Energie" nutzen, um mit dem Klienten neuen Schwung zu holen. „Welche positiven Seiten könnten sie an dieser Situation entdecken"? Wie würden Sie möglicherweise in zwei Jahren über ihren jetzigen Standpunkt denken? Welche Stärken konnten sie in der Zeit bei ihrem bisherigen Arbeitgeber sammeln und wie könnte ein neuer Arbeitgeber von diesen zukünftig profitieren? Was würden Sie jetzt gerne tun und konnten es bisher nicht?" Diese und andere Fragen können den Klienten dazu anleiten, seinen Blick zu erweitern und den Fokus auf Neues, wünschenswertes zu legen. Trennungen bedeuten hier nicht nur Verlust, sondern eröffnen auch die Chancen für Neues.

Und da wäre noch...

Was also kann ein Outplacement-Spezialist leisten?
Aus meiner Sicht steht an erster Stelle vor allem die Wertschätzung für das bisher Geleistete des Mitarbeiters! In solch einer Bilanzierungsphase können auch noch einmal verborgene Stärken entdeckt werden, die bisher gar nicht so offensichtlich waren. Ein solches Coaching braucht außerdem Mut für einen Neuanfang. Diesen Mut auf Seiten des Klienten zu benennen und anzuerkennen kann den fruchtbaren Boden ebnen, auf dem das Samenkorn für einen Neubeginn gesät wird und gedeihen kann. Manchmal wird hier auch ein ganz neuer Selbstfindungsprozess eingeläutet und längst verborgene Träume zum Leben erweckt! Als Coach braucht es hier Fingerspitzengefühl, den Klienten zur Selbstreflektion anzuleiten und ihm bei der Entwicklung neuer Ideen fördernd aber auch fordernd zur Seite zu stehen.

In der letzten Woche telefonierte ich mit einem Ausbildungsinteressenten für unsere Coaching-Ausbildung. Er erzählte mir, dass er gerade die Angebote einiger Anbieter vergleiche. Ihm sei auch aufgefallen, dass es recht große Preisunterschiede bei den Offerten gab. Außerdem frage er sich, ob man überhaupt solche eine Ausbildung brauche. Schließlich gebe es ja wirklich gute Coaching-Literatur zu allen möglichen Themen. In Amazon gebe es zwei Bücher, die durchweg beste Rezensionen haben, berichtete er. Diese habe er sich gekauft und sei auch schon eifrig am Lesen. Die theoretischen Modelle seien für ihn manchmal etwas schwerfällig nachzuvollziehen, aber das gebe sich bestimmt mit der Zeit, so seine Worte.

Wie wird man eigentlich Coach?

Das Thema „Coaching-Ausbildung“ oder „Buch über Coaching“ möchte ich gerne als Anlass zu diesem Blog-Artikel nehmen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich auch schon andere Interessenten diese Frage gestellt haben. Zumal die Berufsbezeichnung „Coach“ nicht geschützt ist und es zum Begriff „Coaching“ auch verschiedene Vorstellungen gibt. Ganz zu schweigen von dem, was ein Coach eigentlich tut bzw. tun sollte.

Ein wie ich finde recht leicht nachzuvollziehender Vergleich ist die Erlangung der Fahrerlaubnis, sprich Führerschein. Nun könnte man nämlich die Frage stellen: wieso eigentlich diese kostspieligen Fahrstunden und den langwierigen Theorieunterricht absolvieren. Man kann ja die Bögen einfach im Handel kaufen, durcharbeiten und ab zur Prüfung. Und das praktische Autofahren ist ja auch schnell gelernt. Ein paar Runden über den ADAC-Platz und ein bisschen Einparken, das war´s. Wir alle wissen: ganz so leicht ist es nun doch nicht. Zumal es über diesen Weg keine Rückmeldung gibt, ob das was Sie machen gut oder eher nicht so gut ist, geschweige denn, über diesen Weg wirklich praktisches Handwerkszeug für das Bestehen von Fahrsituationen im Alltag erlernt werden kann. Schließlich möchten ja auch die anderen Verkehrsteilnehmer möglichst unfallfrei im Straßenverkehr ankommen. Zurück zur Coaching-Ausbildung: Was würde passieren, wenn Sie sich das Wissen ausschließlich über Bücher „anlesen“ würden?

