Christiane Richter

Christiane Richter

Christiane Richter ist Diplom Ingenieurin und seit mehr als 20 Jahren in der Erwachsenenbildung tätig. Nach anfänglicher Dozententätigkeit für einen Bildungsträger und nachfolgendem Studium der Erwachsenenbildung, arbeitet Sie seit 1996 freiberuflich. Sie hat Erfahrungen als Ausbilderin, Dozentin, Fachbereichsleiterin, Weiterbildungsbeauftragte, Coach und Trainerin.
Webseite-URL: http://www.c-w-b.de

E-Coaching

Coaching 2.0 - Coaching online? Kann das funktionieren? Ist es überhaupt möglich eine persönliche Beziehung aufzubauen? Schaust Du Dir Coaching in seinem klassischen Setting an, scheint es fast unmöglich dies in gleicher Qualität auch online durchführen zu können.

Doch E-Coaching ist nicht gleich E-Coaching. Wie immer kommt es auf das Thema und die Art der Durchführung an. Ich möchte Dir heute aufzeigen, bei welchen Anlässen es aus meiner Erfahrung möglich bzw. sinnvoll ist und welche Kriterien bei der konstruktiven Durchführung eine Rolle spielen können.

Grundsätzlich gibt es viele Variationen ein E-Coaching anzubieten. Dies kann rein auditiv, auditiv-visuell, schriftlich, synchron oder asynchron sein. Zu jeder Variante gibt es entsprechende Tools mit denen man sie umsetzen kann.

Gegenüber einem direkten Face-to-Face-Coaching kann E-Coaching folgende Vorteile bieten:

  • Das Coaching kann ortsungebunden abgehalten werden. Egal wo auf der Welt Du bist oder Dein Klient gerade ist; nur eine stabile Internetverbindung sollte es geben ;-).
  • Das E-Coaching ist zeitlich flexibel einsetzbar, da Reisezeiten wegfallen. Nicht selten ist daher auch eine spontane Sitzung möglich.
  • Die Sitzungsdauer selber kann ebenfalls flexibler gehandhabt werden. Manchmal reicht ein kurzer Impuls von z. B. 15 Minuten.
  • Bei einer asynchronen Sitzung, das heißt es wird nicht in Echtzeit kommuniziert, sondern zeitversetzt, kannst Du Deinen Klienten Fragen stellen oder oder ihnen "Aufgaben" geben, die sie zu ihrer Zeit und in ihrem Tempo beantworten können.
  • Dadurch dass vielfach Reisezeiten wegfallen, kann ein E-Coaching auch preisliche Vorteile haben.

Doch ich möchte auch die Nachteile nicht verschweigen, die es mit sich bringen kann:

Stell Dir vor, der Coaching-Prozess mit Deinem Klienten verläuft ausschließlich schriftlich. Das kann für beide Seiten sehr mühsam sein. Durch die Zeit, die zwischen den jeweiligen Antworten liegt, müssen sich beide Seiten stets neu einarbeiten. Außerdem kann es sein, dass es Dir schwerer fällt eine Beziehung zu Deinem Klienten aufzubauen, da Du von ihm keine Stimme, keine Mimik, keine Gestik wahrnimmst. Für ihn wiederum könnte es den Vorteil der „Unsichtbarkeit“ haben. Am Ende entscheidet der Kunde, ob das Coaching für ihn hilfreich war. Vielleicht fühlt er sich so sicherer. Hier müssen wir uns frei machen von dem eigenen Anspruch, dass ein Coaching nur dann erfolgreich sein kann, wenn wir das Gefühl haben eine persönliche Vertrauensbeziehung aufbauen zu können.

Natürlich kann es ungewohnt sein per E-Mail oder Skype zu coachen. Ich kann mich noch gut an mein erstes Skype-Coaching erinnern:

Wie kann ich etwas verschriftlichen bzw. visualisieren? Wie wähle ich die Kameraeinstellung (Mein Büro ist nicht der gleiche Raum den ich für Coachings nutze), Wie wähle ich den Einstieg? Wie kommen wir ans arbeiten? Um es kurz zu machen: Mir gingen tausend Fragen durch den Kopf.

