Montag, 25 März 2013 21:05

Wie Coaching wirkt - Teil II

Problemaktualisierung

In Teil I der Reihe „Wie wirkt Coaching" bin ich bereits darauf eingegangen, dass die vertrauensvolle Arbeitsbeziehung zwischen Coach und Klient die Basis der gemeinsamen erfolgreichen Arbeit ist. Im zweiten Teil gehen wir einen Schritt weiter und schauen uns an, wie der Coach auf Basis der erfolgreichen Beziehungsgestaltung weiterarbeitet.

Menschen nehmen ein Coaching in Anspruch, um problematisch erlebte Situationen oder Verhaltensweisen zu verändern. Für den Coach bedeutet dies, mit dem Klienten zusammen die relevanten bzw. das relevante Thema zu aktivieren bzw. erlebbar zu machen. Hier muss der Coach sich stets fragen: „Was genau soll der Klient mit der angewendeten Intervention für sich klären und ist dies dem gewünschten Ziel auch dienlich". Hier ist der Coach gefragt, durch die richtige Auswahl von Coaching-Tools die Qualität seiner Interventionen sicherzustellen. Das kann durch verschiedene, insbesondere erlebnisorientierte Tools erreicht werden, aber auch durch professionelle Fragetechnik. Der Coach steuert hier die emotionale Beteiligung des Klienten und sorgt dafür, das Thema zielorientiert zu bearbeiten. Ziel ist es dabei nicht, den Klienten zum Weinen zu bringen (auch wenn dies passieren kann / darf) oder in der Innenwelt des Klienten zu wühlen, sondern ergebnisorientiert vorzugehen. Im Vordergrund steht, im Klient wirkliche innere Beteiligung und Kontakt mit seinem Anliegen auszulösen. Sonst kann es passieren, dass das Coaching eher eine „nette Plauderei" wird, aus dem der Klient nur mäßig Nutzen zieht. Im Prozess der Problemaktualisierung ist es sehr hilfreich, wenn der Coach die Fähigkeit hat, dem Klienten emotionale Erlebnisinhalte zu „spiegeln". Beispiel des Klienten: „Wenn ich zu meinem Chef ins Büro muss, bin ich schon vorher wie erstarrt und merke richtig einen Kloß im Hals..." Der Coach entgegnet: „Könnte man sagen, dass Sie sich dann sehr ängstlich und klein fühlen?" Damit gibt der Coach die möglichen emotionalen Inhalte des Gehörten wieder und konfrontiert den Klienten mit den hinter den Worten gehörten Emotionen. Dies wiederum als Angebot um dem Klienten die Möglichkeit zu geben, diese für sich besser zu klären. Dazu mehr im nächsten Teil.

Montag, 11 März 2013 23:41

Wie Coaching wirkt - Teil I

Beziehungsgestaltung und "Carl Rogers"

Die Basis jedes Coachings ist die vertrauensvolle Beziehungsgestaltung zwischen Coach und Klient. Hierbei sind Offenheit und emotionale Unterstützung durch den Coach unumänglich. Das heißt weiterhin, dass die „Chemie" stimmen muss, damit sich der Coach auf sein Gegenüber einstellen kann.

Als theoretisches Konzept hinter der Beziehungsgestaltung im Coaching steht der personenzentrierte Ansatz von Carl Rogers. Er gehört zu den bekanntesten, empirisch fundierten Theorien, die als eigenständiges Konzept der Psychotherapie auf die Coaching-Arbeit übertragen wurde. Psychotherapie und Coaching bestehen hier lediglich aus unterschiedlichen Zielsetzungen: In der Therapie soll der Patient Besserung seiner Leiden oder Beschwerden erreichen, im Coaching geht es um die Entwicklung von Entscheidungskompetenz und Klärung von Handlungsalternativen für den Kunden. Rogers gibt hier drei Grundprinzipien an, die der erfolgreichen Arbeit dienlich sind. Der Coach soll hierbei dem Kunden folgende Haltung entgegenbringen:

1) Positive, bedingungslose Wertschätzung und Akzeptanz des Klienten und seiner Erzählungen
2) Empathie, als einfühlendes Verstehen in die Lebenswelt des Klienten
3) Echtheit und Kongruenz, d.h. der Therapeut/Berater/Coach erscheint als „echter Mensch" in der Arbeit, sein Verhalten ist authentisch.

Dadurch, dass wir als Coaches nach diesen Prinzipien arbeiten, legen wir den Grundstein dafür, dass der Klient sich öffnen kann und sich durch den Coach angenommen und akzeptiert fühlt. Dies ist die Grundlage für alle weiteren Interventionen des Coaches, die der Zielklärung, Problemaktualisierung und Ressourcenaktivierung dienen.

