Peter Reitz

Peter Reitz

Peter Reitz arbeitet seit fast zwanzig Jahren freiberuflich / selbstständig. Nach beruflicher Tätigkeit in der IT-Branche und einer künstlerischen Ausbildung, arbeitet er seit über zehn Jahren im Bereich Lehre, Kompetenzentwicklung & Coaching. Er ist systemisch ausgebildet und betreibt ein Weiterbildungsinstitut für Beratung & Therapie. Sein Motto: „Menschen in Entwicklungs- und Veränderungsprozessen zu begleiten ist immer spannend.

„Jetzt hat der Klient ja schon seine Lösung erkannt, aber er hat davon noch immer nichts umgesetzt...... Nach fünf Sitzungen sollte der Groschen ja langsam gefallen sein, aber ich höre immer noch die gleiche Leier.... Kriegt der Klient nicht bald mal den Hintern hoch, es ist doch jetzt eigentlich alles klar, oder?

Kennst Du solche und ähnliche inneren Dialoge wie oben genannt auch von Dir? Oder vielleicht beobachtest Du manchmal, dass ein Klient, der die Lösung scheinbar in der Tasche hat nun doch ganz eigene Wege geht. In unserer Coaching-Ausbildung hören wir auch immer wieder die Frage: „Mein Klient möchte sich gar nicht verändern, was kann ich jetzt tun?" In diesem Artikel zeige ich Dir, wie Du mit Menschen umgehen kannst die ins Coaching kommen, scheinbar aber nichts verändern wollen. Und was das Ganze mit Dir selbst zu tun hat.

Der Klient - ein Buch mit sieben Siegeln

Wer schon mal Seminare von mir besucht hat, kennt bereits diesen Ausspruch: „Coaching ist eine super Sache, wenn da nur diese Klienten nicht wären." Damit meine ich, dass Menschen, die eine Beratung oder ein Coaching aufsuchen, manchmal ganz eigene Wege gehen, die wir scheinbar nicht verstehen. Schließlich haben wir mit dem Klienten zusammen viel gearbeitet, uns Mühe gegeben und nun ist das Ergebnis scheinbar „kaputt" oder „nichts wert". Wenn es Dir auch schon mal so ergangen ist, dann lies weiter.

Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass


Dieser Ausspruch kann manchmal passen, wenn im Coaching Perspektiven oder Lösungen generiert wurden, die dem Klienten vielleicht „unangenehm" sind. Eigentlich möchte er eine Änderung herbeiführen, daher besucht er auch einen Coach. Aber irgendwie will er doch noch nicht „so weit" gehen. Das kann eine Entscheidung sein, die schon längere Zeit „vermieden" wurde und jetzt offensichtlich auf der Hand liegt, die Zeit aber vielleicht noch nicht reif ist um jetzt wirklich zu handeln. Es kann aber auch sein, dass der subjektiv empfundene Leidensdruck noch nicht hoch genug ist und es zumindest im Moment leichter erscheint, alles „beim Alten" zu lassen. Möglicherweise ist aber auch die Angst vor möglichen Folgen einer Entscheidung so groß, so dass die Sicherheit bevorzugt wird. Auch wenn die Sicherheit bedeutet „zu leiden", immerhin ist das eine Sicherheit gegenüber der Unsicherheit und den Folgen einer Verhaltensänderung oder Entscheidung. Es kann auch gut sein, dass der Klient ganz kleine Schritte geht, die vielleicht noch gar nicht so recht wahrnehmbar sind, und die wir vielleicht übersehen? Vielleicht ahnst Du schon, worauf ich hinaus möchte: Bei (scheinbarer) Veränderungsresistenz lauern auf Dich als Coach „böse Fallen". Doch dazu mehr im nächsten Absatz.

Wozu brauchst Du Deine Klienten?