Doch in der Praxis ging dann alles wie von alleine. Das Schöne ist, Du kannst Deine Klienten einfach fragen, ob sie das aufgestellte Flipchart gut sehen können, ob der Lichteinfall ok ist usw. Das lockert die Atmosphäre von Anfang an auf. Das heißt, ob Du eine Nähe zu Deinem Kunden herstellen kannst, ist eher von Dir und Deinen kommunikativen Fähigkeiten abhängig als vom genutzten Medium.

Ich habe einige Kunden, die weiter weg wohnen und für die ein Coaching per Skype sehr hilfreich ist, da der Weg doch etwas Zeit in Anspruch nehmen kann.

Neben der Möglichkeit per E-Mail oder Skype zu coachen, gibt es mittlerweile eine Vielzahl an elektronischen Tools, die unterschiedliche Anforderungen erfüllen.

Solltest Du Dich ernsthaft mit dem Gedanken tragen E-Coaching anzubieten, kann es Sinn machen, sich mit den verschiedenen Tools und Ihren Möglichkeiten zu beschäftigen. Nachfolgend liste ich Dir ein paar Beispiele, ohne Form von Wertung auf. Die jeweiligen Tools genügen unterschiedlichen Ansprüchen.

Coaching Cosmos (www.coaching-cosmos.de)

Coaching-Cloud (www.coachingcloud.com)

CoachAccountable (www.coachaccountable.com)

CoachMaster (https://coachmaster.co.uk)

CAI (www.cai-world.de)

Virtuelles Coaching VC (www.virtuelles-Coaching.com)

Die hier aufgeführten Beispiele sind vielfach mit Lizenzgebühren verbunden. Wenn Du Lust hast, schau Dir die verschiedenen Möglichkeiten an.

Ob Du Skype nutzt, Dich für ein kommerzielles Tool entscheidest oder beim klassischen Face-to-Face-Coaching bleibst, kann von verschiedenen Kriterien abhängen. Prüfe für Dich und Deinen Coaching-Klienten was Euch wichtig ist und entscheide anschließend welche Form des Coaching am besten dazu passt.

Die aufgeführten Kriterien kannst Du auch in eine Bewertungsmatrix (Von „Ganz wichtig“ bis „Gar nicht wichtig“) überführen um sie als Entscheidungsgrundlage nutzen zu können.

  • Zeitunabhängigkeit
  • Ortsunabhängigkeit
  • Datensicherheit
  • On-Demand-Terminierung
  • Flexibilität der Sitzungsdauer
  • Preis
  • Persönliche Nähe
  • Soziale Verbindlichkeit
  • Schutz durch Unsichtbarkeit
  • Psychologische Tiefe
  • Ergebnisorientierung
  • Selbstreflexionsfähigkeit
  • Einbindung in Arbeitsalltag

Was hältst Du von E-Coaching? Kann es so effektiv sein wie ein Face-to-Face-Coaching? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

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Als Coach Mut beweisen

Wie oft hast Du schon da gesessen und Dir gesagt:“ Wenn ich könnte wie ich wollte...“ oder „Am liebsten würde ich ja, aber...“, „Damit hätte ich früher anfangen sollen...“ usw. usw.

So manchem Interessenten für eine Coaching-Ausbildung geht es ebenso. Gerne würden sie, doch noch nicht jetzt, nicht zu diesem Zeitpunkt. Doch wann ist der Richtige Zeitpunkt gekommen das zu tun was Dir wirklich wichtig ist?

Gerne finden wir Ausreden etwas nicht tun zu müssen, obwohl wir es in unserem tiefsten Innersten doch gerne tun würden. Entweder sind wir „plötzlich“ zu alt, oder müssen uns um unsere Kinder oder die älter werdenden Eltern kümmern. Es gibt viele innere Überzeugungen, die uns von unseren wahren Bedürfnissen ablenken können. Diese können so stark sein, dass man sich oft gar nicht vorstellen kann, einfach das zu tun was jetzt „dran“ wäre.

