Einer meiner Glaubenssätze als Kind war: Über Geld spricht man nicht. Nach dem letzten Newsletter haben mich aber einige angesprochen, was man als Trainer eigentlich verdient. Diese Frage will ich heute in diesem Artikel beantworten. Dazu muss ich gleich sagen, dass es „den Trainer“ nicht gibt. Die Bezeichnung „Trainer“ findet sich häufig in verschiedenen Formen wieder. Wenn Du in die Selbstständigkeit gehst, wirst du manchmal als Dozent gebucht, ein anderes Mal wirst Du Seminarleiter sein. In wieder anderen Kontexten in der Erwachsenenbildung sein oder als Weiterbildner auftreten.

Zielgruppen von Trainings

Arbeitest Du neu für einen Auftraggeber, wirst Du in aller Regel mit einem Trainingsvertrag arbeiten. Ein zentraler Bestandteil in diesem ist die Vereinbarung Deines Trainingshonorars. Hier wird (sollte!) auch geregelt werden, ob evtl. anfallende Vorbereitungsmaßnahmen, Fahrtkosten, Hotelkosten, Auftragsklärungsgespräche bzw. Evaluation ebenfalls vergütet werden, oder mit Deinem (Tages-) Honorar abgegolten werden.

Prinzipiell lassen sich drei Zielgruppen für Trainer unterscheiden

1) Privatpersonen
2) Bildungseinrichtungen
3) Unternehmen

Honorare für Trainer bei Privatpersonen

Hierunter fallen oft Angebote, die im weiteren Sinne dem Bereich „Persönlichkeitsentwicklung“ zuzuordnen sind. Ein paar Beispiele für Einzeltrainings: Verkaufstraining am Telefon, Führungskräftetraining zur sicheren Gesprächs- und Verhandlungsführung, Konflikttraining zur besseren Konfliktfähigkeit im Team. Auch eine Sportart oder beispielsweise Yoga könnte im Einzelsetting stattfinden. Die Honorare in diesem Bereich liegen zwischen 40-180 Euro pro Stunde. Im Sportbereich wird häufig auch das Wort „Personal-Training“ oder „Personal-Trainer“ gebraucht. In aller Regel wird es so sein, dass eine Führungskraft für ein Führungskräftetraining einen höheren Stundensatz bezahlt (bzw. bezahlen kann und will), als jemand der die Einzeltrainingsstunde in Yoga bucht.

Vergütung für Trainer bei Bildungseinrichtungen

Hierunter verstehen wir Organisationen, die eine bestimmte Zielgruppe ansprechen. Als Beispiel wären genannt: Handwerker, Ärzte, Arbeitnehmer, Arbeitssuchende, etc. Diese bieten entsprechende Trainingsdienstleistungen als profit-orientierte Organisationen (Wirtschaftsakademie, Bildungswerke, etc.) oder als non-profit bzw. gemeinnützig geführte Gesellschaft an (z.B. Volkshochschulen). Häufig wird der administrative Aufwand wie Teilnehmerbuchung, Seminarraumvorbereitung, Abrechnung usw. von der Bildungseinrichtung übernommen. Die inhaltliche und konzeptionelle Ausgestaltung obliegt dann dem Trainer. Dafür bekommt er ein vorher festgelegtes bzw. ausgehandeltes Honorar pro Stunde (60 min). Im Bereich der Bildungsorganisationen wird als Zeitmaßstab auch häufig von einer UE (= Unterrichtseinheit zu 45 min.) gesprochen. Hier findet sich eine Honorarspanne zwischen 35 Euro und etwa 120 Euro pro UE bzw. Zeitstunde. Arbeitest Du im Bereich der Berufsvorbereitung, Arbeitsmarktnahe Schulungen (z.B. Bewerbungstrainings für Arbeitssuchende) wird Dein Honorar deutlich geringer ausfallen. Hierbei werden Stundenhonorare zwischen 18 und etwa 40 Euro aufgerufen. Die Honorare werden dabei vom Bildungsträger festgelegt. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass es oftmals noch Spielraum gibt und auch ein Verhandeln sich für Dich lohnen kann.

Trainerhonorare bei Unternehmen

Die Arbeit für Firmen ist für viele „die Königsklasse“ als Trainer. Warum kannst Du Dir vielleicht schon denken: Unternehmen sind viel eher bereit, ein wesentlich höheres Honorar zu bezahlen als dies bei Privatpersonen oder Bildungsträgern ist. Mehr noch: Bleibst Du in Deiner Honorargestaltung unter einem bestimmten Honorarsatz, wirst Du von vielen Unternehmen gleich aussortiert da Du schlichtweg „zu billig“ bist. Bietest Du als Trainer beispielsweise ein Teamtraining für 600 Euro an, bist Du sozusagen gleich „raus“. Aus vielerlei Gründen sind Trainings für Unternehmen „mehr“ Wert:

  • Firmen besitzen bereits fest geplante Weiterbildungsbudgets, in denen die Kosten für potentielle Trainings ebenfalls erfasst sind.
  • Die Weiterentwicklung und Schuldung von Mitarbeitern sind für Unternehmen unabdingbare Zukunftsaufgaben, um konkurrenzfähig zu bleiben oder bestimmte, neue Technologien nutzen zu können.
  • Trainingsmaßnahmen können bzw. sollen mitarbeitermotivierend sein und damit auch die Bindung des Mitarbeiters an das Unternehmen erhöhen.