Nun haben wir schon einige Punkte erwähnt, die für eine mögliche (oder scheinbare) Veränderungsresistenz sprechen könnten. Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang, die Du Dir selbst immer wieder einmal stellen solltest, insbesondere am Anfang Deiner Coaching-Tätigkeit, ist: „Was macht es mit Dir, wenn ein Klient die im Coaching gefundenen Lösungen nicht umsetzen möchte?" Könntest Du den Klienten dann immer noch vorbehaltlos annehmen, auch wenn er sich gegen die von Euch erarbeitete Lösung entscheidet? Wie reagierst Du typischerweise und was macht das mit Dir?

Und Du als Coach? Welcher „Reaktionstypus" bist Du, kennst Du Dich selbst auch?

Für Dich als Coach gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, mit dem Verhalten Deines Klienten umzugehen. Einige „Klassiker" wollen wir Dir hier vorstellen:

Typus: Narzisstische Selbstbestätigung
„Ich fühle mich gekränkt!" - Schließlich habe ich Zeit und Mühe investiert und jetzt ist offenbar unsere Arbeit nichts wert. Der Klient hat es offenbar nicht mal nötig, sein eigenes Ziel umzusetzen.

Typus: Abwertung

Der Klient hat überhaupt keinen Mumm! Hätte er diesen, dann würde er seine Ziele konsequent und erfolgreich angehen. So wird das nie was werden! Offenbar weiß er nicht wohin mit seinem Geld, sonst würde er es für Dinge ausgeben, die ihm wirklich etwas bringen.

Typus: Bagatellisierung

Ist mir doch egal, Hauptsache der Klient hat bezahlt. Wenn er die Sachen nicht umsetzen möchte - ist doch seine Sache, sein Problem, sein Ding.

Typus: Helfer

Oh nein! Wahrscheinlich war unser Coaching nicht gut und ich nicht gut genug. Ich muss doch noch die und die Weiterbildung besuchen, damit ich wirklich immer und überall perfekt bin. Offensichtlich war ich es noch nicht...

Typus: Selbsterhöhung
In Wirklichkeit schaue ich auf meine Klienten herab. Sie kriegen´s halt nicht hin. Daher brauchen sie mich denn sie wissen (so wie ich auch): Der weiß wie´s läuft.

Typus: Ablenker
Eigentlich bräuchte ich selbst mal ganz dringend ein Coaching, vielleicht sogar eine Therapie. Viel leichter ist es aber, das Problem beim Andern zu diagnostizieren und zu lösen. Wenn ich mich dann mit meinen Klienten beschäftigen kann (und deren Problemen), brauche ich mich nicht mit mir selbst zu beschäftigen.

Hast Du Dich vielleicht wiedererkannt? Die gute Nachricht: Diese Reaktionen auf scheinbare „Veränderungsunwilligkeit" wären absolut menschlich. Die schlechte Nachricht: Als Coach solltest Du Deinen „Anteil" im Coaching, also Deine (unbewussten) Strickmuster kennen und beherrschen können. Es kannt sonst sehr leicht passieren, dass Du diese Anteile unreflektiert in den Prozess miteinbringst oder Deinem Klienten gar „überstülpst". Wir halten es für unerlässlich, durch entsprechende Selbsterfahrung sich auch mit diesen Fragen zu konfrontieren.

Eines möchte ich Dir noch mitgeben: Der Klient hat immer gute Gründe, Dinge genau jetzt so zu tun. Auch wenn wir diese im Moment vielleicht nicht kennen oder nicht sehen (wollen). Und wir sind gut beraten, uns dem „System" des Klienten mit Respekt und Wertschätzung zu nähern. Wenn wir das verstehen und umsetzen, bereiten wir übrigens den Nährboden für etwas ganz Wichtiges im Coaching: Beziehung für erfolgreiche Veränderungsarbeit.