Ich möchte Dir in diesem Artikel einige Ideen an die Hand geben, die Dir dabei helfen könnten tatsächlich mal das zu tun, was DIR wirklich wichtig ist. So, dass Du als Coach gegenüber Deinen Klienten mit gutem Beispiel voran gehen kannst ;-)

Nebenbei bemerkt, gab es eine Umfrage einer australischen Palliativkrankenschwester (Bonnie Ware) unter Sterbenden. Sie fragte die Menschen, was in Ihrem Leben sie am meisten bereut hätten.

Dies sind die fünf häufigsten Antworten:

1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.“
2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.“
3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.“
4. „Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten.“
5. „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.“

Also fern ab, von viel Geld, großem Haus und schnellem Auto. Es kommt vielleicht mehr darauf an, etwas weniger von dem zu tun was Dich anstrengt, bzw. stresst also eher etwas wegzulassen als vermeintlich Fehlendes mit aller Kraft erreichen zu wollen.

Vielleicht helfen Dir die folgenden Ideen Deine „wahren Träume“ umzusetzen.

4 Ideen für ein authentisches Leben

1. Lebe nicht nach den Erwartungen anderer Menschen

Hast Du schon mal darüber nachgedacht, warum Du den Beruf ausübst, den Du jetzt ausübst? Und, warum arbeitest Du noch immer in dem Job, obwohl er Dich nicht wirklich glücklich macht? Kann es sein, dass Du Angst hast andere Menschen zu enttäuschen, wenn Du deren Erwartung nicht erfüllst? Erwartungen Deiner Eltern, dem Ehepartner, dem Chef usw?

Das heißt: Wenn Du Dein Leben nach Deinen Wünschen gestalten möchtest, kann es passieren, dass Du immer mal andere enttäuschen musst.

Eltern, Partner, Chefs, Mitarbeiter, Freunde – vielleicht sogar Dich selbst, weil Du keine Lust mehr hast, bestimmten Ansprüchen hinterher zu laufen. Andere zu enttäuschen kann unangenehm sein, vor allem wenn Du vielleicht Angst vor Konflikten hast und viel dafür tust, von anderen geliebt zu werden.

Aber wirst Du nicht auch öfters von anderen enttäuscht – und überlebst das auch?

2. Glaube nicht an Wunder, glaube an Dich selbst

Gehörst Du auch zu denen, die sich nach einer Flugzeuglandung bekreuzigen? Oder sprichst von einem Schutzengel, wenn Du knapp an einem Unfall vorbeigekommen bist?

Glaubst Du als Coach auch daran, dass Deine Kunden schon den Weg zu Dir finden werden und Du keine Werbung machen musst? Sorry, aber vergiss das. Wenn Du als Coach mit Klienten arbeiten möchtest, musst Du Dich aktiv darum kümmern.

Und auch sonst gilt: Wenn Du mehr von dem tun möchtest was Dir Spaß macht, was Dir wichtig ist, dann bist Du selber dafür verantwortlich. Das nimmt Dir leider niemand ab und ein Wunder wird da leider nicht helfen.

3. Vergiss Deinen Perfektheitswahn

Perfektion ist unnatürlich und lebensfeindlich. Denn der fehlerfreie Zustand würde Stillstand bedeuten. In einer perfekten Welt mit ebenso perfekten Menschen ohne Unterschiede würde jeder Antrieb, etwas zu tun, erlahmen. Die Natur macht ja auch dauernd „Fehler“, das heißt, sie weicht vom Ideal ab. Und erst dadurch entstehen Vielfalt und Entwicklung.

