Peter Reitz

Peter Reitz

Peter Reitz arbeitet seit fast zwanzig Jahren freiberuflich / selbstständig. Nach beruflicher Tätigkeit in der IT-Branche und einer künstlerischen Ausbildung, arbeitet er seit über zehn Jahren im Bereich Lehre, Kompetenzentwicklung & Coaching. Er ist systemisch ausgebildet und betreibt ein Weiterbildungsinstitut für Beratung & Therapie. Sein Motto: „Menschen in Entwicklungs- und Veränderungsprozessen zu begleiten ist immer spannend.

Die Kunst erfolgreichen und nachhaltigen Coachings ist es, den Klienten im Coachingprozess mit etwas Wichtigem, vielleicht im Moment Verschütteten bzw. nicht Greifbaren in Kontakt zu bringen, seinen Ressourcen! Da Coaching ein prozessorientiertes „Beratungsformat“ ist, können wir die Anliegen insofern begleiten, dass wir wichtige Ressourcen aktivieren, damit unsere Kunden bzw. Klienten im Moment anstehende Probleme, Entscheidungen etc. selbst lösen können oder in ihrer Zielerreichung weitere, selbstständige Schritte einleiten oder gehen können. Um in ein Bild einzutauchen: Als Coach bist Du ein Navigator, der bei trübem Wetter oder unklarer Sicht Hilfestellung bietet und zwar solange, bis sich der Nebel aufgelöst hat und die Sicht wieder klar(er) ist. Als geschulter Coach bist Du sicherlich „Ressourcenfachmann“. Was aber tun, wenn der Klient auf kein „Angebot“ in punkto Ressourcenaktivierung von Dir eingehen möchte? Im folgenden Artikel möchte ich Dir zeigen, welche „Fallstricke“ im Coaching lauern können und wie du diese umgehen kannst.

Aller Anfang ist Kontakt - Deine Hausaufgaben als Coach

Ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Baustein für Dich als Coach ist, eine vertrauensvolle Basis herzustellen. Diese braucht neben klientzentrierter Beratungshaltung ganz einfach Zeit und auch Geduld. Hier entscheidet sich oft, ob es dem Coach gelingt für „guten und belastbaren“ Kontakt zu sorgen. Belastbar in dem Sinne, dass auch schwere Themen von beiden Seiten ausgehalten werden können. Oftmals wird übersehen, dass Dein Werteverständnis auch Deine Arbeit als Coach mitbeeinflusst. Da wir immer auch „Teil des Coachingprozesses“ sind, kommt der Wirkung unserer Person ein nicht zu unterschätzender Anteil zu. Untrennbar hängen eigene Werte auch mit Glaubenssätzen zusammen. Ein solcher könnte lauten: Ich muss meinen Klienten möglichst schnell zur Zielerreichung hinführen, sonst ist er mit dem Coaching unzufrieden und ich hab womöglich einen schlechten Job gemacht. Aber ist Dir bzw. dem Klienten das Ziel auch wirklich „sonnenklar“?

Saubere Auftragsklärung verhindert „Schiffbruch“ im Coaching

Vielleicht hat Dein Klient verschiedene Anliegen, die in dem Moment wichtig sein können. Möglicherweise ist er auch in einem krisenhaften Erleben und steuert tatsächlich „auf Sicht“ und benötigt Dich als Leuchtturm. Der bildliche Vergleich passt gut zu der Aussage: Manchmal ist das Ziel noch nicht so klar erkennbar, weil der Nebel zu dicht ist. Bucht ein Klient Dich für eine Sitzung, ist oftmals noch gar nicht genau abzusehen, wohin die „Reise“ geht. So kann es unter Umständen eine ganze Sitzung dauern, bis der Klient sein Anliegen schlüssig formulieren kann. Hat der Klient sein Anliegen formuliert, hast Du auf jeden Fall schon eine wichtige „Pflicht“ erfüllt. Jetzt kommt aber die „Kür“, nämlich:

Welchen Auftrag formulierst Du nun für Dich daraus?

