Peter Reitz

Peter Reitz

Peter Reitz arbeitet seit fast zwanzig Jahren freiberuflich / selbstständig. Nach beruflicher Tätigkeit in der IT-Branche und einer künstlerischen Ausbildung, arbeitet er seit über zehn Jahren im Bereich Lehre, Kompetenzentwicklung & Coaching. Er ist systemisch ausgebildet und betreibt ein Weiterbildungsinstitut für Beratung & Therapie. Sein Motto: „Menschen in Entwicklungs- und Veränderungsprozessen zu begleiten ist immer spannend.

Im heutigen Artikel zeige ich Dir, wie Du als Führungskraft oder Vorgesetzter Coaching bzw. Coaching-Kompetenz bei Führung und Leitungsaufgaben sinnvoll und nutzbringend einsetzen kannst. Da Coaching per Definition ein „ergebnisoffener Prozess" ist, scheint dies im ersten Moment ein Widerspruch zum Anliegen von Führung zu sein. Als ergebnisoffener Prozess ist gemeint, dass ein Coach während eines Coachings ein zu erreichendes Ziel nicht bestimmt oder mitbestimmt. Das ist im gewöhnlichen Führungsalltag nicht ohne weiteres umzusetzen. Schließlich gehört es zu den Führungsaufgaben, Zielvorgaben umzusetzen und dazu die eigenen Mitarbeiter auch zu instruieren und Leistungskennzahlen zu überwachen. Wie kann Coaching-Handwerkszeug im Führungsalltag dennoch einen großen Nutzen bieten?

Wertschätzung und Vertrauen - des Coaches Handwerkszeug

Vielleicht kennst Du noch den „guten alten Chef", der stets sagt wo´s langgeht und seinen „Untergebenen" auch mal richtig Bescheid gibt, wenn´s mal wieder nicht so richtig läuft...Dieses Führungsmodell ist nun wahrlich out. Auch der Führungsstil, alles selbst machen zu wollen bzw. zu müssen, da es ja sonst nicht läuft. Erkennst Du Dich als Vorgesetzter in oben gesagtem wieder, solltest Du Dich ernsthaft fragen ob Du die Bezeichnung Führungskraft verdient hast. Eher solltest Du Dich als „cleveren Steuermann" verstehen. Als dieser delegierst Du die Aufgaben bzw. Zielvorgaben an die Personen, die mit ihren Stärken am meisten dafür geeignet sind. Um dies umzusetzen, braucht es allerdings zwei ganz wichtige Komponenten: Wertschätzung und Vertrauen! Wertschätzung bedeutet, einen Menschen bzw. Mitarbeiter mit seinen Stärken aber auch Schwächen zu sehen und ihn in erster Linie als Mensch zu betrachten und nicht nur in seiner Funktion als Sachbearbeiter, Sekretärin oder ähnliches. Vertrauen bedeutet, einen authentischen Rahmen zu bauen in dem ehrliche Begegnung stattfinden kann. Hier darf und kann die Führungskraft auch als Mensch erscheinen, ohne die eigene Rolle als Vorgesetzter aufzugeben. Und genau diese beiden Komponenten, Wertschätzung und Vertrauen, sind auch die Basis des Coaches, der Menschen in Veränderungsprozessen begleitet um Ziele zu erreichen. Na, dämmert es bei Dir? Was ist denn eigentlich die Aufgabe einer Führungskraft?

Ziele erreichen und Werte gestalten

Bestimmt hast Du es schon erraten. Eine Führungskraft ist oder sollte eine Person sein, die genaugenommen Veränderungsprozesse begleitet, um Ziele, genaugenommen Unternehmensziele, erreichen möchte. Bisher waren wir 1 zu 1 im Coaching. Jetzt kommt der entscheidende Unterschied ins Spiel: In Unternehmen geht es nicht (in erster Linie) um die Ziele eines Klienten oder Mitarbeiters. Es geht vielmehr um zu erreichende Unternehmensziele, die auf den Mitarbeiter heruntergebrochen werden. Und bei genau diesen Zielen gibt es auch nur bedingten „Freiraum" für den Mitarbeiter. So müssen bestimmte Aufgaben oftmals in einer ganz bestimmten Form erledigt werden. Häufig spricht man auch davon, dass sogenannte standardisierte Abläufe etabliert werden, auch um eine bestimmte Performanz, also einen effektiven Arbeitsfluss, zu gewährleisten. Allerdings gibt es auch Aufgaben oder Projekte, in denen Mitarbeiter eigene Wege und Strategien finden müssen. Hier kommt die „Führungskraft als Coach" ins Spiel, die bei der Suche nach geeigneten Lösungsstrategien mit dem Handwerkszeug eines Coaches sehr gute Arbeit leisten kann.