Der Wunsch nach Perfektion ist ein von Menschen gemachtes Konstrukt (Ich weiß, wovon ich rede ;-)). Meist weil wir Fehler überbewerten und als Versagen interpretieren. Das lernen wir oftmals schon im Elternhaus oder in der Schule durch das Notensystem.

Natürlich gibt es Bereiche, wo Perfektion wünschenswert ist. Wenn ich mich z. B. operieren lassen muss, möchte ich natürlich das alles perfekt verläuft. Doch wie man weiß, ist auch dies oft nur ein frommer Wunsch...

Und für die meisten Dinge im Leben gibt es ohnehin keine Kriterien für Perfektion:

  • Wie ist der perfekte Partner/die perfekte Partnerin?
  • Was müssen perfekte Eltern tun oder lassen?
  • Wie arbeitet ein perfekter Coach?

Also: Entspann Dich. Hör auf, perfekt sein zu wollen. Tu Dein Bestes. Das reicht meistens. Und manchmal eben nicht. So what?

4. Du musst nicht auf allen Hochzeiten tanzen

Wenn Du erfolgreich bzw. glücklich sein willst bei dem was Du tust, gib Dir die Erlaubnis in die Tiefe, statt in die Breite zu gehen. Zehnkämpfer können nie in allen Disziplinen so gut sein wie ein Einzelkämpfer in seiner Disziplin.

Egal ob Du Dich als Coach selbstständig machen möchtest, oder ein interessantes Hobby pflegst. Wenn Du darin ganz präsent bist und Dich ganz dieser Sache widmest, wirst Du weiter kommen, als wenn Du Dich verzettelst weil Du glaubst, Du musst auf allen Hochzeiten tanzen.

Vielleicht können Dir diese Gedanken helfen, Dich auf das Wesentliche in Deinem Leben zu konzentrieren. Auf das, was DIR tatsächlich wirklich ist.

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Samstag, 25 März 2017 14:00

Coaching versus Beratung

Ziele treffen im coachingWann ist eigentlich genug „gelabert“?

Letzte Woche fand der Info-Abend zu unserer nächsten Coaching-Ausbildung im September 2017 statt. Im Rahmen des Abends demonstrierten mein Kollege und ich in einem Rollenspiel, wie aus unserer Sicht ein Coach professionell oder weniger professionell auf seinen Klienten eingehen kann.

Dies führte zu einer lebhaften Diskussion, was denn nun „richtiges“ bzw „falsches“ Coaching sei. Ich habe mir daraufhin nochmal Gedanken zu meiner eigenen Coaching-Praxis gemacht. Diese möchte ich gerne mit Dir teilen und bin schon jetzt gespannt, auf Deine Meinung.

 

Coaching von Anfang an

Ich habe damals in meiner Coaching-Ausbildung gelernt, dass es für meine Klienten und den damit verbundenen Coaching-Prozess wichtig und „richtig“ ist, dem Klienten Selbstverantwortung zuzuschreiben. Das heißt, er ist für das Ergebnis des Prozesses selbst verantwortlich. Ich kann ihn auf seinem Weg „nur“ unterstützend begleiten. Dabei bin ich selbstverständlich wertschätzend und empathisch. In keiner Weise mache ich ihm Vorschriften oder erteile Ratschläge. Ich stelle geschickte Fragen, die den Klienten zum Nachdenken anregen, so dass er sich die Lösung des Problems selbst erarbeiten kann.

So weit, so gut. Nur, muss das in dieser Weise wirklich für alle Klienten gelten? Da wir doch auch gelernt haben individuell auf unsere Klienten einzugehen, muss es doch nicht zwangsläufig für jeden Klienten hilfreich sein, seine Geduld mit endlosen Fragen zu strapazieren. Dies soll nicht negativ klingen, weiß ich sehr wohl um die Kraft von Fragen zum richtigen Zeitpunkt. Nur, kann es nicht auch im Sinne des Coaching-Prozesses hilfreich sein einen Klienten provokativ herauszufordern und damit vom gewohnten Schema abzuweichen?