Ein Beispiel aus der Coachingpraxis:
Die 42-jährige Klientin kommt zu Dir ins Coaching, da sie mehr und mehr gefrustet ist von ihrer jetzigen Arbeit. Sie hat im Moment einen ziemlich hohen „Stresspegel“, wie sie wörtlich sagt. Mit einer Kollegin erlebt sie im Moment ziemliches „rumgezicke“, jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt und vergifte das Klima im Büro. Dazu kommt, dass sie im Moment in einem Projekt eingebunden ist, das sehr hohe Zeitressourcen von ihr beansprucht und sie dafür viele Überstunden macht. Das Projekt sei aber wichtig für ihre weitere Karriere in der Firma, so ihre Aussage. Die Klientin spricht im Coaching von vielen Anliegen. Auf Nachfrage von Dir, welches das wichtigste sei sagte sie dass sie lernen möchte, ihren Stresspegel zu senken. Sie würde eine Verbesserung daran merken, dass sie nicht auf jeden „Mist“ ihrer Kollegin einsteigen würde. Das wäre bereits eine große Entlastung.

Was hat die Auftragsklärung mit der besagten „Ressourcenseite“ im Coaching zu tun?

An der Stelle ist es nun wichtig, für Dich aus dem genannten Anliegen einen Auftrag zu generieren, der für Dich leistbar ist und welcher der Klientin hilft, ihr Anliegen zu bearbeiten. Folgenden Auftrag bietest Du an: Ich könnte Ihnen helfen, Ihr Kommunikationsverhalten zu reflektieren und zu schauen, welches Verhalten bzw. welche „Muster“ dazu führen, dass die Kommunikation mit Ihrer Kollegin eskaliert. Ich würde Ihnen zeigen, wie Sie diese „Muster“ unterbrechen könnten. Zurück zum Ausgangsthema: Ein ressourcenorientierter Auftrag impliziert bereits, dass die oben genannte Klientin etwas an ihrem Verhalten verändern möchte und darauf Einfluss nehmen kann. Hier kann bereits ein wichtiges „Priming“ entstehen. Damit gemeint ist eine Vorbereitung, um auf die „Ressourcenseite“ der Klientin umzuschwenken und natürlich auch um Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln.

Vom Problemraum zum Lösungsraum im Coaching - ein schmaler Grat?

Im systemischen Coaching nutzen wir eine schöne Metapher. Hier sprechen wir vom "Problemraum" und "Lösungsraum". In Ersterem exploriert der Klient seinen momentanen Ist-Zustand, spricht über das was ihn stört oder ihm einfach Probleme bereitet. Auf der Lösungsebene schauen wir, was der Klient möchte und wie er dies mit Hilfe seiner Ressourcen erreichen kann. Hierbei können wir zwischen internen und externen Ressourcen unterscheiden. Als interne Ressourcen bezeichen wir diejenigen, die der Klient selbst in sich trägt. Das kann eine Kompetenz sein, Wissen, Fähigkeiten, durchschrittene Krisen, Erfahrungen uvm. Externe Ressourcen sind solche, die der Klient von „Außen“ bekommt. So ist bereits das Inanspruchnehmen des Coachings eine externe Ressource. Gerne möchte man den Klienten möglichst schnell in den „Lösungsraum“ bringen, dass dieser umgehend sein Problem bzw. Anliegen lösen kann. Dieser Anspruch kann aber selbst „zum Problem“ werden, wenn der „Schwenk“ zu schnell erfolgt und das Problem oder der momentane Leidensdruck mit allem was für den Klienten in der Situation wichtig ist nicht oder zu wenig gesehen oder gewürdigt wird. Es wäre nicht das erste Coaching, welches „misslingt“, da der Coach zu schnell auf die Lösungsebene wechseln möchte und der Klient einfach (noch) nicht bereit dazu ist.

Immer diese „Klienten“…

Solltest Du den Eindruck haben, dass der Klient sich im Problemraum ganz wohl fühlt und eher „noch nicht“ in den Lösungsraum wechseln möchte, könntest Du auch eine ganz neue Perspektive entwerfen. Vielleicht hat das Problem auch im Moment viele gute Seiten, die man mit einer „Lösung“ möglicherweise aufgeben müsste. Manchmal sind diese Dinge auch unbewusst oder gar nicht präsent. Solltest Du diesen Eindruck haben, könnte ein echter „Rettungsanker“ für Coach und Klient diese Frage sein:

Was wären gute Gründe, dass das Problem im Moment „noch nicht“ gelöst ist?