  • Sie hätten wichtige „Haltungen“ eines guten Coaches nicht wirklich gelernt, da zum erfahrungsorientierten Lernen andere Menschen notwendig sind.
  • Der Unterschied zwischen „Kennen“ und „Können“ wäre für Sie nicht erfahrbar gewesen.
  • Sie hätten keinerlei praktische Erfahrungen über die Wirkung von Coaching-Maßnahmen.
  • Sie hätten keine Rückmeldung bekommen über Ihre eigenen Stärken und Lernfelder.
  • Die Wirkung von Intervision bzw. Supervision wäre für Sie ein „Fremdwort“ bzw. ein Wort ohne „Erfahrungshintergrund“ geblieben.
  • Ihre Coaching-Persönlichkeit hätte keine Möglichkeit gehabt, im Austausch und der Erfahrung anderer sich zu entwickeln und zu reifen.
  • Wichtige persönliche Eindrücke, auch durch Input von Außen, hätten nicht gemacht werden können.
  • Das Gefühl, einen Coaching-Prozeß wirklich strukturiert zu führen hätte nicht entstehen zu können.
  • Durch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entstandene Selbstbewusstein würde nicht zur Geltung kommen.
  • Die Möglichkeit, eigene Kompetenzen auf dem Weg zu einem professionellen Coach zu entwickeln wäre Ihnen versagt geblieben.
  • Und ganz wichtig: das Coaching von anderen (Kollegen in der Ausbildung) hätte Sie nicht erreicht, im schlimmsten Falle wüssten Sie also gar nicht, was professionelles Coaching ist.

And the winner is…

Nun aber zurück zum Interessenten unserer Coaching-Ausbildung. Im Besten Falle ist es, ergänzend zu einer Coaching-Ausbildung, ausgewählte Ergänzungsliteratur zu lesen. So können die hier gegebenen Impulse auch an eigenen Erfahrungswerten andocken und sich mit dem eigenen Lernhintergrund der Ausbildung verbinden bzw. verknüpfen. Da es in diesem Bereich viel Literatur gibt, ist die Auswahl hier auch manchmal gar nicht so einfach. In einer methodisch breit gefächerten Ausbildung werden Sie aus vielen verschiedenen „Coaching-Schulen“ Tools und Herangehensweisen kennenlernen. Oft ist es so, dass sich daraus bestimmte Affinitäten zu bestimmten Richtungen herauskristallisieren. So ist zu beobachten, dass der eine gerne mit Techniken aus dem Hypno-Coaching arbeitet, der andere mag lieber systemische Praxis und wieder andere Teilnehmer begeistern sich für Elemente aus dem NLP. Eine Empfehlung könnte hier sein, ganz gezielt diese „Lieblingsthemen“ zu vertiefen und das eigene, methodische Repertoire an Coaching-Können weiter zu verfeinern und auszubauen.

So stellt sich für mich nicht die Frage Coaching-Ausbildung oder Buch, sondern Coaching-Ausbildung mit Buch bzw. sinnvoller Ergänzungsliteratur zu Themen, die besonders spannend sind. So macht Lernen Spaß und ist darüber hinaus sinnvoll, effektiv und praxisnah.

Mittwoch, 11 Dezember 2013 21:30

Werte im Coaching - Teil I -

Heute möchte ich ein Thema aufgreifen, dass im Zusammenhang mit Menschen in Entwicklungsprozessen immer wieder genannt wird: Werte. So schreibt die Firma Daimler auf Ihrer Webseite: „Begeisterung, Disziplin, Wertschätzung und Integrität – diese Werte dienen als Leitmotiv für das Handeln bei Daimler und sind der Antrieb für Spitzenleistung. Wichtig ist jedoch nicht nur das Ergebnis, sondern auch wie dieses Ergebnis erzielt wurde. Denn für Daimler ist integres Verhalten die Grundlage für nachhaltigen Erfolg." Hier werden Unternehmenswerte als Maxime für die Motivation und das Handeln der Mitarbeiter bei Daimler herausgestellt. Doch was sind eigentlich Werte und welche Relevanz haben diese im Coaching? Darüber möchte ich in diesem Artikel schreiben.

Den Handlungen von Menschen liegen stets Motive, (Erfolgs-) Erwartungen und Ziele zugrunde. Diese sind uns aber nicht immer bewusst und oft erst beim genauen hinschauen erkennbar. Werte sind dabei persönliche Triebfedern für unser Handeln.