Schlussendlich bemisst sich Dein Trainingshonorar bzw. Dein Tagessatz bei Firmen noch an weiteren Komponenten:

  • Wie „dringend“ ist die Problemlösung, die Du dem Unternehmen bietest? Ein Beispiel: Ein deutsches Unternehmen hat die Möglichkeit, in den chinesischen Markt einzutreten und dort einen wichtigen Handelspartner zu akquirieren. Das Auftragsvolumen beträgt 10 Millionen Dollar. In zwei Wochen soll eine Delegation dorthin fliegen. Gesucht wird ein Trainer für interkulturelle Kompetenz, der in drei Tagen die Delegation fit machen soll. Was glaubst Du, wie hoch wird (kann) der Tagessatz des Trainers sein?
  • Wie bekannt bist Du bereits in Deinem Metier? Bist Du in Deinem Thema ein Experte und Dein Ruf eilt Dir voraus?
  • Auch die Menge der Trainingstage spielt bei der Gestaltung des Tagessatzes eine Rolle

Als grober Richtwert kannst Du bei einem „Wirtschaftstraining“ mit einem Honorar von 850 - ca. 2000 Euro pro Trainingstag rechnen. Wenn wir eine Inhouse Coaching-Ausbildung durchführen, rechnen wir mit Tagessätzen ab 1800 Euro und einem durchführenden Trainer vor Ort. Dazu kommen die sogenannten „Spesen“ wie Bahnticket 2. Klasse und Hotelübernachtung, wenn der Einsatz mit Reisetätigkeit verbunden ist.

Auf in die Firmen?! 

Vielleicht denkst Du jetzt: Oh ja, ich will unbedingt als Trainer für Unternehmen arbeiten! Wirtschaftlich gesehen wäre dies sicherlich eine lukrative Angelegenheit. Nicht verschweigen sollte man allerdings, dass dies häufig mit einer hohen Anzahl von Reisetätigkeit bzw. Reisetagen verbunden sein kann. So könntest Du im Monat realistisch gesehen etwa 5- 10 Trainingstage mit Reisetätigkeit abdecken, je nachdem welches „Backoffice“ Du hast. Sprich: Hast Du ein oder mehrere Angestellte, die sich in Deiner Abwesenheit um Terminvereinbarung, Akquise, Bürotätigkeiten, Marketing, Steuer oder ähnliches kümmern.

Grundsätzlich ist es wesentlich einfacher, in den ersten beiden Bereichen in das Trainingsbusiness einzusteigen. Willst Du in den Unternehmensbereich vorstoßen, solltest Du Dich vor allem sehr gut vermarkten können, Ausdauer haben, über gute Netzwerke verfügen und aktives Beziehungsmanagement betreiben.

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Mittwoch, 30 Oktober 2013 05:01

Wer nichts ist, ist Journalist?

Wer nichts ist, ist Journalist?

 

Eine persönliche Antwort auf den Artikel „Wer nichts wird, wird Coach“ von Bärbel Schwertfeger in Spiegel-online 21.10.2013

Ist es wirklich so platt?? Da schreibt eine Journalistin über die Coaching-Szene als würden sich hier nur frustrierte, gescheiterte Existenzen tummeln um noch frustrierteren Existenzen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Ich muss gestehen, ich habe den Artikel mit einem breiten Grinsen gelesen. Ich fand es spontan so irrwitzig, dass hier eine Person über einen Berufsstand herzieht zu dessen Ausübung man offiziell keine Ausbildung benötigt, die aber selber einen Beruf ausübt für den genau das Gleiche gilt. Auch Journalisten benötigen keine Ausbildung. Auch bei ihnen ist das Berufsbild nicht klar definiert. Auch hier gibt es keinen offiziellen Standard. Und, wen stört`s? Mich nicht. Und ich glaube, viele andere auch nicht. Denn, gute Journalisten werden Aufträge bekommen, weniger gute nicht. Genauso verhält es sich bei Coaches. Wenn meine Klienten den Eindruck haben, dass ich ihnen nicht weiterhelfen kann, werden sie nicht mehr kommen. Ganz einfach. Das nennt man Angebot und Nachfrage. Ich halte meine Klienten für so mündig, dass sie selber entscheiden können, ob sie sich zielführend unterstützt fühlen oder nicht.

Worum geht es in dem Artikel also? Was soll die Botschaft sein? Geht es um mangelnde Qualifikation von Coaches, oder sorgt sie sich um deren Einkünfte, wo doch der Markt ihrer Meinung nach längst übersättigt ist?

  • Telefon: 030 - 71 53 82 83
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