Ein Coaching-Fall aus der Praxis:

Dazu ein Beispiel aus meiner Coaching-Praxis. Ich wurde von einer Firma beauftragt ein Business-Coaching mit einer Führungskraft durchzuführen. Es ging darum, das Führungsverhalten zu „verbessern“, da es mehrfach Kritik aus dem Team gab. Von Anfang an war klar, dass wir ziemlich schnell auf den Punkt kommen mussten, denn bekanntlich ist Zeit Geld und das Budget für den Coaching-Prozess war von Anfang an begrenzt. Jetzt kann man natürlich sagen, dass dies doch immer der Fall ist und wir bestrebt sind, möglichst schnell zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen. Doch sieht es in der Praxis etwas anders aus, wenn einem der Auftraggeber gleich zu Beginn zu verstehen gibt, dass das Coaching nicht dafür genutzt werden soll die Lebensgeschichte der Führungskraft zu bearbeiten… Ich machte daraufhin den Vorschlag eine Mischung aus Beratung und Coaching anzuwenden was in diesem Fall gut geheißen wurde.

Nach relativ kurzer Zeit war klar, dass die Führungskraft klare Verhaltensvorschläge von mir hören wollte und kein „Eiern“ um sein Problem als Führungskraft. Einerseits war sie schon an Selbstreflexion interessiert doch anderseits wollte sie neue Verhaltensmuster ausprobieren und sehen, ob sich damit Erfolge verzeichnen lassen. Nun hätte ich hier natürlich nachfragen können, „Welche Situationen wie diese hat es schon mal gegeben und wie sind Sie dann erfolgreich damit umgegangen?“, oder so ähnlich. Alles gut und alles an passender Stelle sinnvoll. Nur in diesem Fall war es meinem Klienten wichtig, Ideen an die Hand zu bekommen, wie sich das Verhalten gegenüber den Mitarbeitern und damit die Stimmung im Team konkret verbessern ließe. Zusätzlich hatte er Druck von Seiten seines Vorgesetzten. Auch hier musste er Ergebnisse liefern.

Ehrlich gesagt, konnte ich das Anliegen meines Klienten (und seines Chefs) sehr gut verstehen. Die Luft im Team brannte und auch die Führungskraft hat gemerkt, dass sie so manche Situation durch entsprechendes Verhalten entschärfen könnte. Nur leider fehlte ihr hier das notwendige Handwerkszeug. Ich bin somit seiner Bitte gerne nachgekommen und wir haben gemeinsam Lösungsideen erarbeitet, die ihm tatsächlich weitergeholfen haben. 

Nicht immer ist es also notwendig im Coaching das gesamte systemische Repertoire zu nutzen. Manchmal möchten Klienten tatsächlich einen Ratschlag. Und, was wäre ich für ein Dienstleister, wenn ich die Bedürfnisse meiner Klienten nicht ernst nehmen würde? Schließlich zahlen sie (bzw. ihre Firma) für das Coaching bzw. die Beratung.

Praktische Klärungshilfe auf Augenhöhe

Das heißt, in diesem Fall benötigte jemand praktische Klärungshilfe und keine intellektuellen Fragetechniken, bei denen einem schon beim zuhören schwindlig werden kann ;-) („Wenn ich Ihre Frau fragen würde, wie Ihre Tochter Sie als Vater sieht. Was würde sie mir antworten?“). An anderer Stelle haben diese zirkulären Fragen absolut ihre Berechtigung. Doch, wie schon gesagt, macht es aus meiner Sicht Sinn, sich klar auf den jeweiligen Klienten und sein Anliegen einzustellen.

Wäre ich auf seinen Wunsch nach Beratung und klaren Handlungsstrategien nicht eingegangen, hätte er wahrscheinlich nach ein paar Sitzungen abgebrochen, da es ihm nicht effizient genug wäre. Und was hätte ich davon gehabt? Einen unzufriedenen Kunden und das Gefühl als Coach versagt zu haben. So waren wir beide am Ende zufrieden. 