Im besten Falle löst Du damit Suchprozesse aus und Dein Klient kann schonmal den „großen Zeh“ in das „neue Fahrwasser“ halten. Vielleicht merkt er aber auch, dass ihm das Wasser noch etwas kalt ist. Möglicherweise braucht er aber noch eine „Schwimmweste“ (z.B. in Form von Hilfen von Dir), damit er sich in das Unbekannte wagen kann. Es könnte aber auch sein, dass er einen „Kopfsprung“ macht und sich überraschen lässt von dem, was da kommt. Menschen haben immer gute Gründe, sich genauso zu verhalten wie sie es tun. Wir Coaches können und dürfen neugierig sein. Vielleicht ist das angesprochene Problem des Coaches auch eine Lösung? Ja, für was eigentlich? ;-) Somit hast du gleich mindestens zwei Anker zur Verfügung: Ressourcenorientierte Auftragsklärung und die „noch-nicht“ Frage.

Du willst keinen Artikel mehr verpassen?
Dein Vorname*:
Dein Nachname*:
Deine E-Mail Adresse*:

Gibt es überhaupt so etwas wie Burn-Out? Ist es eine der vielen Modediagnosen, welche vielleicht auf die Pharmaindustrie zurückgeht? Ist es vielleicht sogar „schick“, ein Burnout zu „haben“?

Viele Fragen, mit denen ich als Coach häufig von Klienten konfrontiert werde. In meiner Praxis spielt tatsächlich das Thema Burnout aus Klientensicht immer wieder eine Rolle im Karrierecoaching. In diesem Artikel interessiert mich aber vielmehr die Gegenseite, nämlich: Wie schütze ich mich als Coach vor Überlastung oder woran merke ich, dass ich kürzer treten oder mehr auf mich achten sollte?

Arbeitest Du als Selbstständiger auch im Coaching, hast Du es in der Hand, in welchem Thema Du Deine Expertise aufbaust und mit wem Du arbeitest. Vielleicht bist Du als gefragter Businesscoach für Unternehmen tätig, hast Dir einen Namen gemacht und wirst mittlerweile von vielen empfohlen!? Dann brauchst Du Dich wahrscheinlich gar nicht mehr darum kümmern, bekannt zu werden. Oder Du hast im Bereich Personalcoaching ein Thema, das sehr gefragt ist und Du wirst von Klient zu Klient „herumgereicht“, da Dein Ruf Dir vorauseilt!? Vielleicht bist Du aber auch Newcomer und musst Dein Geschäftsfeld und Deine Expertise noch etablieren, was Dich sehr viel Mühe und Fleiß kostet…

Egal zu welcher beschriebenen Gruppe Du gehörst: Die Arbeit als Selbstständiger erfordert ein sehr hohes Maß an Einsatz, Fleiß, Ausdauer, Kreativität uvm. Klar ist: Das alles muss geleistet werden und die meisten Coaches sind „Solo-Selbstständige“. Damit meine ich: Viele oder gar alle Entscheidungen werden (müssen) selbst getroffen werden. Die Lorbeeren aber auch das Risiko werden oft alleine getragen. Gerade am Anfang ist es auch so, dass der selbstständige Coach nebenbei noch „Steuerberater“, „Journalist“ und „Werbefachmann“ ist, also ein Allrounder, der die Geschicke seines „Unternehmens“ selbst lenkt bzw. lenken muss.

Es macht ja auch Spaß, die Arbeit als Coach

Du kannst anderen Menschen helfen, ihre Probleme besser zu lösen. Vielleicht bist Du auch als Impulsgeber bei wichtigen Unternehmensentscheidungen tätig und hilfst dem Management, eingetretene „Denkpfade“ zu verlassen. Als erfolgreicher Coach bist Du gefragt und kannst manches Mal live erleben, wie Deine Arbeit sich nutzbringend für Klienten einsetzen lässt. Vielleicht brennst Du sogar für Deine Arbeit und gehst immer höher, schneller, weiter. Auch Erfolg kann süchtig machen. So sprach ich kürzlich mit einem Kollegen, der in einem Jahr über 120 Coaching- und Trainingstage absolviert hat. Das finde ich sehr viel. Dieser Erfolg hatte allerdings seinen Preis: Er hat seine Kinder nur sehr selten gesehen. Auf Nachfrage ob er denn noch verheiratet sei entgegnete er, dass seine damalige Ehefrau das auf Dauer nicht mitgemacht hat und sich von ihm habe scheiden lassen. Beruflicher Erfolg hat demnach auch eine „Kehrseite“, der gründlich abgewogen werden will.

