Coaching oder PsychotherapieGroße Verunsicherung von Seiten des Coaches kann entstehen, wenn Klienten im Coaching von zurückliegender, psychischer Erkrankung sprechen. Ist die psychische Erkrankung vielleicht wiedergekommen? Kann ich hier trotzdem ein kompetenter Coach sein? Was ist, wenn das aktuelle Coaching-Anliegen auch eine psychische Erkrankung ist oder damit irgendwie im Zusammenhang steht? In diesem Artikel möchte ich Dir helfen, klarere Grenzen für den Umgang mit den genannten Fragestellungen zu ziehen.

Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Psychotherapie?

Wo hört Coaching auf, wo fängt Therapie bzw. Psychotherapie an? Wie kann ich als Coach Sicherheit bekommen? Diese Fragen wurden auch in unserer Coaching-Ausbildung schon mehrfach gestellt. Als Hilfe soll diese Unterscheidung dienen: Coaching ist die Arbeit mit prinzipiell psychisch gesunden Menschen, die aktuell in einer Konflikt- oder Krisensituation (z.B. vor wichtigen Entscheidungen) Orientierung suchen. Von psychischer Erkrankung sprechen wir, wenn Leiden mit Krankheitswert zu verzeichnen sind. Krankheitswert definiert sich nach gültigem Standard nach der ICD-10, der sogenannten internationalen Klassifikation der (psychischen) Störungen. Als „medizinischer“ Laie ist es aber unmöglich, nun diesen ganzen „Störungskatalog“ im Hinterkopf zu haben.

Beispiele für psychische Störungen im Coaching

Hinweise auf psychische Störungen können nur zu einem sehr kleinen Teil an der äußeren Erscheinung festgemacht werden. Vor allem im Gespräch sollten bestimmte Hinweise auf psychische Erkrankungen erkannt werden können.

Hilfreiche Hinweise können sein:

  • Berichtet der Klient, dass ihm alles sehr schwer falle und ihm Dinge die er gerne getan hat nun keine Freude mehr machen?
  • Klagt er über schlechten Schlaf oder mangelnden Appetit?
  • Äußert er, dass er seit einigen Wochen unter „gedrückter Stimmung“ leide?
  • Spricht er möglicherweise Sätze wie „Alles macht keinen Sinn“, „ohne mich ginge es allen besser“ oder „ich bin anderen nur eine Last“?

Diese Hinweise könnten auf eine depressive Verstimmung oder depressive Episode hinweisen. Im letzten Punkt könnte auch eine suizidale Einengung vorliegen. Das heißt: Der Klient deutet Suizidgedanken an. Solche Hinweise sollten sehr ernst genommen werden und der Klient sollte motiviert werden, sich in diesem Falle einer ärztlichen Abklärung zu unterziehen. Depressive Störungen können bzw. könnten vielerlei Ursachen haben. Es gab auch schon Fälle, in denen Klienten von Ereignissen (z.B. Tod eines Angehörigen, Arbeitslosigkeit oder ähnliches) berichten, die erst wenige Wochen her sind. Manchmal können solche Situationen bzw. Ereignisse Auslöser für Krisen sein und eine sogenannte „reaktive psychische Störung“ kann vorliegen. Hiermit gemeint ist eine Reaktion aufgrund eines „Verlustes“ oder eines „außergewöhnlichen“ Ereignisses.

Ein anderer Fall: Die Klientin berichtet außergewöhnlich viel von Ängsten, die mehrere Lebensbereiche betreffen. Sie hat Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Außerdem bereitet ihr Sorge, ihr Mann oder ihre Kinder könnten ernsthaft erkranken. Dazu kommt, dass sie selbst das Gefühl hat, immer unsicherer zu werden und dass dies auch ihre Lebensfreude und ihr Lebensgefühl sehr beeinträchtige. Diese Anzeichen können einen Hinweis geben auf eine „generalisierte Angststörung“, die in fachkundige Abklärung und Behandlung gehört.

Kann ein Coach auch bei psychischen Störungen helfen?

Ein klares JA! Allerdings sollte die psychische Störung durch entsprechende, kompetente Hilfe (zum Beispiel mit Psychotherapie) durch eine Fachperson behandelt werden. Die Aufgabe eines Coaches beim Verdacht auf eine psychische Störung könnte darin liegen, den Klienten zu motivieren sich entsprechende ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Idealerweise kann der Coach hierbei behilflich sein, in dem er in seinem Netzwerk entsprechende Fachleute empfehlen kann. Coaching kann auch parallel zu einer Behandlung durch einen Therapeuten sehr gute Dienste leisten. So ist es in meiner Coachingpraxis schon vorgekommen, dass es neben der therapeutischen Begleitung auch ein Coaching-Anliegen gab. Aber: Therapie ist kein Coaching und ein Therapeut auch kein Coach, das muss klar gesagt werden. Das gleiche gilt übrigens auch umgekehrt: Ein Coach ist per Definition kein Therapeut. So ist es bereits mehrfach vorgekommen, dass Klienten für die biografische Aufarbeitung von Vergangenem therapeutische Hilfe in Anspruch nahmen und zusätzlich bei mir ein Coaching buchten für aktuelle berufliche Weichenstellung. Wichtig ist, und das soll noch einmal deutlich werden, dass mögliche therapeutische Anliegen von Fachpersonal behandelt werden müssen.