Ich habe damals aus diesem Beispiel gelernt, dass es wichtig ist flexibel zu bleiben. Nicht nur in seinem Methodenrepertoire sondern in seiner grundsätzlichen Herangehensweise. Auch wenn ich es für sinnvoll halte, wenn jemand seine Lösungen selber erarbeitet, muss es nicht für jeden Coaching-Klienten so sein. Es kann sehr erhellend sein festzustellen, wie effektiv ein Coaching bzw. eine Beratung sein kann, wenn man dem Klienten tatsächlich auf Augenhöhe begegnet und sich seiner Welt des Denkens anpasst. Schließlich geht es um das Wohl des Klienten. Auch ist es sowohl für die Beziehung zwischen Coach und Klient, als auch für das Verständnis des Prozesses hilfreich, die Klienten zu Beginn des Coachings über den Unterschied zwischen Coaching und Beratung aufzuklären, so dass dieser entscheiden kann was ihm wichtig ist.

Aus meiner Sicht wird Coaching manchmal etwas zu weich gespült. Da gibt es viele intellektuelle Luftschlösser, die entdeckt werden wollen, doch wird dabei manchmal die praktische Anwendung vergessen. An dieser Stelle würde ich mir wünschen, dass der gesunde Menschenverstand die Oberhand gewinnt.

Harte Samthandschuhe

Vielleicht hört es sich hart an, aber oftmals ist das Leben genau so. Vor allem das Berufsleben. Hier wird nicht nur „weich gespült“. Hier müssen klare Fakten auf den Tisch und spürbare Veränderungen sichtbar werden.

Doch Vorsicht! Die eben beschriebene Vorgehensweise sollte nicht mit der „Holzhammer-Methode gleich gesetzt werden. Es geht nicht darum, einem Klienten mal so richtig die Meinung zu „geigen“ und zu zeigen wer hier das Sagen hat. Es ist absolut nichts gegen intellektuellen Anspruch oder Theorienvielfalt und ein breites Methodenspektrum zu sagen. Je versierter, desto besser. Aber ein effektiver Coaching-Prozess benötigt die richtige Dynamik zwischen Pacing und Leading, zwischen Problem und Lösung, zwischen Theorie und Praxis.

Es gibt einfach Klienten, die können mit der vielen Fragerei nichts anfangen und sind schnell davon genervt. Da nützt es nichts zu sagen: „Aber es wäre jetzt wirklich sinnvoll, wenn wir uns das in Ruhe ansehen.“ Er will eine kompetente und konkrete Unterstützung, ein schnelles Coaching, vielleicht eine Beratung; am Ende eine nachhaltige Lösung. Und er will aktiv herausgefordert werden, dafür bezahlt er uns schließlich. Wir dürfen dann auch mal Feedback geben und vor allem – ganz menschlich – auch mal unsere Meinung anbieten. Die meisten Klienten mögen es, wenn sie mal wohlwollend provoziert werden. Das führt sie ebenfalls zur Selbstreflexion und zum Nachdenken über ihre aktuellen Verhaltensmuster. Ob das an dieser Stelle Coaching oder Beratung genannt wird, ist unerheblich. Wesentlich ist, dass sich unsere Klienten von uns verstanden fühlen und spüren, dass wir unser Handwerkszeug verstehen. Das gibt ihnen Sicherheit.

Wie denn jetzt coachen?

Ich bin der Diskussion von unserem Info-Abend zur Coaching-Ausbildung sehr dankbar, hat sie doch den Interessenten nochmal gezeigt, wie facettenreich unsere Arbeit als professionelle Coaches sein kann und auch gesehen wird.

Wichtig ist für mich, meine Arbeit beherzt anzugehen. Unbequem zu sein, da wo es meiner Meinung nach sinnvoll ist, Fragen zu stellen, die den Klienten herausfordern, den Coaching-Prozess klar zu führen um dem Klienten Sicherheit zu geben; und zu spüren wann es sinnvoll ist praktische Ratschläge intellektuellem Philosophieren vorzuziehen.