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Insbesondere von jungen Coaches, die neu in Ihr Business starten, hören wir im Gespräch oft die spannendsten Thesen und Argumente, was die Notwendigkeit des eigenen Marketings betrifft. Dabei gibt es dazu auch schon einige, gute Literatur. Trotzdem halten sich immer noch viele „Mythen und Mären". In diesem Artikel möchte ich, auch im Rückblick auf das vergangene Jahr, mit verbreiteten Märchen aufräumen. Gerade als Gründer hast Du weder die Zeit noch die Muße, alle „Fehler" selbst zu machen. Du brauchst also handfeste Tipps und sofort Umsetzbares, um weder Zeit noch Geld zu verlieren. Und genau darum geht es in diesem Artikel: Die Top5 der häufigsten Denkfehler im Coach-Marketing und wie Du diese „umschiffen" kannst. Vielleicht noch als Erklärung: Unter Marketing verstehen wir alle Maßnahmen, die Dir helfen Dein Produkt (auch eine Dienstleistung ist ein „Produkt"!), Dein Unternehmen und Deinen Umsatz und Gewinn nach vorne zu bringen.

Die Top 5

1. Marketing mache ich nur wenn ich Kunden brauche

Hier lauert eine ganze „fiese" Denkfalle. Im Marketing unterscheiden wir nämlich zwischen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Maßnahmen. Solltest Du also Kunden brauchen, ist es auch für die kurzfristigen Maßnahmen (z.B. eine Werbeanzeige) in aller Regel schon zu spät da auch diese Zeit braucht um wirksam zu werden. Gutes Marketing verfolgt immer langfristige, mittelfristige und kurzfristige Strategien, und zwar immer!

Tipp 1: Auch wenn Du bereits Kunden hast und Empfehlungen bekommst, solltest Du es nie vernachlässigen! Damit Du den Überblick behältst macht ein Plan Sinn. Hier kannst Du, insbesondere am Jahresbeginn die verschiedenen Maßnahmen eintragen und auch fest in Deinen Wochenplan als praktische Tätigkeit verankern bzw. übertragen. So denkst Du nicht nur über Marketing nach, sondern es wird zu einer fest verankerten Handlung. Vielleicht noch als Beispiel: Eine langfristige Marketing-Maßnahme könnte der Aufbau eines Netzwerkes sein. Dies braucht viel Zeit, beständigen Einsatz und muss in der Regel wachsen können, bevor Du hiervon profitieren kannst. Eine mittelfristige Maßnahme könnte die Entwicklung eines „Produktes" sein. Als Coach zum Beispiel die Etablierung und Gestaltung eines jährlich stattfindenden „Coaching-Day" in Deiner Stadt oder Gemeinde. Kurzfristiges Marketing wäre beispielsweise die Schaltung einer Anzeige in der Zeitung, um auf Deine Dienstleistung aufmerksam zu machen.

2. Ich bin ein Coach-Alleskönner, eine Spezialisierung schadet mir nur

Das mag aus Coach-Sicht vielleicht zutreffen, aus Kundensicht aber nicht. Willst Du Dir als Coach einen Namen machen, solltest Du Dich für eine Zielgruppe bzw. einen Themenkomplex entscheiden, in dem Du im besten Fall Feldkompetenz hast. Das bedeutet, dass Du auch zielgruppenspezifisches Wissen und Können hast. Solltest Du zum Beispiel Frauen bei der beruflichen Neuorientierung nach der Familienphase unterstützen wollen, wirkt es „seltsam", wenn Du dies als 25-jähriger Mann anbietest. Verstehst Du was ich meine? Hier fehlt einfach die Feldkompetenz (Mutter sein) und Erfahrung aus diesem Lebensabschnitt. Also: Positioniere Dich!