Erst kommt der Sinn, dann der Unsinn

Ich möchte Dich sensibilisieren, trotz allem Spaß an der Arbeit nie wichtige Säulen, die als Gegenpol Sinn stiften können, zu vernachlässigen. Insbesondere in einem stressigen Berufsalltag als Selbstständiger fehlt oft die Zeit, sich um Dinge wie Freunde, Freizeitaktivitäten oder die eigene Familie zu kümmern. Ich selbst habe zumindest noch keine Ehe oder Familie kennengelernt, die wegen „zu viel Zeit“ auseinandergegangen ist. Sinnvoll ist es, sich in der Freizeit zum Beispiel mit Dingen zu beschäftigen, die überhaupt nichts mit Deiner Arbeit als Coach zu tun haben. Vielleicht spielst du gerne Tennis oder macht einen anderen Sport. Oder du fotografierst gerne oder besuchst Kino oder Konzerte. Diese Dinge laden Deinen Akku wieder auf, damit Du für Deine Klienten auch etwas Gutes geben kannst. Unsinn ist die Annahme, dass ein immer größeres Arbeitspensum Dich immer besser werden lässt. Oftmals sind es „kleine Krisen“ und deren Vorboten, die nicht gehört werden, die Menschen in ein Burnout bringen können. Wichtig ist es dann, gute und sinnvolle bzw. sinnstiftende Aktivitäten zu haben die helfen, in anderen Bereichen außerhalb der Arbeit wichtige „Anker“ zu besitzen.

Burnout wo - wie - was? Also ich hab noch keinen gesehen…

Ein gutes Frühwarnsystem soll Dir helfen, ein „Ausbrennen“ zu verhindern. Wichtige Anzeichen sind:

  • Lustlosigkeit - Dinge die Dir sonst immer Freude oder Spaß gemacht haben, zum Beispiel Deine Arbeit, fallen Dir schwer und Du kannst diese nur wie gegen einen Widerstand erledigen
  • Versagensangst - Du hast das Gefühl, Deinen Aufgaben beruflich wie auch privat nicht mehr gerecht werden zu können
  • Müdigkeit - Du fühlst Dich permanent wie „gerädert“, bist müde, kraftlos und erschöpft. Selbst wenn Du Dir entsprechende Ruhepausen gönnst hast Du das Gefühl, dass Dein Akku nicht aufgeladen ist.
  • Sinnlosigkeit - Diese kann nicht nur Deine Arbeit betreffen sondern zieht sich auch durch private Aktivitäten. Oftmals kommt dazu noch der Antriebsmangel.

Kennst Du eines oder mehrere dieser Anzeichen von Dir selbst? Dann macht es Sinn, Deine Strukturen oder Abläufe einer Überprüfung zu unterziehen.

Leichtigkeit als Coach - Struktur und kritischer Prüfstand

Wo kannst Du Abläufe und Strukturen vereinfachen? Welche Arbeit bzw. Aufträge sind stressig, bringen aber im Grunde wenig? Welche materiellen Dinge brauchst Du wirklich zum Leben und was ist im Grunde materieller Ballast, der sich im Laufe der Zeit angehäuft hat? Wie kannst Du kritisch zu Dir selbst sein und Dich fragen, was Du überhaupt zum Leben brauchst und was vielleicht nur Deine Angst ist, es könnte auch mal nicht so gut laufen?

Gleich ob es nun „Burnout“ tatsächlich gibt: Die oben aufgezeigten Kriterien solltest Du auch immer mal für Dich selbst heranziehen. Ich wollte Dich mit diesem Artikel aufmerksam machen und Dir helfen, einmal auf Dich selbst zu schauen. Unser Arbeitsalltag als Coach besteht oft darin, sich um andere zu „kümmern“ und ihnen zu helfen, deren Probleme zu lösen. Immer sollten wir aber auch nach unserem eigenen „energetischen Haushalt“ schauen. Denn nur dann können wir die beste Arbeit für unsere Coaching-Klienten leisten.