Sicherheit im Grenzbereich: Zulassung als Heilpraktiker (Psychotherapie) für den Coach

Vielleicht hast Du beim Lesen des Artikels oder bereits in Deiner Praxis bemerkt, dass die Abgrenzung zwischen der Tätigkeit eines Coaches und der eines Therapeuten fließend sein kann. Insbesondere in Krisensituationen sind bestimmte Reaktionen einer normalen Konfliktverarbeitung zuzuschreiben, die man anderorts auch als „pathologisch diagnostizierbar“ beschreiben könnte. Um im Grenzbereich von Coaching und Therapie sicher bewerten und entscheiden zu können, halten wir die Zulassung als Heilpraktiker (Psychotherapie) für hilfreich und sinnvoll. Du erhältst dadurch profundes Wissen welches Dir hilft, bessere Abgrenzungen zu ziehen und ganz einfach professioneller zu handeln. Darüber hinaus erhältst Du Rechtssicherheit, um auch in Grenzbereichen arbeiten zu können. Außerdem kannst Du die Formate Psychotherapie und Coaching noch besser einordnen und bei entsprechendem fachlichem Background, wäre somit auch die Durchführbarkeit einer psychotherapeutischen Behandlung durch Dich möglich.

 Weiterbildung

Nicht selten wird an uns die Frage gerichtet, wie es nach einer Coaching-Ausbildung weitergehen kann. Natürlich kannst Du direkt im Anschluss daran eine Weiterbildung nach der anderen machen. Du sammelst dabei viele Scheine, lernst viele Leute kennen und bekommst unter Umständen Ideen für weitere Seminare, die Du belegen „musst“. Nur leider sammelst Du bei alldem nur wenig echte praktische Erfahrung. Also den Umgang mit Klienten. Im schlimmsten Fall fühlst Du Dich nach Deiner Vielzahl an Weiterbildungen immer noch nicht fit für die Praxis, weil Du ja noch diese oder jene Fortbildung unbedingt brauchst um wirklich loslegen zu können. „Tschuldigung“ aber das ist Blödsinn!! Mach das SO nicht!

Versteh mich bitte nicht falsch. Ich habe nichts gegen Weiterbildungen, ganz im Gegenteil! Ich finde nur, sie sollte zielgerichtet besucht werden und nicht auf Vorrat. Aus meiner bescheidenen Sicht ist es sinnvoll nach einer Coaching-Ausbildung zunächst Praxiserfahrung zu sammeln. Und mit einer soliden Coaching-Ausbildung kannst Du Dich auf jeden Fall auf den Markt trauen. Unter solide verstehe ich eine Ausbildung über mehrere Monate mit einem hohen Selbsterfahrungsanteil, viel Praxis und Zeit das Gelernte anzuwenden. Das ist für die spätere Arbeit essentiell.

Im Laufe der Praxis merkst Du recht schnell, welcher Bereich Dich besonders interessiert, bzw. in welchem Bereich Du Dich besonders wohl fühlst. Dann ist der Zeitpunkt gekommen über eine konkrete Weiterbildung nachzudenken.

Ich möchte Dir heute einfach mal zwei Weiterbildungen vorstellen, die sich aus meiner Sicht für einen Coach anbieten, der schon über eine gewisse Praxis verfügt und weiß wo er hinmöchte: Da wäre zum einen die

Trainer-Ausbildung

Vielleicht hat Dich im Rahmen Deiner Coaching-Ausbildung das ein oder andere Thema so begeistert, dass Du Dich näher damit beschäftigen möchtest, indem Du selber Seminare dazu anbietest. Vielleicht möchtest Du über Seminare auch Deinen Bekanntheitsgrad erhöhen oder Dir einen Expertenstatus aufbauen indem Du Dich auf ein bestimmtes Themengebiet spezialisierst.

Wenn Du noch keine oder geringe Erfahrung im Umgang mit Gruppen, Methodik und Didaktik hast, kann eine Trainerausbildung eine gute Wahl sein. Hier lernst Du in aller Regel wie Du Seminare gestaltest, wie Du Lernprozesse moderierst und Gruppenprozesse steuerst. Darüber hinaus erfährst Du etwas über den Umgang mit Medien, über eine gelungene Art zu präsentieren und zu visualisieren.

Gegenüber einer allgemeinen Trainerausbildung gibt es auch Ausbildungen zu „speziellen“ Trainern, wie zum Beispiel Kommunikationstrainer oder Verhaltenstrainer.

Die Bandbreite bezogen auf Dauer und Kosten ist sehr groß. So kannst Du Dich in 3 Tagen oder 20 Tagen zum Trainer ausbilden lassen und dafür zwischen 250 und 650 Euro pro Tag bezahlen. Wie immer bei der Wahl einer Weiterbildung ist es wichtig Kosten und Nutzen gegeneinander abzuwägen und mehrere Angebote einzuholen um diese miteinander vergleichen zu können.