Tipp 2
: Wenn Dein Angebot als Coach zu Dir und Deinem Werdegang passt, hast Du einen weiteren Puzzlestein auf dem Weg zu Deinem authentischen Marketing und wirst von Deiner gewünschten Zielgruppe als glaubhaft und professionell wahrgenommen

3. Das Universum wird mir schon genug Kunden schicken, schließlich habe ich diese bestellt

Ein ganz „hartnäckiger" Fall von „ich gebe die Verantwortung aus der Hand". Falls Du bereits Bücher von Bärbel Mohr, Pierre Franckh, Kurt Tepperwein oder anderen gelesen hast, trete ich dir damit jetzt vielleicht auf den Fuß...ich mache es aber trotzdem. Ich halte die „Wunschmetaphern" für sehr positiv und hilfreich. Allerdings solltest Du dem „Universum" etwas nachhelfen, Deine Wünsche erfüllen zu können. Dazu eine kleine Geschichte: Ein Mann träumte von einem Lottogewinn. Immer rief er das Universum an und bestellte „Lieber Gott, lass mich endlich im Lotto gewinnen". So vergingen viele Jahre. Als der Mann wieder einmal Gott anrief mit seinem Mantra des Lottogewinns, hatte dieser die Faxen dicke und erwiderte: „Nun gib mir doch endlich die Gelegenheit und kauf Dir ein Los!".


Tipp 3: Positive Vorstellungen und erfüllende Bilder können sehr hilfreich sein, Du solltest allerdings Deinen Teil dazu beitragen dass Sie Wirklichkeit werden können!


4. Ich mag Leute nicht, die sich in den Vordergrund stellen und sich „anpreisen" - andere werden schon sehen und feststellen, dass ich gut bin

Dieser Glaubenssatz hält sich oft hartnäckig in den Köpfen. Sicher ist nicht jeder die „Rampensau" und genauso sicher ist, dass es in jeder Branche auch „Blender" gibt, die mehr Schein als Sein sind. Trotzdem solltest Du lernen, Dich zu präsentieren um bei den richtigen Gelegenheiten in Erscheinung zu treten. Ein knackiger Elvator-Pitch wäre schon einmal ein klasse Anfang! Die schlechte Nachricht dazu: Wenn Du es nicht gewohnt bist, kann es Dich anfangs Überwindung kosten. Hier kann auch ein Coaching oder Feedback von anderen sehr viel helfen! Und die gute Nachricht ergibt sich aus dem vorher Gesagten: Du kannst lernen, für Dich authentisches Marketing und Werbung zu betreiben, ohne Dich dabei zu verbiegen. Genau das würde ich Dir sowieso nicht empfehlen. Aus meiner langjährigen Coaching-Tätigkeit kann ich sagen: Je mehr ich bei mir bin, je authentischer ich agieren kann, desto besser ist die Qualität meiner Arbeit!


Tipp 4: Finde Deinen Weg, Dich und Deine Dienstleistung „in Szene" zu setzen. Wenn Du unsicher bist, lass dich coachen (geht auch von einem Kollegen) und lerne, Dich mit dem was Du machst wohlzufühlen.


5. Ich habe kein Geld für Marketing bzw. kann alles selbst machen

Sollte das Deine Ansicht sein, dann stelle diese ganz schnell auf den Prüfstand. Kein Geld für Marketing gibt es nicht! Solltest Du mit einem Business-Plan in Deine Selbstständigkeit gestartet sein, hast Du hoffentlich für Marketing-Maßnahmen ein Budget eingeplant. Falls nicht, solltest Du das auf jeden Fall noch tun. Sollte Dein zur Verfügung stehendes Geld für Marketing knapp sein, müssen Deine Maßnahmen sehr genau überlegt sein. Als Selbstständiger in der Gründungsphase bist Du Dir bewusst: Ich kann mein zur Verfügung stehendes Geld nur einmal ausgeben! Sparen solltest Du zum Beispiel nicht an einer professionellen Webseite oder einem professionellen Flyer. Das erlebe ich leider immer wieder. Diese Sachen müssen nicht zwangsläufig teuer sein, doch solltest Du jemand damit beauftragen, der sein Handwerk versteht. Solltest Du in diesen Dingen wirklich fit sein, kannst Du natürlich auch selbst Hand anlegen oder der den Grafiker/Webdesigner in seiner Arbeit unterstützen. Das spart auch Kosten! Vielleicht kennst Du auch jemanden aus deinem Freundes- und Bekanntenkreis, der Dir damit hilft. Anfänger sparen hier manchmal am falschen Ende. Am Beispiel Deiner Online-Visitenkarte (Internetseite): Insbesondere die oft fehlende Seitenoptimierung für Suchmaschinen (SEO) wie „Google" kommt Dich am Ende teuer zu stehen, da Du von Deinen Kunden nicht gefunden wirst.


