Heute schreibe ich Dir ein paar ganz persönliche Zeilen. Das kürzlich geführte Gespräch mit einem Kollegen hat mich dazu inspiriert, über meine Coaching-Tätigkeit zu schreiben und wie ich zum Coaching kam. Dazu muss ich ein klein wenig ausholen und wir gehen gemeinsam zurück ins Jahr 2000.

Zum Coach geboren?

Es wird Dich wenig überraschen, dass ich nicht als Coach auf die Welt gekommen bin :-). Wie viele Coaches habe ich auch einmal „etwas Richtiges" gelernt. Damals arbeitete ich seit vielen Jahren in der IT-Branche bei einem Telekommunikationsunternehmen. Ziemlich frustriert von den Arbeitsbedingungen, der weiten Anfahrt und enttäuschter Versprechungen fristete ich mehr schlecht als recht dort mein Dasein. Von Arbeitsfreude oder gar Motivation war nun wirklich nichts zu spüren. Ehrlich gesagt hatte ich längst die innere Kündigung ausgesprochen. Morgens quälte ich mich aus meinem Bett in mein im Sommer „heißes Büro", bei dieser Witterung hatten wir weit über 30 Grad. Meine Arbeit bestand überwiegend darin, Zahlenkolonnen in Geräte einzutippen. Das mag für andere ein Traum sein und hochwichtig, für mich war es einfach nur langweilig und öde. Noch dazu hat die Branche um die Jahrtausendwende „gesponnen". Riesige Horrorszenarien wurden wegen der „Milleniumsumstellung" heraufbeschworen. Man hatte große Angst, dass im neuen Jahrtausend nichts mehr funktioniere. Ganz viele Leute die „superwichtig" waren, oder sich dafür hielten", schwangen große Reden und beeindruckten damit sicher auch viele Leute. Langsam aber sicher entschwand der Rest meiner Lebensfreude. Ich kam abends um halb sieben nach Hause und hatte nur noch die Kraft, den Fernseher anzuschalten, um ihn um halb zwölf wieder auszuschalten, um dann schlecht zu schlafen.

Judgement day

Dann passierte etwas Furchtbares: Mein bester Freund, der sich auch in einem ungeliebten Job bei einer Großbank quälte, nahm sich um die Jahrtausendwende das Leben. Das Schlimme: Ich wusste um seinen Frust und seinen Ärger, habe aber von seinen geplanten Absichten nichts bemerkt. Doch dieses Ereignis und was danach folgte wurde ein Schlüsselmoment in meinem Leben. Ich weiß es noch so genau, als wäre es gestern gewesen. Am 1. Mai 2000 lag ich in meinem Liegestuhl entspannt in der Sonne auf meinem Balkon und fasste einen folgenreichen Entschluss: „Ich kündige meinen Job und mache etwas anderes. Was kann mir schon passieren? Wenn es nicht klappt, kann ich immer wieder in meine alte Branche zurückgehen", so dachte ich. An diesem Tag hatte ich wirklich einen klaren Moment und am nächsten Tag kündigte ich mein Arbeitsverhältnis. Mein alter Arbeitgeber zog noch alle Register, um mich zu halten. So hatte ich bei einer kürzlich vorher stattgefundenen Gehaltsverhandlung 1000 DM (war damals noch DM...) im Monat mehr gefordert, die aber abgelehnt wurden mit der Begründung, dass die Personalabteilung dies nie genehmigen würde. Auf einmal ging es doch - aber ich hatte meine Entscheidung getroffen.

Zurück auf Null

Was danach folgte, ist im Rückblick betrachtet schon fast unglaublich. Ich machte mich auf meinen Weg in die Selbstständigkeit. Wie der ein oder andere vielleicht weiß, habe ich auch eine künstlerische Ausbildung und fing von null an, mein neues Leben und auch Einkommen aufzubauen. Ich war mir über meine Pläne zwar klar, bin damit aber nicht überall auf Gegenliebe gestoßen. Ich möchte nicht verschweigen, dass ich gerade am Anfang meiner neuen Pläne aus meinem persönlichen Umfeld auch „Hohn und Spott" mir anhören musste. Schließlich verließ ich einen „sicheren Job" und ein sicheres Einkommen....so die Argumente. Daraus habe ich eine ganz wichtige Erkenntnis gewonnen: „Erst legen, dann gackern". Klingt etwas seltsam und meint, andere erst dann mit eigenen Plänen zu konfrontieren wenn diese fest sind und man selbst dafür eine halbwegs sichere Basis in sich hat. So lassen sich Pläne und Vorhaben nicht so schnell zerreden. Aus eigenem Interesse heraus hatte ich immer eine Affinität zu dem Thema berufliche Neuorientierung und persönliche Standortbestimmung. Und zu diesem Thema wollte ich gerne ein Angebot machen. Also erstellte ich eine Webseite, überlegte mir einen Namen und holte mir zu meinem Angebot viel Feedback ein. Dabei musste ich feststellen, dass meine Eigenwahrnehmung und die Wahrnehmung anderer in manchen Punkten doch auch ganz weit auseinander lagen. Dies nutzte (und nutze ich noch heute) als große Lernchance. Und ich wollte unbedingt lernen, wie ich andere Menschen in Veränderungsprozessen kompetent begleiten kann. Dazu machte ich eine Coaching-Ausbildung und bekam dadurch viele Impulse und wichtige Anregungen, doch fehlte mir der rote Faden und die Frage beschäftigte mich: Wie lassen sich Veränderungsprozesse strukturieren und noch besser „lernbar machen"?