Jetzt ist mir natürlich Deine Meinung wichtig. Was hältst Du davon ab und wann etwas direktiver als gewohnt zu agieren?

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Donnerstag, 09 März 2017 10:16

Coaching verkaufen - So geht`s

Verkaufsargumente für Coaching

Höher – schneller - weiter – Coaching kann`s!

Coaching macht aus Führungskräften bessere Menschen – Mit Coaching wird jeder Konflikt zum Kinderspiel - Mitarbeiter lassen sich durch Coaching zu Höchstleistungen motivieren. Wow, eine echte Wunderwaffe, mit der man alles aus dem Hut zaubern kann, könnte man meinen!

Es ranken viele Gerüchte und Mythen um Coaching. Heute möchte ich Dir erklären, was Coaching wirklich kann und welche wissenschaftlichen Belege es dafür gibt. Mit diesen Argumenten kannst Du bei Deinem nächsten Verkaufsgespräch punkten. Denn, natürlich möchte eine Firma einen „Beweis“ dafür, dass Coaching etwas bringt und sie ihr Geld nutzbringend eingesetzen wird. Das ist nur allzu nachvollziehbar.

Welche Versprechen kann Coaching denn nun tatsächlich erfüllen? Lange gab es keine systematischen Untersuchungen und demnach auch keine nachprüfbaren Belege über die Wirksamkeit von Coaching. Dies führte dazu, dass „alles“ „irgendwie“ machbar war, zumindest wenn man auf die vielen „Marktschreier“ auf dem Gebiet gehört hat. Doch dies hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert, da Coaching und seine Wirkweise gut wissenschaftlich ausgeleuchtet wurde und immer noch wird.

Hier ein paar Behauptungen aus der „Praxis:“, die wissenschaftlich untersucht wurden.

„Coaching ist ein Karriereturbo. Wenn Du aufsteigen willst, dann geh zu einem Coach, der hebt Dich auf die nächste Stufe.“

Hierbei handelt es sich um Marketinggetöse von eher fragwürdigen Anbietern. Als seriöser Anbieter kannst Du ein solches Versprechen gar nicht geben, da es bei Beförderungen viel zu viele Kriterien gibt auf die im Coaching kein Einfluss genommen werden kann.

Keine wissenschaftliche Studie belegt den Zusammenhang zwischen Karrieresprung und Coaching.

„Coaching fördert die Entwicklung der Willenskraft.“

Diese Eigenschaft, die für das berufliche Weiterkommen förderlich ist, wird durch  Coachingmaßnahmen am meisten gefördert, wie wissenschaftliche Untersuchungen (Uni-Amsterdam um Tim Theeboom) gezeigt haben. Somit hat Coaching indirekte Einflüsse auf die Karriere.

Nach einem Coaching haben Führungskräfte häufig konkretere Ziele vor Augen und besitzen klarere Strategien wie sie sie erreichen wollen. Außerdem planen sie bessere Aktionen zur Erreichung und schöpfen aus der Zielerreichung mehr Energie, die sie für die Verfolgung weiterer Ziele nutzen können.

Dr. Harald Geißler, Coaching-Forscher der Universität Hamburg, führt das darauf zurück, dass die Führungskräfte nicht nur ihre expliziten Ziele mit ins Coaching bringen sondern auch ihre impliziten Ziele. Dies sind unbewusste Ziele, deren Nichterreichung eine gewisse Unzufriedenheit mit sich bringen.

Je eindeutiger die impliziten Ziele herausgearbeitet werden, umso klarer wird der Führungskraft was sie wirklich will, was sie im Inneren antreibt. Dass dies die Willensbildung und deren Umsetzung fördert, liegt auf der Hand.