Du willst keinen Artikel mehr verpassen?
Dein Vorname*:
Dein Nachname*:
Deine E-Mail Adresse*:

5 Anfängerfehler als Coach, in die Du bitte nicht tappst.

Als Coaching-Neuling bist Du bestimmt top motiviert, Klienten bei der Hilfe von Problemen oder Belastungen zu unterstützen. Trotz einer soliden Ausbildung können in der Praxis Risiken und Fehler auftreten, vor denen niemand gefeit ist. In dem Artikel möchte ich Dir typische Anfängerfehler aufzeigen und gleich einen möglichen Lösungsansatz mitlie-fern.

Anfängerfehler 1 im Coaching:

Der Klient hat falsche oder zu hohe Erwartungen an das Coaching mit Dir.

Lösung:

Dieser Punkt kann insbesondere am Beginn Deiner Tätigkeit herausfordernd sein. Vielleicht bist Du unsicher, was Du als Coach leisten kannst oder „musst“. In einer guten Coaching-Ausbildung solltest Du allerdings gelernt haben, dass eine saubere Auftragsklärung bereits der halbe Coaching-Prozess ist. Du solltest also im Erstgespräch (z. B. am Telefon) schon realistisch die Möglichkeiten benennen, die ausgehend vom Anliegen des Klienten im Coaching leistbar und realistisch sind. Hierbei solltest Du auch darauf achten, dass kleine Ziele die Wahrscheinlichkeit der Erreichung wesentlich steigern, und damit auch die Selbstkompetenz des Klienten stärken. Wichtig ist, Deine Rolle als „Prozesshelfer“ zu definieren und auch zu kommunizieren. Hier ist auch Vorsicht geboten, denn der Coach könnte durch unrealistische Erwartungen des Klienten wie „Ich weiß, Sie als Coach können mir da auf jeden Fall weiterhelfen“, sich auf ein Podest gestellt sehen. Solche Glorifizierungen sollte der Coach immer selbstkritisch sehen.

Anfängerfehler 2 im Coaching:

Der Coach wird zum Allheilmittel in allen Lebenslagen

Lösung:

Das kann verführerisch sein; ist auch der Coach „wirtschaftlichen Zwängen“ ausgesetzt und freut sich über eine gebuchte Beratungsstunde. Um eine Unabhängigkeit vom „reinen Coaching“ zu gewährleisten, halten wir grundsätzliche eine „Mischkalulation“, wie sie in der Praxis oft vorkommt für sinnvoll. Viele Coaches arbeiten demnach auch im Trainingsbereich und umgekehrt. Weiterhin halten wir eine Haltung gegenüber dem Coach im Sinne von „Was kann ich tun, damit Sie mich so schnell als möglich nicht mehr brauchen“, für sinnvoll und ethisch verantwortbar. Im Kern ist Coaching eine Hilfe zur Selbsthilfe und Dein Klient sollte wichtige Kompetenzen auch in andere Lebensbereiche transferieren können.

Anfängerfehler 3 im Coaching:

Der Coach nutzt die Arbeit mit Klienten, um eigene unerfüllte Wünsche zu befriedigen

Lösung:

Wie in anderen helfenden Berufen steht hinter jedem Coach auch ein Mensch mit wichtigen Bedürfnissen und Wünschen. Fahrlässig handelt der Coach, wenn er die Coaching-Arbeit zur Kompensation eigener unerfüllter Wünsche nutzt oder sich an den Problemen oder gar dem Leid von belasteten Menschen „ergötzt“. Entsprechende Selbsterfahrung und auch die Kenntnis eigener „Strickmuster“ sollte in einer Coaching-Ausbildung und auch danach selbstverständlich sein. Strenggenommen ist das ein nie endender Prozess, da das reale Leben auch Entwicklungskrisen und Lebensübergänge für den Coach bereithält.

Anfängerfehler 4 im Coaching:

Der Coach gibt seine Neutralität auf

Lösung:

Das kann insbesondere dann passieren, wenn eine prozessorientierte Beratungshaltung nicht oder ungenügend ausgebildet ist. Nur zu gerne laden Klienten, oft implizit, den Coach ein, seine persönliche Meinung und seinen geschätzten Rat kundzutun. Hier sollte der Coach seine eigenen Kommunikationsmuster und auch sein eigenes Wertesystem gut kennen und auch immer wieder hinterfragen.