Viele Hilfen aufgrund einer Entscheidung

Ich feilte weiter an meinem Angebot und bot ein erstes Seminar bei einem Bildungsträger an. Dieser nahm das Kursangebot dankbar an und der Leiter der Bildungseinrichtung lud mich zu einem Gespräch ein. Er war Durch das Kursangebot und meine Werbebroschüre auf mich aufmerksam geworden. Er sagte zu mir: „Können Sie sich vorstellen, dass Sie für uns Trainingsseminare in Schulen Durchführen?" „Na klar", sagte ich und er bat mich um ein Angebot. Ich setzte das Angebot recht hoch an, auch um zu testen. Und er sagte „JA"! So hatte ich viele Jahre ein gutes Standbein im Bereich Training und entwickelte mich im Bereich der Strukturierung von Gruppenlernprozessen sehr stark weiter. Der Leiter der Bildungseinrichtung hat mir vertraut und ich habe sein Vertrauen gerechtfertigt. Ich habe in dieser Zeit viele Menschen getroffen, die für mich starke Mentoren waren und Türöffner. Menschen, die mich in meiner persönlichen Entwicklung sehr viel weitergebracht haben aber auch Reibungsfläche boten, die ich zu der Zeit dringend brauchte. All dies wäre aber nicht möglich gewesen ohne das Wichtigste dahinter: Ich habe am 1. Mai 2000 eine Entscheidung getroffen, mein Leben zu ändern!

Und in der Zwischenzeit...

Mittlerweile sind über 15 Jahre seit dieser Entscheidung vergangen. Ich danke dem Leben jeden Tag (nein, in jedem Atemzug!), dass ich diese Entscheidung mutig getroffen habe. Seitdem ist viel passiert. Im Coaching arbeite ich immer noch mit Menschen in Neuorientierung, manchmal auch Krisen. Durch meine persönliche Vergangenheit habe ich hier auch einiges an Feldkompetenz. Ich fühle mich durch meine berufliche Tätigkeit reich beschenkt, an der ein oder anderen Stelle eine Art Geburtshelfer zu sein. Stand ich doch selbst einmal an dieser Stelle und musste „gebären". Dazugekommen ist im Laufe der Zeit die Arbeit mit Führungskräften. Hier geht es viel um Wachstum durch persönliche Reflektion und Rollenklärung und das, was ein Führungsalltag so mit sich bringt.
Was ich ganz spannend finde ist, dass mein heutiges Einkommen um einiges höher ist als das seinerzeit in der „sicheren" IT-Branche. Auch wenn das gar nicht mein Ziel war. Ich getraue es mich kaum zu sagen: In den ersten 2-3 Jahren meiner Selbstständigkeit war mein Einkommen unter dem, was man heute als „Hartz-IV" Satz bezeichnet. Trotzdem hatte ich eine eigene, sogar ziemlich große Wohnung, ich hatte ein Auto, bin in den Urlaub gefahren, abends weggegangen und hatte auch noch Geld für Weiterbildung übrig. Ich musste mich nirgends einschränken und hatte niemals das Gefühl, das ich mir etwas nicht leisten konnte was ich benötigte. Das war für mich auch eine ganz wichtige Erkenntnis zu merken, was ich wirklich zum Leben brauche und was wirklich „Schnick-Schnack" ist. Ich hatte zum Beispiel viele Jahre keinen Fernseher, so auch heute nicht. Ein Umstand, der für viele unglaublich und undenkbar ist. Dafür gilt für mich der Grundsatz: Jeden Tag eine Stunde Weiterbildung.

Was ist heute?