Coaching nicht gleich Coaching

Hüten sollte sich die Führungskraft allerdings davor, ein „scheinbares Coaching" zu initiieren. Das wäre in etwa so: „Ich coache meinen Mitarbeiter, dass dieser meine bereits feststehende Lösung/den bereits eingeschlagenen Weg als seinen erkennt, da ichdiesen dann sowieso durchsetze". Mit einer solchen „Mogelpackung" wären auf Seiten des Mitarbeiters Frust und Demotivation vorprogrammiert. Dieser würde dann irgendwann merken, dass sein Einsatz und seine eigene Beteiligung am Entwicklungsprozess eigentlich gar nicht erwünscht ist.

Coaching: Kultur und Effekte

Coaching als Teil des eigenen Führungsstils bedeutet für Führungspersönlichkeiten, Mitarbeiter gezielt zu fördern. Um eines gleich vorwegzunehmen: Dies kostet Zeit! Ebenso braucht man ein Entwicklungskonzept für das zu führende Arbeitsteam, dass diese Art der teilweise partnerschaftlichen Führungskultur akzeptiert. Es bringt also nichts, nur einem Mitarbeiter diese Entwicklungsräume zuzugestehen, und den anderen nicht. Wichtig ist aber auch, dass Leitungspersonen in der Rolle als Coach von der Personalabteilung bzw. übergeordneten Leitungsebene akzeptiert und im besten Falle auch gewollt sind. Hier würden wir auch von einer Coaching-Kultur sprechen. Es geht dabei weniger um kurzfristige Erfolge. Vielmehr spielen langfristige Effekte bei der Mitarbeiterführung eine Rolle:

Diese wären:

  •  Wertschätzung des Mitarbeiters durch das Gefühl, dass dieser selbst etwas beitragen kann
  •  Vertrauen in die Fähigkeiten zur Problemlösung (Erhöhung der Selbstwirksamkeit)
  •  Stärkung des Team-Gedankens und Wir-Gefühls bei der Erreichung der gemeinschaftlichen Ziele
  •  Förderung der Zugehörigkeit zum Unternehmen und damit auch Stärkung der Unternehmensidentität
  •  Und mit obigem einhergehend: Bessere Leistungsbereitschaft, mehr Performanz, mehr Identifikation mit dem Unternehmen


Kann doch jeder, oder?

Damit diese Arbeit wirklich Früchte trägt, sollte die Leitungsperson aber auch bestimmte Kompetenzen mitbringen, oder diese erwerben.

  • Rollenklarheit: Was ist meine Aufgabe als Vorgesetzter? Wann muss ich bestimmte Handlungswege und klar umzusetzende Zielvorgaben von meinem Mitarbeiter strikt einfordern und wann kann ich ergebnisoffene Prozesse initiieren?
  • Bewusste Kommunikation: Die Arbeitsbeziehung zielgerichtet gestaltet können. Auch das Wissen über psychologische Zusammenhänge, die hierbei immer beteiligt sind, spielt eine große Rolle.
  • Wissen über Veränderungsprozesse: Wie können diese zielgerichtet initiiert, begleitet und gesteuert werden, so dass diese zwar ergebnisoffen sein können, Führungskraft und Mitarbeiter aber auch ein Ziel erreichen.
  • Selbstreflektion: Eigene Anteile erkennen, wachsen und lernen wollen, auch „eigene Schwächen" integrieren können.