Tipp 5: Als Neugründer ist man gerne geneigt, alles selbst machen zu wollen und überschätzt sich dabei manchmal. Solltest Du Sachen wie Flyer, Webseite und anderes an externe Dienstleister „auslagern", frage auch nach deren Referenzen und vergleiche Preise.

Kennst Du noch weitere, hartnäckige Märchen aus dem „Land des Coach-Marketings"?
Was wirst Du in 2016 noch an Coach-Marketing Maßnahmen machen, damit 2016 Dein bestes Jahr als Coach wird?

Ich freue mich über Deine Nachricht!

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Dienstag, 08 Dezember 2015 14:53

Warum (mehr) Frauen ein Coaching buchen

Das Jahresende naht heran. Für viele Zeit, auch mal Rückschau zu halten über das, was in diesem Jahr so los war. Ich habe mir heute mal die Zeit genommen, die Daten meiner Coaching-Klienten auszuwerten. Doch keine Sorge: Ich unterliege der Schweigepflicht und werde selbstverständlich keine persönlichen Daten preisgeben. Eine Frage die mich aber beschäftigt hat ist, ob mehr weibliche oder mehr männliche Klienten ein Coaching buchen. Die Antwort auf diese Frage habe ich oben bereits verraten: Es sind (deutlich) mehr weibliche Klienten. Ich habe mir auch Gedanken darum gemacht, warum das sehr wahrscheinlich so ist und habe dazu einige Thesen aufgestellt:

Durch „neue Berufsbiografien" sind Frauen von jeher mehr Veränderungen ausgesetzt

Während bei Männern die berufliche „Karriere" eher geradliniger verläuft (Schule, Studium bzw. Ausbildung, berufliche Tätigkeit), ist die weibliche Berufsbiografie von „Natur" aus eher „Umbrüchen" ausgesetzt. Ich denke dabei vor allem an Erziehungs- bzw. Elternzeit, Doppelbelastung durch Familie und Beruf aber auch die Pflege von eventuell erkrankten Angehörigen. Da oft der Mann das höhere Einkommen erzielt, sind Frauen auch eher bereit, durch einen Ortswechsel die berufliche Karriere des Mannes zu unterstützen.

Frauen hinterfragen sich eher

Ich bin davon überzeugt, dass Frauen eher bereit sind über persönliches zu sprechen. Das müssen nicht immer die „tiefsten Gefühle" sein. Schon allein die Fähigkeit, sein eigenes Befinden beschreiben zu können, erfordert die Fähigkeit, sich selbst wahrzunehmen. Dazu kommt auch noch, diese Wahrnehmung mitteilen zu wollen. In einem Frauengespräch erzählt man gerne alltägliches, vielleicht auch (für uns Männer) banales. Ganz oft geht es aber wirklich um das eigene Erleben und man tauscht sich tatsächlich darüber aus, wie es einem gerade geht. Hör mal einer „typischen Männerrunde" zu in der gerade einer die Frage stellt: „Na, wie geht´s dir?" Du wirst die typischen Standards hören wie: „Am liebsten gut.." oder...."naja, man muss halt"....oder vielleicht...."wir sind zufrieden.."...Mal ganz ehrlich, ist das eine Antwort auf die oben gestellte Frage? Ich will da den Männern überhaupt keinen Vorwurf machen. Orientieren sich diese verständlicherweise an den Rollenvorbildern, z. B. dem Vater oder anderen männlichen Bezugspersonen. Konnte Dein Vater wirklich über (eigene) Gefühle oder Befindlichkeiten sprechen? Da Frauen, so glaube ich, allgemein einen besseren „Zugang" zu sich selber haben als Männer, können diese sich auch eher hinterfragen und sind bereit zur Selbstreflexion.