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich viel mit der Kompetenzentwicklung angehender Berater und Coaches. Dabei spielt die Frage: Wie lässt sich Coaching- und Beratungskompetenz am besten lernen?, eine große Rolle. Dazu habe ich mit Christiane Richter eine strukturierte Coaching-Ausbildung entwickelt, die ich damals selbst gerne besucht hätte. Diese Ausbildung lehrt nicht nur „Tools", sondern macht Coaching auch lernbar und verstehbar. Weiterhin reduziert strukturiertes Vorgehen im Coaching-Prozess die Komplexität, also auch die „Unberechenbarkeit". Und es gibt dem eigenen Arbeiten mehr Sicherheit. Mehr Sicherheit bedeutet mehr Kompetenz - mehr Kompetenz mehr Sicherheit. Das eine bedingt das andere.


Heute kann ich sagen: Mit Menschen zu arbeiten ist meine Berufung. Du wirst es nicht glauben aber: Ich lerne unglaublich viel von den Menschen, die mir in Coachings und Seminaren begegnen. Alleine hierüber könnte ich ein Buch schreiben. Schlussendlich hat auch das „eintippen von Zahlenkolonnen in elektrische Geräte", also das was ich vor gut 15 Jahren machte, seine Berechtigung gehabt. Wäre ich damals nicht an diesem Punkt gewesen, wer weiß was jetzt wäre?

Ich hoffe, ich konnte Dir mit meiner Geschichte Mut machen, Deinen Weg zu gehen, es lohnt sich!

Du arbeitest selbst als Coach? Was war Dein Weg zum Coaching? Ich bin gespannt auf Deine Geschichte!

Donnerstag, 05 Februar 2015 20:21

Warum tun wir was wir tun?

 

 

Das „Warum?“ hinter dem ICK-Institut für Coaching & Kompetenz von Christiane Richter und Peter Reitz

Die Idee von Gordon Schönwälder http://podcast-helden.de/einladung-zur-blogparade-erzaehl-uns-deine-unternehmens-story/ hat uns echt begeistert. Gerade in unserer Branche wird viel von Selbstreflektion gesprochen. Darum wollen wir diese Idee zum Anlass nehmen und darüber berichten, warum wir tun was wir tun.

Peter und ich haben uns während unserer Coaching-Ausbildung vor acht Jahren kennengelernt. Seitdem ist viel Zeit vergangen in der jeder seine eigene Praxis, sprich sein eigenes Business aufgebaut und verwirklicht hat. Beide haben wir unsere Schwerpunkte gefunden, in denen wir uns, so wie es in der Branche üblich sein sollte, regelmäßig weiterbilden. Peter hat eine Ausbildung zum systemischen Berater absolviert und ich habe eine Ausbildung zur Hypnosetherapeutin gemacht.

Wir hatten in dieser Zeit regelmäßig Kontakt und haben uns fachlich ausgetauscht. Irgendwann, nach vielen Telefonaten und Mails wollten wir unser geballtes Wissen aus unserer Coaching- und Trainingserfahrung bündeln und gründeten 2013 das ICK Institut für Coaching & Kompetenz. Nach vielen Jahren der Coachingtätigkeit und noch längeren Jahren als Trainer, geben wir unsere Erfahrungen gerne in Form einer Ausbildung zum Personal-/Businesscoach weiter.

Die Vermittlung von Kompetenzen in Theorie und Praxis ist unsere Leidenschaft und fordert uns immer wieder neu heraus. Als großes Plus sehen wir dabei unsere eigene Erfahrung im Aufbau der Selbstständigkeit als freiberuflicher Coach. Ein Schritt, vor dem wir selbst vor vielen Jahren standen. So können wir die Dinge weitergeben, die aus unserer Erfahrung wirklich funktionieren!

Doch warum?

Als Coach unterstützen wir Menschen, ihren eigenen Weg zu gehen, Krisen zu überwinden oder Entscheidungen zu treffen. Andere möchten sich von Erwartungen, die an sie gestellt werden lösen um zu ihrem eigenen Kern zurück zu finden. Wieder andere wachsen in eine neue Aufgabe hinein, z. B. als Führungskraft, oder sie sind schon „High-Performer“ und möchten noch besser werden. Es ist schön zu sehen, wie Menschen sich entwickeln und wir als Coach dazu einen Beitrag leisten konnten.

Zurück zur Lehrtätigkeit: Die Arbeit mit den Teilnehmern der Coachingausbildung macht uns unglaublichen Spaß, da wir diese bei ihrer beruflichen, aber auch persönlichen Entwicklung unterstützen können. Es sind Menschen, die eine eigene Dienstleistung anbieten möchten, bei der sie ihre Klienten wiederum bei der Lösung eines Problems oder in der Entscheidungsfindung unterstützen möchten.