Eine Coaching-Ausbildung oder Ausbildung in psychologischer Beratung kann hierfür sehr hilfreich sein. Diese sollte aber vor allem ganz viel Praxis beinhalten. Ein Fernkurs oder ein Fernstudium kann für theoretischen Unterbau nützlich sein, bei obigem kommt es aber nicht auf Wissen, sondern auf Können an. Dieses kann nur in echter praktischer Erfahrung gelernt werden. Und zur Ausbildung der eigenen Persönlichkeit braucht es viel Feedback von echten Menschen.

Zu schön um wahr zu sein?!

Zufriedene Mitarbeiter, motivierte Chefs, top Arbeitsergebnisse, weniger Konflikte, besseres Teamklima - ja, das wäre schön! Wenn Du als Führungskraft mit Coaching-Methoden arbeitest, hängt vor allem vieles an einem: Nämlich an Dir! An Deiner Kompetenz, Lebenserfahrung und Deiner Motivation, diesen Weg zu gehen.

Du bist Führungskraft oder Mitarbeiter in einem Team, in dem mit Coaching-Methodik gearbeitet wird? Berichte uns von deinen Erfahrungen!

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Dienstag, 30 Juni 2015 10:05

Coach werden - Vollzeit oder Teilzeit?


Hast Du Dich auch schon einmal gefragt, wie Du Deine Coaching-Tätigkeit beginnen solltest? Erstmal „auf Probe" oder lieber doch gleich „in die Vollen"? Ich zeige Dir in diesem Artikel, welche Vor- und Nachteile beide Varianten haben und wie Du die für Dich richtige finden kannst.

Nebenberuflich erfolgreich

Vielleicht hast Du als (angehender) Coach große Ambitionen. Du siehst Dich bereits erfolgreich im Personal-Bereich oder im Business. Du wirst überhäuft von E-Mail Anfragen. Dein Terminkalender ist prall gefüllt mit Aufträgen und Deine Expertise spricht sich rum. Um eines vorweg zu sagen: Das würde ich Dir von Herzen wünschen! In der Realität wird es aber in den allerwenigsten Fällen gleich so gut laufen. Für einige Coaches kommt daher der Start in die Selbstständigkeit im Nebenberuf in Frage. So kannst Du einer angestellten Tätigkeit nachgehen, die Du möglicherweise in reduzierter Stundenanzahl ausführst und damit ein Grundeinkommen sicherst. Der nebenberufliche Start bietet viele Vorteile: So minimierst Du Dein finanzielles Risiko. Du hast monatliche Lebenshaltungskosten, die gedeckt werden müssen. Vielleicht hast Du Kredite laufen, und musst monatliche Raten bedienen. Möglicherweise hast Du Familie und noch mehrere Personen sind von einem bzw. Deinem Einkommen unmittelbar abhängig. Um es auf den Punkt zu bringen: Du hast weniger finanziellen Druck, um jetzt gleich erfolgreich sein und Geld verdienen zu müssen. Es sei denn, Du hast finanzielle Rücklagen gebildet oder Du kannst vom Einkommen eines anderen profitieren. Eine Festanstellung bietet aber noch weitere Sicherheit: So bist Du durch einen Arbeitsvertrag Renten- und Krankenversichert. Die Nachteile sollen aber auch nicht verschwiegen werden. So kannst Du nur an bestimmten Tagen Termine machen und eben auch nur zu bestimmten Zeiten Dein eigenes Unternehmen vorantreiben. Schließlich gibt es viel zu Tun: Gespräche führen, Marke-tingmaßnahmen planen und umsetzen, und vieles mehr. Für sicherheitsorientierte Menschen ist dieser Weg sicherlich die 1. Wahl. Dein Business kann in aller Ruhe wachsen.