Was sind dabei Werte im Einzelnen:

  • Werte sind innere Überzeugungen
  • Werte bestimmen, was für uns wert- und sinnvoll ist
  • Werte sind ein wesentlicher Baustein unserer Identität und beeinflussen unsere Entscheidungen und unser Handeln

Dabei hat jeder Mensch ein ganz individuelles Wertesystem. Hierbei unterscheiden wir zwischen sogenannten übergreifenden Werten, also solche die für alle Lebensbereiche gelten. Ein Beispiel wäre hier möglicherweise der Wert „Freiheit", der für alle Lebensbereiche gelten kann. Und wir unterscheiden Werte, die nur für bestimmte Lebensbereiche Gültigkeit haben, hier könnte der Wert „Loyalität" wichtig sein. Dabei sind Werte nicht ein für allemal gleich, sondern können sich im Laufe des Lebens durchaus ändern.

Welche Relevanz haben nun Werte im Coaching?

Ins Coaching kommen Menschen, die für sich neue Ziele erreichen möchten. Dabei können Ziele auch so definiert sein, dass ein Problem gelöst ist oder man zwischen Alternativen (z.B. Jobalternativen) die für sich richtige finden möchte. Da Werte (als innere Grundüberzeugungen) immer eine Rolle spielen, sollten wir diese auch miteinbeziehen. Dies trifft gerade bei weitreichenden Entscheidungen des Klienten zu. Da Werte für uns handlungsleitend sind und Auskunft geben über das, was für uns wert- und sinnvoll ist macht ein „Werte-Check" hier Sinn. Das heißt: die Ziele werden hier mit den Werten abgeglichen und es wird geschaut, ob hier nicht ein sogenannter „Wertekonflikt" vorliegt. Wie ist dies zu verstehen?

Ein Beispiel aus meiner Praxis:

Der Klient (48 Jahre) kommt ins Coaching und ist sehr stark gefrustet von seinem jetzigen Arbeitsplatz. Seit über zwei Jahren schaue er sich jetzt schon die Zustände in seiner Firma an. Neben völligst uneffektiven Arbeitsabläufen und der völlig desolaten Zusammenarbeit im Team, soll jetzt noch der Rotstift angesetzt werden und eine wichtige Stelle gestrichen werden. Der Klient erzählt, dass er schon seit 15 Jahren von der eigenen Selbstständigkeit träumt. Genau seit dieser Zeit arbeite er als DJ und mache Musik. Dies wäre eigentlich seine Leidenschaft und sein großer Traum.

Hier kommen jetzt die Werte ins Spiel. Im Coaching arbeitet der Klient seine eigene Wertehierarchie heraus. Auf die Frage nach seinen drei wichtigsten Werten antwortet dieser nach einigem Nachdenken: „Freiheit, Gestaltungsmöglichkeit und Sicherheit". Hier könnte der Klient im o. g. Beispiel in einen Konflikt mit dem Wert „Sicherheit" kommen. Auf Nachfrage antwortet der Klient weiter: Sicherheit sei für ihn sehr wichtig, da er noch einige Jahre eine Hypothek von monatlich 1300,- Euro zu bedienen habe und seine Frau nur einen Teilzeitjob habe.... Zur Verwirklichung des Ziels müssten also durch das Coaching Bedingungen geschaffen werden, die den Wert „Sicherheit" soweit zufrieden stellen, dass dieser das Ziel des Coaching-Prozesses nicht sabotiert, sondern unterstützt. Eine Schwierigkeit dabei ist manchmal, dass Werte oft unbewusst sind oder ggf. von anderen übernommen sind. Ein Hindernis kann auch sein, das die Werte des Coaches eine Rolle spielen können und den Coaching-Prozess unter Umständen ungünstig beeinflussen . Dazu aber mehr im nächsten Teil.

Montag, 25 November 2013 13:47

Bin ich hier richtig?

- Anforderungen an den Klienten im Coaching -

In unseren Blog-Themen haben wir bereits sehr ausführlich über gelungene Kommunikation, verschiedenste Kompetenzen und wichtige Haltungen des Coaches gesprochen. Zu einem erfolgreich durchgeführten Coaching-Prozess gehört aber nicht nur das Handwerk des Coaches. Ein gut ausgebildeter und reflektierter Coach versteht mit seinem Können, den Klienten optimal in Kontakt mit seinem Anliegen zu bringen. Was aber muss der Klient mitbringen, um von der gemeinsamen Arbeit optimal zu profitieren?