Da während eines Coachingprozesses der Coach als Person mit all seinen Lebenserfahrungen und Wertvorstellungen immer „mit dabei“ ist, macht insbesondere die persönliche Weiterentwicklung der „jungen Coaches“ die Qualität der späteren Arbeit aus.

Das klingt oft so einfach. Nach dem Motto: „Das kann doch jeder.“ Doch dabei ist es eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die einen sehr fordern kann. Stellt Euch nur mal vor, Ihr würdet ein Gespräch mit einem Klienten über 1,5 Stunden führen, bei dem es um Karriereentwicklung geht. Ihr seid natürlich permanent aufmerksam und mit allen Sinnen präsent. Ihr unterstützt ihn, motiviert ihn, bringt ihn durch intensives Fragen zu kritischer Reflektion, zum Nachdenken oder Umdenken, vielleicht zum lachen, vielleicht zum weinen. Ihr freut euch mit Ihm, wenn er in seinem Anliegen weiterkommt und feiert kleine und große Erfolge.

Wenn dieser Klient Eure Praxis oder Büroverlassen hat, macht ihr Euch Notizen und ein kurze Pause und dann kommt der Nächste und dann der Nächste. Ihr könnt Euch jetzt sicher vorstellen, dass es wichtig ist, dass man als Coach gut auf sich selber achten muss, um sich nicht zu überfordern. Dies unseren Teilnehmern mit auf den Weg zu geben ist uns ebenfalls sehr wichtig. Deswegen steht ganz am Anfang der Satz –Sorge für Dich selber - Nur wenn es einem selber gut geht, kann man auch für andere da sein. Nicht vergessen sollte man, dass ein Coach einen großen Vertrauensvorschuss von seinen Klienten bekommt, dem man auch gerecht werden möchte und sollte.

Neben der Arbeit mit den Teilnehmern motiviert uns aber auch das „Drumherum“.

Wir können unsere Ausbildung so konzipieren, wie wir es für richtig halten. Wir machen es genauso, wie wir es uns vorstellen und können dadurch unsere eigenen Ideen verwirklichen. Das heißt, wir haben die Möglichkeit, alles eigenverantwortlich durchzuführen. Wir bekommen sofort Feedback ob etwas funktioniert oder nicht. Das Schöne ist, das wir zu zweit sind. Obwohl Peter mit seiner Familie in der Nähe von Frankfurt wohnt und ich mit meinem Mann in Berlin, sind wir stets über E-Mail bzw. Skype „verdrahtet“. Es macht einfach viel mehr Spaß ein Unternehmen zu zweit zu führen. Jeder bringt neue Ideen ein, die vom anderen wohlwollend aber kritisch unter die Lupe genommen werden. Wir tragen gemeinsam die Verantwortung für unser Institut. Wir initiieren gemeinsam Projekte und ziehen sie gemeinsam durch, so ist auch die Verantwortung auf zwei Schultern verteilt.

Uns ist es wichtig, dass unsere Ausbildung bodenständig bleibt. Wir geben unseren Teilnehmern die Möglichkeit zu erkennen, dass es wichtig ist sich zunächst selber kennen zu lernen, sich selbst und seine Handlung zu reflektieren. Wir möchten unseren angehenden Coaches vermitteln, wie wichtig die Beziehung zu ihren Klienten ist und dass Methodenwissen wichtig aber nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Was nützt es, wenn ich viele tolle Methoden kenne, sie aber nicht zur Anwendung bringen kann, da ich mit meinen Klienten nicht in Kontakt komme. Beziehungsaufbau verstehen und leben. Wenn wir das vermitteln können, haben wir eine ganze Mange erreicht.

Uns ist es wichtig, dass unsere Teilnehmer Ihren eigenen Coachingstil entwickeln können, deshalb bieten wir Ihnen viel Gelegenheit zum Üben. Jeder hat seine Vorlieben und Schwerpunkte, für jeden gibt es eine Nische. Diese gilt es herauszuarbeiten und sich entsprechend zu positionieren. Dabei möchten wir sie unterstützen.

Dies alles motiviert uns das zu tun was wir tun. Sicherlich haben wir noch das eine oder andere vergessen, doch das „Warum“ ist jetzt schon länger geworden, als eigentlich gedacht. Aber während des Schreibens sind uns dann doch noch viele Dinge eingefallen, die uns bei unserer gemeinsamen Arbeit wichtig sind.

Wann hast Du zuletzt darüber nachgedacht warum Du tust was Du tust?

Wir freuen wir uns über Deinen Kommentar.

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