Hauptberuflich durchstarten

Das oben gesagte dauert Dir viel zu lange! Du bist ein Anpacker, ein Macher und willst es wissen. Unter Druck bist Du ein Kreativitätsgenie. Überhaupt brauchst Du in vielen Dingen erst die richtige Betriebstemperatur, um Höchstleistungen zu bringen. So kannst Du als Hauptberuflicher Coach gleich „in die Vollen" gehen. Du kannst Deinen Tag gut strukturieren, bist ein Stratege und hast einen Plan. Du weißt was du willst und vielleicht hast Du schon erste Auftraggeber rekrutieren können. Falls das zutrifft, ist dies vielleicht Dein Weg. Wahrscheinlich hast Du auch den Markt, an dem du Dein Angebot platzieren möchtest beobachtet und auch potentielle Mitbewerber im Blick. Sollte dein Angebot so speziell sein, dass es konkurrenzlos ist, könnte dieser Umstand für Dich zum absoluten Knaller werden. Allerdings solltest Du bei dieser Variante ganz genau auch Deine finanziellen Spielräume im Vorfeld ausgelotet haben. Du solltest zwingend einen Steuerberater hinzuziehen, der sich mit dem Geschäftsfeld auskennt und dessen Kompetenz Du vertraust. Hierbei ist auf keinen Fall „blindes Vertrauen" gemeint: Ich halte es für ganz wichtig, dass Du den mit dem Berater erstellten Businessplan verstehst. Du selbst bist Dein Erfolg und kannst somit strategische Entscheidungen treffen und deren Folgen auch auf Deine finanzielle Situation beurteilen. Gehst Du diesen Weg, stehst Du wie oben bereits angedeutet auch ein Stück unter „Erfolgszwang". Dies muss aber keinesfalls schädlich sein. Prüfe Dich selbst, wie Du mit Druck umgehen kannst. Dies ist ganz und gar unterschiedlich. Es gibt Menschen, die können nicht ruhig schlafen wenn Sie nicht mindestens 30.000 Euro auf dem Konto verfügbar haben. Für andere wiederum ist es überhaupt kein Problem, ständig in den roten Zahlen zu sein, so lange genug Aufträge hereinkommen und der „Rubel rollt". Sinnvoll kann es bei der hauptberuflichen Selbstständigkeit sein, dass Du insbesondere am Anfang Deine Kosten im Blick behältst. Für Deine Kunden ist es überhaupt nicht relevant, ob Du einen Neuwagen oder ein großes Leasingfahrzeug fährst, das Dir im Monat hohe Raten abverlangt. Viel wichtiger für Deine Kundschaft ist, ob Du deren Anliegen bzw. Problem lösen kannst und Du von diesen gefunden wirst. Es ist in der Regel auch nicht so sehr wichtig, dass Du große repräsentative Geschäftsräume hast. Bist du als Businesscoach tätig, arbeitest Du direkt in den Räumen Deiner Kundschaft. Im Personal-Bereich ist es insbesondere am Anfang durchaus üblich, sich Geschäfts- oder Praxisräume mit Kollegen zu teilen. Das spart Kosten und macht finanzielle Ressourcen frei, die Du sinnvoll in andere Bereiche investieren kannst.

Was passt für Dich?

Hast Du bereits Erfahrung als Selbstständiger, Dein Geschäftsfeld sondiert und Deinen Businessplan erstellt? Hast Du vielleicht Rücklagen, welche Dir in den ersten Monaten helfen können Deine Lebenshaltungskosten zu decken? Du hast bereits Kontakte zu ersten Auftraggebern oder gar schon Verträge in der Tasche? Dann könnte Die hauptberufliche Selbstständigkeit gut zu Dir passen. Bist du eher noch unsicher wer Dein Wunschkunde ist? Möchtest Du die ersten Schritte in Dein neues Business behutsam gehen und bist eher ein „sicherheitsorientierter Typ"? Dann ist sicherlich die nebenberufliche Selbstständigkeit der beste Schritt in die neue Tätigkeit.

Jetzt bin ich neugierig: Du arbeitest selbst als Coach? Welchen Weg bist Du gegangen und was war für Dich im Nachhinein die beste Entscheidung? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

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Keine Frage: Systemisches Denken und Handeln ist im Moment sehr gefragt. Egal wo wir hinschauen: Ob im Coaching, in psychologischer Beratung oder Psychotherapie. „Systemisches" ist angesagt.