Frauen können sich eher eingestehen, dass sie Hilfe brauchen und sind bereit, sich diese zu suchen und auch anzunehmen

Dieser Punkt setzt an obigem an und fängt schon bei der Suche nach Hilfe und Unterstützung durch einen vertrauten Menschen, z. B. einer Freundin an. Nach meiner Erfahrung „brödeln" Männer eher in sich hinein und glauben, alles alleine hinzubekommen oder hinbekommen zu müssen. Das hat sicher auch etwas damit zu tun, wie die eigenen Rollenvorbilder mit Konflikten umgegangen sind oder wie Konflikte (wenn überhaupt) gelöst wurden. Frauen sind nach meiner Einschätzung und Erfahrung eher bereit, sich zu öffnen, Hilfe zu suchen und auch anzunehmen. Das kann natürlich auch professionelle Hilfe sein durch einen Coach, Berater oder Therapeuten.

Tendenziell „brauchen" Frauen eher eine Stärkung der eigenen Ressourcen

Das ist jetzt sicherlich eine gewagte These, das ist mir schon bewusst. Allerdings glaube ich: Da Männer durch die männlich-dominierte Gesellschaftssicht eher als das „starke Geschlecht" wahrgenommen und auch als dieses gefördert werden (z. B. durch ein höheres Gehalt), werden Frauen viel eher als Männer „klein gehalten". Schaut man sich die heute 20-jährigen an, mag mein Argument eher witzig klingen. Blickt man aber etwas weiter und fragt einmal die 50 - 60 jährigen (oder noch älter) schaut die Sache schon anders. Ich will nicht generalisieren, stelle aber die Behauptung auf, dass in der „damaligen Zeit" Pflichtbewusstein und Pflichterfüllung, vielleicht aber auch möglichst konform zu sein und „wenig Ansprüche" zu haben für viele handlungsleitend war. Vielleicht deshalb, weil solche Werte in der eigenen Erziehung als wichtig erachtet wurden? Themen wie „Selbstverwirklichung" oder sich selbst auch als wichtig und wertvoll wahrnehmen waren längst nicht so etabliert und selbstverständlich, wie das heute ist.

Die Rolle der Frau ist auch kulturell geprägt

Da wir in einer multikulturellen Gesellschaft leben, schadet ein Blick über den „eigenen Horizont" nicht. Hat sich das westliche Frauenbild auch im Zuge des aufstrebenden Wohlstandes positiv verändert (und das tut es hoffentlich weiterhin), leben in Deutschland auch viele Frauen aus Ländern anderer Kulturen. Die Rolle und der Wert der Frauen unterscheidet sich zum Beispiel in stark religiös geprägten Kulturen deutlich von unserem Frauenbild. So ist es nicht verwunderlich, dass es in einem sehr freiheitlich geprägten Land wie Deutschland auch Bestrebungen gibt, diese Freiheiten für sich in Anspruch zu nehmen, woraus sich auch der Bedarf an Hilfe oder auch das Bedürfnis zur Hilfe ergeben kann.

Frauen sind selbstkritischer und eher bereit sich zu verändern

Um noch einen „Allgemeinplatz" zu nennen, glaube ich, dass Frauen recht selbstkritisch sind. Sie möchten möglichst alles perfekt machen und das am besten sofort. Dazu gehört es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, genauso wie die Pflege von Beziehungen. Und überhaupt, soll es allen um sie herum gut gehen. Das kann schon ganz schön stressen. Zumal sich die Frauen auch noch ein ganz kleines bisschen um sich selber kümmern möchten. Das Zauberwort heißt hier „Work-Life-Balance". Dies ist nicht immer so einfach und hier kann Beratung hilfreich sein.