Freiwilligkeit – Coaching kann nur dann erfolgreich sein, wenn der Klient freiwillig daran teilnimmt. Er muss für die gemeinsame Arbeit motiviert sein, um die entsprechenden Konsequenzen auch mittragen zu können. Manchmal glauben Unternehmen, ein Coaching könnte helfen wenn ein Mitarbeiter nicht richtig „funktioniert" oder nicht das tut, was der Chef gerne von ihm möchte. „Da muss ein Coach her und den Kollegen wieder in die Spur bringen". Dies ist ein Irrglaube und Coach und Klient werden es in einem solchen Setting es haben, eine gemeinsame Basis zu finden. Der Coach könnte hier in die Rolle des „Erfüllungsgehilfen" des Chefs oder des Unternehmens kommen. Dies halte ich auch für ethisch fragwürdig. Der Klient kommt hier nicht in der Rolle des „Kunden", sondern in der Rolle des „Geschickten".

Anliegen – ein guter Coach arbeitet auftragsbezogen. Das heißt, aus dem Anliegen des Klienten leitet der Coach zielorientiert (in Zusammenarbeit) seinen Auftrag ab. Manchmal finden Klienten das Thema Coaching „spannend" weil das im Unternehmen einen hohen Stellenwert hat. Oder ein Bekannter hat sich vor einer wichtigen Entscheidung coachen lassen und gesagt, „Das musst du unbedingt mal ausprobieren. Irgendein Thema hat ja jeder". Weder ist dies für den Coach ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema Coaching, noch hat der Klient einen Nutzen davon.

Offenheit und Mut – dies braucht es, um sich auf das Coaching einzulassen. Durch ehrliches Öffnen können auch unangenehme Dinge und Ängste thematisiert und bearbeitet werden. Hier kann der Coach Ermunterer sein, Dinge auch auszuprobieren und in kleinen Schritten (auch mit Humor!) den Klienten zu begleiten.

Geduld und Durchhaltevermögen – Nicht immer liegen die Lösungen gleich auf der Hand. Manchmal erkennt man im Coaching festgefahrene Muster oder eingetretene Pfade. Diese haben oft ihre Berechtigung und es würde meist keinen Sinn machen, diese sogleich über Bord zu werfen. Veränderung muss also so gestaltet werden, das der Klient mitgehen kann um die Ergebnisse umzusetzen. Dabei braucht der Klient Geduld mit sich und die Beharrlichkeit, richtig Erkanntes einzuleiten. Der Coach kann hierbei aber helfen, Erreichtes herauszustellen um so die Motivation zu stärken.

Selbstverantwortung und Veränderungsbereitschaft – das mag banal klingen, kommt der Klient doch ins Coaching, um eine Veränderung herbeizuführen. Wenn alles so bleiben sollte wie es ist, bräuchte er ja keinen Coach.... In der Praxis ist es aber so, dass alle Veränderungen auch einen Preis haben. Stellen Sie sich vor, ein Klient hat ein attraktives neues Jobangebot. Er freut sich sehr darüber, da die Arbeitsbedingungen in seinem jetzigen Unternehmen schon fast ein Jahr extrem belastend sind. Er ist froh, dass er sich zum Jobwechsel durchgerungen hat und hat den neuen Vertrag unterschrieben. Nun muss er aber seinen alten Vertrag kündigen und plötzlich kommen ihm Zweifel....so schlecht war es doch gar nicht...er ist doch nun schon seit 11 Jahren hier und hat sich auch schon einige Anspräche auf die betriebliche Altersvorsorge gesichert...außerdem schätzte er immer die kurzen Wege zur Arbeit. Im Coaching wurden diese Punkte allesamt beleuchtet! Nun bekommt der Klient aber „Angst" vor seiner eigenen Courage und ihm wird klarer, dass auch die Ablösung von Gewohntem eine Arbeit ist, die Zeit braucht und Wertschätzung erfahren muss. Und dass auch dies wichtige Teile seiner Entscheidung sind, für die er die Verantwortung trägt.

In diesem Artikel wollte ich deutlich machen, dass der Klient die eigentliche Veränderungsarbeit leisten muss. Wichtige Punkte wurden oben angesprochen und erläutert. Sehr nützlich kann es darüber hinaus sein, wenn der Klient auch eine Portion Neugier auf sich selbst mitbringt und die Fähigkeit hat, sich selbst bzw. seine eigene Position in Frage zu stellen. Dann kann der Klient bestmöglichen Nutzen ziehen und das Coaching wird für ihn eine positive Erfahrung sein.

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