Eine Coaching-Ausbildung ohne systemische Inhalte ist für mich tatsächlich undenkbar. Ich möchte Dir heute aber erklären, warum Du unbedingt über ein vielfältiges und vielseitiges Methodenrepertoire im Coaching verfügen solltest.

Eines für alle(s)?

In einem Beratungsgespräch zu unserer Coaching-Ausbildung sprach ich vor zwei Wochen mit einer Dame aus Offenbach. Es ging unter anderem um den theoretischen Background der Ausbildungsinhalte. Sie erzählte mir, dass Sie einige Literatur zum Thema Coaching gelesen hatte und fragte mich: „Wie bekomme ich denn den Klienten zum Reden?". Sie meinte das tatsächlich wörtlich. Sie hatte selbst schon „probehalber" Coachings durchgeführt und auch Tools angewendet. Trotzdem hatte sie das Gefühl, dass ihre Art Gespräche zu führen irgendwie hölzern wirkte und meinte: „Die Gespräche wirken unrund, irgendwie ruckartig, wie kann ich dies verbessern?" Sie hatte bemerkt, dass flüssige Gesprächsführung ganz wichtig ist, um den Klienten gut durch den Coachingprozess zu leiten.

Über den Tellerrand hinaus schauen!

Für die kompetente Durchführung von Coachinggesprächen ist aus meiner Sicht die Kenntnis von nur einer Methode nicht ausreichend. Nicht nur methodisches Wissen ist maßgebend für erfolgreiche Veränderungsarbeit, sondern auch die praktische Gesprächsführung und die daraus folgende Gesprächskompetenz. Diese finden wir zum Beispiel in der personzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers. Hierbei spiegelt der Coach emotionale Erlebnisinhalte, fühlt sich in die Welt des Klienten ein und begegnet ihm auf Augenhöhe. Die Umsetzung dieser Haltungen setzt bereits das wichtigste Potential im Coaching-Prozess frei: Das Vertrauen in den Coach und das Gefühl des Angenommenseins ohne Wenn und Aber. Dieser „fruchtbare Boden" muss bereitet werden für all das, was danach kommen kann.

Flexibilität und Kreativität als Erfolgsfaktor

Ein Beispiel aus meiner Coachingpraxis: Vor vier Wochen arbeitete ich mit einem jungen Mann (26 Jahre alt), am Thema Karriereplanung. Er erzählte, dass er in Kürze sein BWL Masterstudium beenden wird und möchte seine weitere berufliche Laufbahn professionell planen. Er selbst käme aus eher „ärmlichen" Verhältnissen, so seine Worte. Auf Nachfrage, was ursprünglich seine Beweggründe für das Studium gewesen sei, entgegnete er, dass er einmal anders leben möchte als er es zu Hause erfahren hat. Er hatte in seinem Elternhaus das Gefühl, dass jeder Pfennig hatte umgedreht werden müssen und er dies gehasst habe. Mit Hilfe der oben genannten „Rogers-Haltung" ließen sich die im Vordergrund stehenden Emotionen „Wut", aber auch „Enttäuschung" für den Klienten sehr gut erlebbar machen. Im weiteren Verlauf nutzten wir die „Stuhlarbeit" nach Fritz Perls aus der Gestaltpsychologie, bzw. deren Weiterentwicklung der Gestalttherapie, um seine Zukunft schon jetzt lebendig werden zu lassen, und das „Doppeln" aus dem Psychodrama. Mit Hilfe des „Doppelns" konnten wir in seiner beruflichen Entscheidungsfindung weitere, bisher unbewusste Motive hörbar machen. In der letzten Sitzung erwähnte der Klient auf Nachfrage von mir, es sei für ihn besonders wichtig gewesen, dass die Gefühle, die ihn auch belasteten ausgesprochen wurden und für ihn auch greifbarer wurden.

Viele Köche verderben den Brei?