Scheu Dich nicht Kontakt zu den jeweiligen Instituten aufzunehmen. So erhältst Du die gewünschten Informationen aus erster Hand.

Eine Weiterbildung, die in eine ganz andere Richtung geht ist die Ausbildung zum

Heilpraktiker, eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie (HP-Psych)

Während einer Coaching-Ausbildung erfährst Du einiges über psychologische Grundkenntnisse, lernst was Empathie und Wertschätzung bedeuten, übst viele verschiedene Interventionstechniken und lernst außerdem sehr viel über Dich und den Umgang mit anderen, psychisch gesunden, Menschen. Das ist das Stichwort und ich möchte an dieser Stelle kurz den Unterschied zwischen Coaching und Therapie erklären.

Die Basis ist bei beiden gleich: Eine gelungene Kommunikation und ein guter Rapport zum Klienten (also die Art und Weise, wie Du mit Deinen Klienten Kontakt aufnimmst und diesen hältst). Der wichtigste Unterschied zwischen beiden ist der, dass Du beim Coaching mit psychisch gesunden Menschen arbeitest. Das heißt, Du befasst Dich nicht mit der Behandlung psychischer Störungen. Im Gegensatz zur Therapie. Diese setzt eine Störung oder Erkrankung des Menschen voraus.

Das heißt, wenn Du Dein Arbeitsfeld um das der Psychotherapie erweitern möchtest, musst Du mindestens eine entsprechende Heilerlaubnis erwerben. Diese erhältst Du, indem Du eine entsprechende Prüfung vor Deinem zuständigen Gesundheitsamt ablegst.

Zur Vorbereitung auf diese Prüfung gibt es nun verschiedene Kursformen. Da es noch keine einheitlichen bzw. verbindlichen Ausbildungsrichtlinien gibt, erstellt jedes Ausbildungsinstitut sein eigenes Konzept.

Von Kursen in Teilzeit oder Vollzeit über Fernlehrgänge wird für jeden Bedarf etwas angeboten. Ähnliches gilt für den Preis. Dieser schwankt von ca. 1000 bis 2500 Euro und mehr. Je nach Dauer und Zusatzleistung. Manche Institute bieten neben der reinen Prüfungsvorbereitung noch weiterführende Module an. Diese zu buchen macht aber nur Sinn, wenn es der eigenen gewünschten Richtung entspricht. Sonst wird wieder auf Vorrat gelernt ;-). 

Der Heilpraktiker, eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie (HP-Psych), ist keine Unterform des Heilpraktikers. Sondern es handelt es sich um ein eigenständiges Berufsbild, da sich die genannte Beschränkung auf das Gebiet der psychischen Störungen bezieht und er keine organischen Leiden behandeln darf wie der Heilpraktiker.

Es war eine gewisse Zeit nötig um dieses Berufsbild in unser Gesundheitssystem zu integrieren, doch wird mittlerweile ein positiver Trend in Bezug auf die fachliche Anerkennung sichtbar. Das mag auch daran liegen, dass das Niveau der Prüfungen in den letzten Jahren deutlich angehoben wurde und man die Prüfung nicht so nebenbei machen kann.

Klar sein sollte Dir, dass Du als HP-Psych nicht mit der Krankenkasse abrechnen kannst, sondern dass Deine Klienten alles aus eigener Tasche bezahlen müssen.

Die Heilerlaubnis zu besitzen, kann nicht nur Sinn machen wenn Du therapeutisch arbeiten möchtest, sondern auch um Grenzfälle, die Dir im Coaching begegnen können, besser einschätzen zu können und unter Umständen behandeln zu dürfen. Um verantwortungsvoll als Therapeut arbeiten zu können, solltest Du allerdings eine Ausbildung in einem Dich interessierenden Therapieverfahren anhängen!

Noch lange nicht alles

Neben diesen beiden genannten Möglichkeiten der Weiterbildungen gibt es natürlich noch mehr als eine Handvoll weiterer Ausbildungen, die für einen Coach sinnvoll sein können. Aber diese jetzt hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Und unabhängig von organisierten Weiterbildungen, sollte die eigene Professionalisierung Deiner Arbeit als Coach zu Deiner täglichen Pflichtübung werden J.

Doch, welche Zusatzqualifikation für einen Coach hältst Du für sinnvoll und warum? Ich bin gespannt auf Deine Nachricht.

Dienstag, 23 Juli 2013 09:26

Coaching-Methoden 5

Coaching Methoden 5

Kognitive Beratung

Neben den bisher besprochenen Methoden, die im Coaching zum Einsatz kommen können, soll die kognitive Beratung nicht unerwähnt bleiben. Sie hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Psychotherapielandschaft seit den 60er Jahren genommen und damit auch unmittelbar auf die Arbeit im Coaching.

Herkunft

Unter dem Begriff Kognition

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