Frauen sind generell „psychologischen Themen" gegenüber aufgeschlossener

Während Männer Themen die mit der Psyche des Menschen zu tun haben, oftmals als „überdrehten Psychokram" abtun, sind Frauen daran interessiert zu verstehen was einen Menschen bewegt, warum jemand so und so reagiert und nicht anders. Nicht zuletzt möchten sie sich selbst auch besser verstehen. Sie haben ein fast schon natürliches Interesse an diesen eher „weichen" Themen.

Ich bin mir wohl bewusst, dass ich mit diesem Artikel nichts anderes als meine ganz subjektive Meinung darlege. Vielleicht kannst Du aber mein Wissen noch weiter erhellen: Was glaubst Du, nehmen mehr Frauen als Männer ein Coaching in Anspruch?

Ich bin sehr gespannt auf Deine (gerne kontroverse) Meinung!

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In einem kürzlich erschienen Artikel haben wir uns mit dem Thema Netzwerken befasst. Weiterhin haben wir in einem Webinar ausführlich die Vor- und Nachteile aufgezählt und berichtet, wie wir zu dem Thema stehen. Eines kam hoffentlich ganz deutlich rüber: Wir sind ein großer Fan von Netzwerken, wenn diese auf Geben und Nehmen ausgerichtet sind und für die Beteiligten wirklich ein Mehrwert bringen. Deutlich machen wollten wir aber auch, dass wir von Kontaktanfragen wie sie z. B. über Netzwerkplattformen wie XING kommen a la „Hallo Herr Reitz, gerne würde ich Sie in meinem Netzwerk begrüßen....bestimmt ergeben sich aus unserer Zusammenarbeit wertvolle Synergieeffekte...bla bla bla....", nichts halten. Handelt es sich dabei doch eher um getarnte „Verkaufsanfragen". Ich bekomme fast jeden Tag solche Anfragen auch über facebook und lehne diese ab, wenn ich die Person nicht kenne bzw. absehbar ist, dass es sich nur um einen „oberflächlichen" „Verkaufskontakt" handeln sollte. Noch einmal zur Erinnerung: Netzwerken bedeutet für uns: Mit interessanten Menschen, Kollegen einen Wissens- und Erfahrungsaustausch betreiben, voneinander lernen, sich empfehlen (wenn es passt) und diesen Kontakt pflegen. Ein Netzwerk mit qualitativ hochwertigen Kontakten bedeutet für uns, auch Hilfe zu bekommen bei Problemen, und Kunden bei Problemlösungen auch an passende Ansprechpartner verweisen zu können. Das ist in dem Falle für alle Beteiligten ein Gewinn: Der Kunde bekommt schnelle Hilfestellung, selbst dann, wenn wir ihn an eine andere Stelle verweisen müssen, der Netzwerkpartner bekommt einen Auftrag und wir konnten kompetent weiterhelfen.

1 + 1 = 3?

Aus kollegialer Zusammenarbeit in einem Netzwerk kann aber noch mehr entstehen. So gibt es die Möglichkeit, diese Zusammenarbeit noch auszuweiten und „gemeinsame Sache" zu machen. In einer Kooperation bündelt man die individuellen Erfahrungen und das Wissen, um zusammen mehr zu erreichen. Damit Du eine bessere Vorstellung davon bekommst, wie so etwas aussehen kann, hier ein paar Beispiele:

• Du gründest mit jemand zusammen ein Unternehmen.
• Du bietest etwas an, zu dem Du „externes know how" benötigst. Vielleicht bist Du Organisationsentwickler und Dein Kooperationspartner stellt dazu passende „Outdoor-Trainings" bereit.
• Gemeinsame Nutzung von Büroräumen.
• Zusammenarbeit bei Kundenaufträgen, wenn diese für Dich nicht alleine zu schaffen sind oder zusammen einfach besser laufen.

Allen oben genannten Beispielen ist etwas gemeinsam: Es gibt gemeinsame Ziele, zu deren Erreichung jeder (s)einen Teil beiträgt.