Dienstag, 12 Februar 2013 10:00

Dankbarkeit als Ressource

In Coaching-Gesprächen, in denen das Thema „Stress" und auch „Angst" eine hintergründige Rolle spielt, frage ich oft: „Für was sind Sie in Ihrem Leben dankbar?" Das löst auf den ersten Blick eine (für den Prozess willkommene) Verwirrung aus. Dankbar...ja...für was eigentlich? Was ist Dankbarkeit eigentlich und haben wir es manchmal verlernt, den Blick von dem was wir „nicht haben" auf die Dinge zu lenken, die wir „haben"? Dankbar sein heißt, den Blick zu lenken auf das, was wir alles haben und uns manchmal selbstverständlich geworden ist. Das kann das tägliche Brot sein aber auch das Dach über dem Kopf, eine Arbeit zu haben, gesunde Kinder oder eigene Gesundheit. Genauso aber auch einen guten Freund zu haben und gewiss zu sein, ich werde geliebt und akzeptiert. Manchmal sind es so banale Dinge wie das Lächeln oder die unerwartete Freundlichkeit eines anderen Menschen. Und dann passiert etwas fast wunderbares: Man fühlt sich als Mensch reich beschenkt und „Angst" (Dinge zu verlieren) oder „Stress" (nicht alles zu schaffen was man sich vorgenommen hat) erscheint auf einmal viel kleiner und wir nehmen innerlich Abstand von Belastendem. In der Coaching-Sprache würde man sagen: wir richten die Wahrnehmung (des Klienten) bewusst auf eigene Ressourcen und funktionale Aspekte des Seins. Ein sehr wohltuender Prozess. Wofür sind Sie heute dankbar?

Montag, 28 Januar 2013 16:39

Selbsterfahrung in der Coach-Ausbildung

…wozu eigentlich der „Aufwand“?

Verantwortungsvolles Coaching ist zu einem großen Teil „Beziehungsgestaltung“ mit Klienten und Kunden, aber auch Auftraggebern. Das heißt, wir gestalten die Arbeitsbeziehung zum Kunden als Grundlage der Veränderungsarbeit.  In der Praxis hat diese Art des „joinings“ einen großen Stellenwert. Wichtig und elementar ist, die Wirkung und das Handwerk von Beziehungsgestaltung und Interventionen im Coaching (Veränderungsmethodik) wirklich zu erfahren. Hier reicht es bei weitem nicht, ein Buch über Coaching oder einen Artikel in einer Fachzeitschrift zu lesen. Und Erfahrung geht nur im Kontakt mit anderen Menschen bzw. Gruppen. Auch ist es wichtig, sich selbst durch andere zu erfahren (Selbsterfahrung). Wir bekommen  Feedback von außen und können erfahren, wie andere uns sehen. Andere Wahrnehmungen können die Art wie wir denken und handeln bereichern und verfeinern.

Wir konstruieren unser Erleben und Verhalten durch dass, was wir als soziale Realität wahrnehmen und was durch unsere eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Ziele und Erwartungen beeinflusst wird (soziale Kognition). Manchmal blenden wir aber aus guten Gründen verschiedene Aspekte einfach aus. Studien zeigen, dass wir Menschen dazu neigen, eigene unerwünschte Emotionen oder Wünsche auf andere Personen zu projizieren. Hier hilft Feedback und das Erleben und Ausprobieren in der Coaching-Gruppe. Ausbildungsteilnehmer erhalten hier die Möglichkeit, auch an eigenen Themen zu arbeiten und diese sinnvoll in die eigene, professionelle Coach-Persönlichkeit zu integrieren.

Donnerstag, 03 Januar 2013 01:00

Coaching als Job

Wie sieht eigentlich der Arbeitstag eines Coachs aus?

Nicht selten höre ich: „Was machst Du eigentlich als Coach? So eine konkrete Vorstellung von Deiner Arbeit habe ich irgendwie nicht.“

Ich möchte an dieser Stelle einen Einblick in meinen Arbeitsalltag geben, so dass er hoffentlich etwas plastischer wird.

In den folgenden Blogbeiträgen werde ich nach und nach unterschiedlichste Themen aufgreifen, die mir im Zusammenhang mit Coaching wichtig erscheinen.

Zunächst ganz allgemein gesagt. Neben der tatsächlichen Arbeit als Coach, gehört ein großer Teil an Schreibtischarbeit zu meinen Aufgaben, hierbei die Vor- und Nachbearbeitung nicht zu vergessen. Das Coaching ist quasi das Tüpfelchen auf dem i.

Zunächst benötige ich natürlich Kunden. Denn ohne sie, kein Coaching. Das heißt, einen Großteil meiner Zeit verbringe ich damit, Kunden zu akquirieren. Es folgen vorbereitende Erstgespräche mit potentiellen Kunden. Dies können Führungskräfte bzw. Mitarbeiter aus Firmen sein, genauso aber auch Privatpersonen mit Ihren individuellen Anliegen.

Freitag, 04 Januar 2013 10:40

Grenzen der eigenen Coaching-Arbeit

„…seit einigen Wochen komme ich nicht mehr aus dem Bett. Morgens wache ich schon immer um vier Uhr auf und habe immer so komische Bauchschmerzen.“

Was ist Coaching? Wann verlassen wir unseren Kompetenzbereich als Coaches? Wann sollte der Klient einen Psychotherapeuten oder Arzt aufsuchen? Solche Fragen werden oft gestellt.

Die Wahrheit ist: die Übergänge sind fließend und viele Coaches bewegen sich hier in Grenzgebieten.

Als Faustregel kann hier gelten: Immer wenn ein Klient „Störungen“ mit „Krankheitswert“ hat, sollte der Coach seinen Kunden bitten und motivieren, sich mit diesen „Störungen“ in ärztliche bzw. therapeutische Hilfe zu begeben. Hier ist ärztliche Abklärung gefordert. Coaching ist ein sehr verantwortungsvoller Prozess. Der Coach kann hier trotzdem (wenn gewünscht) mit dem Klienten weiterarbeiten: aber bitte n u r in den Bereichen die er mit seiner Ausbildung verantworten kann. Coaching ersetzt nicht die Arbeit medizinischer Fachkräfte oder Therapeuten.

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