Anfängerfehler 5 im Coaching:

Der Coach wird Opfer von „Therapeutenfutter“

Lösung:

Insbesondere in der Kindheit werden häufig die „größten Probleme des Menschen“ vermutet. Allzu leicht kann die Versuchung bestehen, bei den „Kindheitsthemen“ die der Klient anspricht in die Tiefe zu gehen. Klar ist: Jeder Mensch hat (auch der Coach!) Themen aus der Kindheit die ihn auf irgendeine Weise, in positiver oder negativer, geprägt und beeinflusst haben. Falls diese Themen relevant sind für das Coaching-Anliegen kann ein Vertiefen durchaus Sinn machen. Falsch wäre, wenn der Coach hierauf „einsteigt“ und nicht das Ziel bzw. den Auftrag des Klienten im Coaching im Blick hat.

In diesem Artikel wollte ich Dir zeigen, welche „Tücken“ oftmals ganz einfach geglaubte Situationen im Coaching haben können. Unabdingbar für Deine professionelle Arbeit als Coach sind Deine Haltung gegenüber dem Klienten, Selbsterfahrung und auch die Kenntnis über das „Strickmuster“ der eigenen Person. In diesem Sinne, wünsche ich Dir viele gute Erfahrungen und den Wunsch, Dich in Deinen Fähigkeiten immer weiter zu qualifizieren und weiter lernen zu wollen.

Du willst keinen Artikel mehr verpassen?
Dein Vorname*:
Dein Nachname*:
Deine E-Mail Adresse*:

Coaching oder PsychotherapieGroße Verunsicherung von Seiten des Coaches kann entstehen, wenn Klienten im Coaching von zurückliegender, psychischer Erkrankung sprechen. Ist die psychische Erkrankung vielleicht wiedergekommen? Kann ich hier trotzdem ein kompetenter Coach sein? Was ist, wenn das aktuelle Coaching-Anliegen auch eine psychische Erkrankung ist oder damit irgendwie im Zusammenhang steht? In diesem Artikel möchte ich Dir helfen, klarere Grenzen für den Umgang mit den genannten Fragestellungen zu ziehen.

Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Psychotherapie?

Wo hört Coaching auf, wo fängt Therapie bzw. Psychotherapie an? Wie kann ich als Coach Sicherheit bekommen? Diese Fragen wurden auch in unserer Coaching-Ausbildung schon mehrfach gestellt. Als Hilfe soll diese Unterscheidung dienen: Coaching ist die Arbeit mit prinzipiell psychisch gesunden Menschen, die aktuell in einer Konflikt- oder Krisensituation (z.B. vor wichtigen Entscheidungen) Orientierung suchen. Von psychischer Erkrankung sprechen wir, wenn Leiden mit Krankheitswert zu verzeichnen sind. Krankheitswert definiert sich nach gültigem Standard nach der ICD-10, der sogenannten internationalen Klassifikation der (psychischen) Störungen. Als „medizinischer“ Laie ist es aber unmöglich, nun diesen ganzen „Störungskatalog“ im Hinterkopf zu haben.

Beispiele für psychische Störungen im Coaching

Hinweise auf psychische Störungen können nur zu einem sehr kleinen Teil an der äußeren Erscheinung festgemacht werden. Vor allem im Gespräch sollten bestimmte Hinweise auf psychische Erkrankungen erkannt werden können.

Hilfreiche Hinweise können sein:

  • Berichtet der Klient, dass ihm alles sehr schwer falle und ihm Dinge die er gerne getan hat nun keine Freude mehr machen?
  • Klagt er über schlechten Schlaf oder mangelnden Appetit?
  • Äußert er, dass er seit einigen Wochen unter „gedrückter Stimmung“ leide?
  • Spricht er möglicherweise Sätze wie „Alles macht keinen Sinn“, „ohne mich ginge es allen besser“ oder „ich bin anderen nur eine Last“?