Das obige Beispiel steht exemplarisch für die Erlebnisse aus meiner Coachingpraxis: Ein breites Methodenrepertoire wirkt bereichernd auf die eigene Arbeit und sorgt auf beiden Seiten, bei Coach und Klient zu Motivation und einem ergebnisorientiertem Coachingprozess. Genau das war auch mein Rat im Gespräch mit der Dame aus Offenbach: Die Kenntnis und die Anwendung verschiedener methodischer Zugänge im Coaching wird ihr eigenes Arbeiten wesentlich erleichtern und ihr auch ein besseres Gefühl und Sicherheit bei der Durchfühung geben. Damit ist sicher nicht gemeint, dass das Wissen um viele verschiedene Methoden automatisch einen guten Coach ausmacht. Das bestimmt nicht! Genauso wichtig ist, diese auch zu praktisch zu beherrschen und in der Anwendung und Anpassung sicher agieren zu können. So kannst Du die Methode an den Klient anpassen, und nicht den Klient an die Methode. Dein Potential, Prozesse kreativ zu gestalten ist maßgeblich, wenn Du wirksame Veränderungsarbeit leisten willst, denn: Kein Klient, kein Auftrag ist wie der andere.

Welche Methoden bzw. welchen theoretischen Background hältst Du in der Ausbildung von Coaches für essentiell?

Ich bin gespannt auf Deine Meinung!

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Dienstag, 02 Juni 2015 08:19

Ist Coaching sein Geld Wert?

Heute schreibe ich über ein Thema, dass bestimmt viele an Coaching interessierte spannend finden: Ist Coaching das Geld Wert was es kostet?

Vor gut einer Woche habe ich mein Auto über den TÜV gefahren. Da im Vorfeld noch eine Reparatur zu machen war, brachte ich das Auto in die Werkstatt meines Vertrauens. Da ich nie einen Auftrag ohne vorherige Kostenschätzung vergebe, bekam ich die Antwort: Die Reparatur wird 2-3 Stunden dauern, unser Stundensatz liegt bei 77 Euro.

Vom Diensten und vom Leisten

Nun ist Coaching eine Dienstleistung unter vielen. Wer einen Experten für die Steuererklärung braucht, geht zu einem Steuerberater. Brauchst du einen neuen Haarschnitt, gehst du zum Frisör. Und wer eine Autoreparatur benötigt, der bringt sein Auto eben in die Werkstatt wie ich in der letzten Woche.

Allen drei Beispielen ist eines gemeinsam: Es handelt sich jeweils um eine Dienstleistung die erbracht wird. Und noch eines ist gleich: Immer kannst du nach Leistungserbringung das Resultat unmittelbar sehen. Ob es nun die fertige „Steuer" ist, der Haarschnitt oder das ausgetauschte Teil in der Autowerkstatt. Hier gäbe es sicher noch zahlreiche weitere Beispiele, von dem Immobilienmakler den du beauftragst oder dem Tierarzt, der eine Kastration durchführt. Doch wie lässt sich eigentlich der Wert eines Coachings messen?

Was im Coaching passiert

Etwas vereinfacht ausgedrückt kommen Menschen ins Coaching, die eine Differenz zwischen einem „Ist-Zustand" und einem „Soll-Zustand" verspüren.

Bleiben wir bei klassischen Coaching-Anlässen: Eine Führungskraft übernimmt ein neues Team, in dem sich etwa zwei Monate nach dessen Übernahme Konflikte herausbilden. Diese laufen eher im „Hintergrund" und sind nicht so deutlich wahrnehmbar. Auffallend ist allerdings, dass die Arbeitsleistung sich seitdem spürbar verschlechtert hat. Der Auftrag an den Coach ist dabei: „Ich möchte meine Art der Kommunikation reflektieren und schauen, wie ich diesen Konflikt am besten lösen kann. Ist-Zustand: Konflikte im Team, Soll-Zustand: Keine Konflikte im Team und gute Arbeitsperformance. Die Führungskraft in unserem Beispiel sucht sich einen Coach, der ein Stundenhonorar von 100 Euro aufruft.