Woher nehmen wenn nicht stehlen?

Wenn Du als Freiberufler arbeitest, stellt sich oft die Frage wie Du überhaupt Menschen kennenlernen kannst, die für eine mögliche Kooperation in Frage kommen könnten. Dazu gibt es viele Möglichkeiten:

• Du besuchst einen Unternehmerstammtisch in Deiner Region. Oft werden diese über Netzwerkplattformen beworben und sind offene Treffs.
• Du hast bereits ein Netzwerk und überlegst, wer mit seiner Expertise Dein Angebot sinnvoll ergänzen könnte
• Du besuchst Weiterbildungen und Workshops und sprichst die Menschen an, die etwas interessantes machen. Vielleicht ergibt sich hieraus weiteres.
• Du interessierst Dich für die Menschen in Deinem Umfeld: Auch auf Geburtstagen, Familienfeiern oder ähnlichem gibt es interessante Menschen zum Kennenerlernen.

Drum prüfe, wer sich „ewig" bindet...

Eine alte „Coaching-Weisheit" sagt: Entwicklung braucht Zeit! So ist es auch hier: Passende Kooperationspartner zu finden braucht Zeit und Muße. Der Nährboden jeglicher Beziehung ist Vertrauen – das ist hier nicht anders. Und Vertrauen muss wachsen (können). Empfehlenswert ist, durch gemeinsame Gespräche wirklich herauszufinden, ob man zusammen passt und vor allem, ob die Ziele die man mit einer Kooperation verbindet auch wirklich gleich bzw. ähnlich sind. Ich selbst habe schon Menschen erlebt, die große Ziele hatten und wirkliche „Visionen". Es ist toll und macht Spaß, herumzuspinnen und sich die schönsten Dinge auszumalen. Absolut entscheidend ist aber für mich, was jemand bereit ist dafür dann wirklich zu tun. Nicht wenige bleiben in ihren Planungen stecken oder gute Ideen versanden, weil der Zeitaufwand zur Realisation falsch eingeschätzt wurde oder einfach keine freien Ressourcen verfügbar sind. Oder nur einer macht die Arbeit und es entsteht früher oder später ein Ungleichgewicht, was die zu erledigenden Aufgaben betrifft. Ein Negativbeispiel wäre auch, wenn gemeinsame Absprachen nicht eingehalten wurden und im schlimmsten Fall neben Vertrauens- oder Wortbruch Geld unterschlagen oder verloren gegangen ist. Ich empfehle daher immer, wichtige Absprachen schriftlich zu fixieren. Das muss nicht immer ein richtiger Vertrag sein. Möglich ist auch, wichtige Vereinbarungen zu protokollieren und aufzuheben. Das soll keineswegs Misstrauen schüren! Ist es doch eine Absicherung für beide Parteien, dass man sich über etwas im Klaren ist und untermauert eher die Ernsthaftigkeit des gemeinsamen Vorhabens.

Love it, leave it or change it

Ich selbst habe hier auch schon „Lehrgeld" bezahlt in dem ich Kooperationen eingegangen bin, die sich im Nachhinein nicht als „fruchtbar" erwiesen haben. In einem solchen Fall macht es meiner Ansicht nach Sinn, offen darüber zu sprechen und diese wieder zu beenden. Alles andere wäre krampfig und jeder würde in seiner Entwicklung nur behindert werden. Ist das Vertrauen zwischen Partnern erst einmal beschädigt, ist es oft schwer das wieder herzustellen. Wenn man auch den worst case auf jeden Fall mit einplanen sollte, geht man aber Kooperationen ein um etwas positives zu schaffen. Und das möchte ich auf jeden Fall noch einmal in aller Deutlichkeit betonen. Ich selbst unterhalte viele Kooperationen und profitiere davon sehr – meine Partner offensichtlich auch! 

Wie hältst Du es mit Kooperationen, findest Du das sinnvoll oder bist du lieber alleine erfolgreich?

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