Diese Hinweise könnten auf eine depressive Verstimmung oder depressive Episode hinweisen. Im letzten Punkt könnte auch eine suizidale Einengung vorliegen. Das heißt: Der Klient deutet Suizidgedanken an. Solche Hinweise sollten sehr ernst genommen werden und der Klient sollte motiviert werden, sich in diesem Falle einer ärztlichen Abklärung zu unterziehen. Depressive Störungen können bzw. könnten vielerlei Ursachen haben. Es gab auch schon Fälle, in denen Klienten von Ereignissen (z.B. Tod eines Angehörigen, Arbeitslosigkeit oder ähnliches) berichten, die erst wenige Wochen her sind. Manchmal können solche Situationen bzw. Ereignisse Auslöser für Krisen sein und eine sogenannte „reaktive psychische Störung“ kann vorliegen. Hiermit gemeint ist eine Reaktion aufgrund eines „Verlustes“ oder eines „außergewöhnlichen“ Ereignisses.

Ein anderer Fall: Die Klientin berichtet außergewöhnlich viel von Ängsten, die mehrere Lebensbereiche betreffen. Sie hat Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Außerdem bereitet ihr Sorge, ihr Mann oder ihre Kinder könnten ernsthaft erkranken. Dazu kommt, dass sie selbst das Gefühl hat, immer unsicherer zu werden und dass dies auch ihre Lebensfreude und ihr Lebensgefühl sehr beeinträchtige. Diese Anzeichen können einen Hinweis geben auf eine „generalisierte Angststörung“, die in fachkundige Abklärung und Behandlung gehört.

Kann ein Coach auch bei psychischen Störungen helfen?

Ein klares JA! Allerdings sollte die psychische Störung durch entsprechende, kompetente Hilfe (zum Beispiel mit Psychotherapie) durch eine Fachperson behandelt werden. Die Aufgabe eines Coaches beim Verdacht auf eine psychische Störung könnte darin liegen, den Klienten zu motivieren sich entsprechende ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Idealerweise kann der Coach hierbei behilflich sein, in dem er in seinem Netzwerk entsprechende Fachleute empfehlen kann. Coaching kann auch parallel zu einer Behandlung durch einen Therapeuten sehr gute Dienste leisten. So ist es in meiner Coachingpraxis schon vorgekommen, dass es neben der therapeutischen Begleitung auch ein Coaching-Anliegen gab. Aber: Therapie ist kein Coaching und ein Therapeut auch kein Coach, das muss klar gesagt werden. Das gleiche gilt übrigens auch umgekehrt: Ein Coach ist per Definition kein Therapeut. So ist es bereits mehrfach vorgekommen, dass Klienten für die biografische Aufarbeitung von Vergangenem therapeutische Hilfe in Anspruch nahmen und zusätzlich bei mir ein Coaching buchten für aktuelle berufliche Weichenstellung. Wichtig ist, und das soll noch einmal deutlich werden, dass mögliche therapeutische Anliegen von Fachpersonal behandelt werden müssen.

Sicherheit im Grenzbereich: Zulassung als Heilpraktiker (Psychotherapie) für den Coach

Vielleicht hast Du beim Lesen des Artikels oder bereits in Deiner Praxis bemerkt, dass die Abgrenzung zwischen der Tätigkeit eines Coaches und der eines Therapeuten fließend sein kann. Insbesondere in Krisensituationen sind bestimmte Reaktionen einer normalen Konfliktverarbeitung zuzuschreiben, die man anderorts auch als „pathologisch diagnostizierbar“ beschreiben könnte. Um im Grenzbereich von Coaching und Therapie sicher bewerten und entscheiden zu können, halten wir die Zulassung als Heilpraktiker (Psychotherapie) für hilfreich und sinnvoll. Du erhältst dadurch profundes Wissen welches Dir hilft, bessere Abgrenzungen zu ziehen und ganz einfach professioneller zu handeln. Darüber hinaus erhältst Du Rechtssicherheit, um auch in Grenzbereichen arbeiten zu können. Außerdem kannst Du die Formate Psychotherapie und Coaching noch besser einordnen und bei entsprechendem fachlichem Background, wäre somit auch die Durchführbarkeit einer psychotherapeutischen Behandlung durch Dich möglich.

Du willst keinen Artikel mehr verpassen?
Dein Vorname*:
Dein Nachname*:
Deine E-Mail Adresse*:
Seite 1 von 21
  • Telefon: 030 - 71 53 82 83
  • Telefon: 06051 - 47 01 20