Weiterer Coaching-Anlass: Die Chefsekretärin einer internationalen Versicherung hat sich auf eine neue Stelle beworben. Da ihr letztes Vorstellungsgespräch über 10 Jahre her ist, ist sie unsicher über Ihre Stärken und Schwächen und auch darüber, wie sie sich am besten präsentiert. Wie bei der obigen Gegenüberstellung könnte man auch hier sagen: Ist-Zustand: ich möchte mich beruflich verändern und sicher in ein Vorstellungsgespräch gehen. Soll-Zustand: Ich bin total aus der Übung und weiß nicht recht, was mich erwartet noch, wie ich mich am besten präsentieren kann. Sie geht zu einem Karrierecoach der ein Stundenhonorar von 80 Euro aufruft. Wie die Zwischenüberschrift bereits ankündigt, wird im Coaching ebenfalls immer ein „Dienst" bzw. eine „Leistung" erbracht.

Was bedeutet das für mich als Coach?

Arbeitest du als freiberuflicher Coach, bist du auf Klienten angewiesen die deine Dienstleistung bezahlen möchten bzw. können. Dabei finde ich es elementar wichtig, eine exakte „Auftragsklärung" mit deinem Kunden durchzuführen. Nur, und nur dann, wenn ganz klar ist an was der Klient den Erfolg des Coachings misst, ist das Ergebnis verifizierbar, und auch erreichbar. Und dies ist sehr wichtig, wenn dein Honorar plausibel und nachvollziehbar sein soll. Wird diese Auftragsklärung zu Beginn nicht sorgfältig durchgeführt, tappen Coach und Klient im Nebel. Getreu dem Motto: „Wer kein Ziel hat, kann auch keines erreichen". Dann war das Coaching zwar ganz nett, hat aus meiner Sicht aber keinen wirklichen Mehrwert und rechtfertigt auch das Honorar nicht. Dies gilt für mich übrigens bei jeder erdenklichen Dienstleistung.

Vertrauen und Transparenz schaffen – aber wie?

Einen Coaching-Auftrag zu Beginn exakt zu umreißen hat noch einen weiteren Vorteil: Du schützt dich vor (zu) hohen Erwartungen des Kunden. Damit meine ich solche, die für dich unerfüllbar sind.

Beispiel: Im Paarcoaching möchte die Ehefrau gerne, dass der Coach ihren Mann dazu bewegt weniger Alkohol zu trinken. Ein Auftrag, der unerfüllbar ist...! Nimmt dein Klient deine Coaching-Dienstleistung in Anspruch bedeutet das ebenfalls nicht, dass er nach einer einzigen Sitzung nach Hause geht und alles ist prima. Sein Problem, sein Anliegen ist gelöst und alle sind zufrieden.

Hüten solltest du dich, im Vorhinein Versprechungen in dieser Richtung zu tätigen. Verständlich ist die Frage von Klienten, wie viele Sitzungen für das Anliegen/den Auftrag voraussichtlich nötig werden. Hierbei eine Einschätzung und eine Auskunft nach Erfahrungswerten zu treffen und auch als solche zu benennen, schafft Transparenz und Vertrauen. Auch mit dem Hinweis, dass dies maßgeblich von der Mitarbeit des Kunden abhängt. Klärst du zu Anfang den genauen Auftrag, fördert dies auch die Zielklarheit deines Klienten und der erste (und manchmal wichtigste) Schritt in der Veränderungsarbeit ist getan.

Personal-Coaching = Business-Coaching?

Das hier beschriebene Procedere gilt übrigens sowohl im Personal-Coaching als auch im Business-Coaching. Die Honorarsätze im Business liegen deutlich höher und sind denen von Unternehmensberatern angepasst. Dabei wird in Unternehmen noch viel mehr Wert auf Kosten-Nutzen gelegt!

Der Preis ist heiß!

Hast du schon mal überlegt, was ein Frisörbesuch oder ein Tierarzt kostet und wie viele Menschen diesen in Anspruch nehmen? Dabei lässt sich gut sehen: Stimmt der Nutzen für den Kunden, lässt sich fast jeder Preis rechtfertigen. Ich habe übrigens noch nie erlebt, dass ein Kunde mit dem Preis den ich in Rechnung stelle nicht einverstanden war.

Wie ist dies bei dir, wollte schon einmal jemand um das Honorar feilschen? Wie bist Du damit umgegangen? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

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