Häufig müssen Umwege gegangen werden um die impliziten Ziele herauszuarbeiten, da diese im Unterbewusstsein liegen und nicht direkt zugänglich sind. Das braucht Zeit und ist ein Grund, warum Coaching selten schnell geht. Das heißt, die Führungskraft muss etwas Geduld mitbringen. Ergebnisse von 61 Businessstudien sprechen hier von durchschnittlich 5 – 12 Sitzungen von durchschnittlich 1 Stunde über einen Zeitraum von 3 – 10 Monaten. An dieser Stelle wäre es schön, wenn sich Hypnose auch in Führungskreisen verstärkt durchsetzen würde. Doch das ist ein anderes Thema...

„Coaching muss möglichst schnell gehen“

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Dauer des Coachings und seinem Erfolg, laut Metastudie Amsterdam. Das liegt wahrscheinlich an der unterschiedlichen Komplexität der Themen. Je konkreter das Anliegen desto kürzer das Coaching.

Wichtig ist es hier, das richtige Maß zu finden, sonst kann es kontraproduktiv sein, da die gedankliche Nähe zwischen Coach und Klient zu groß werden kann. Das System wächst quasi zu stark zusammen und entwickelt ähnliche Einstellungen zu bestimmten Themen.

Dagegen hilft: Nicht immer zur vertrauten Person gehen, sondern mit einem neuen Thema auch gerne mal den Coach wechseln. Verschiedene Coaches für verschieden Fälle, statt „ein Coach für alle Fälle“. Sowohl dem Coach als auch dem Klienten sollte klar sein, dass es sich um eine Arbeitsbeziehung handelt und die sollte es auch bleiben.

„Die Chemie zwischen Coach und Klient ist das Wichtigste überhaupt“

Eine intakte Beziehung ist für den Erfolg des Coachings wichtig. Doch ist die Chemie nicht der alles überstrahlende Erfolgsfaktor. Besonders die Art und Weise und der Wechsel zwischen verschiedenen Methoden trägt zum Erfolg eines Coachings bei. Dies jedenfalls behauptet eine Studie des Ashridge Institutes for Coaching, in der 400 Coachingbeteiligte befragt wurden.

Es gibt aber keine verbriefte wissenschaftliche Erklärung dafür. Wohl eher nach dem Motto: „Viele Körnchen Wissen ergeben eine weise Antwort.“

Je mehr Techniken ich anwende, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich eine treffe, mit der mein Klient besonders gut zurecht kommt. Ich bin also in der Lage unterschiedliche Lerntypen anzusprechen. Außerdem basieren viele Methoden auf bestimmten Typologien bzw. Rastern. Dadurch wird Komplexität verstehbarer und bearbeitbarer gemacht.

„Je komplexer das Thema, um so besser ist Coaching geeignet“

Prof. Dr. Harald Geißler von der UniHamburg ist überzeugt, dass es kein Weiterbildungsformat gibt, dass besser geeignet ist um sich in eine neue Rolle hineinzufinden als Coaching. Geißler stützt sich auf Studien die zeigen, dass die Selbstwirksamkeit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nach einem Coaching deutlich höher sind als vorher. Die Steigerung der beiden genannten Fähigkeiten ist im Mittel ähnlich hoch wie die Steigerung der Willenskraft.

„Coaching hat einen Langzeiteffekt“

Dr. Annette Christina Pannenberg lehrt an der Euro-FH Hamburg Coaching und hat einen Langzeiteffekt von Coaching, über 6 Monate hinaus, in ihrer Dissertation geliefert (2013). Sie konnte feststellen, dass die Selbstorganisation steigt und es weniger Fehlentscheidungen getroffen werden. Dies führt sie auf gewonnene Einsichten der Führungskräfte über sich selbst zurück. Da Coaching auf Selbstreflexion ausgerichtet ist, lernt der Klient auch immer etwas über sich selbst.

Die ermittelten Auswirkungen von Coaching auf das Entscheidungsverhalten ließ sie, gemeinsam mit weiteren Faktoren, in eine Kosten-Nutzen Formel einfließen. Der Nutzen überstieg die Kosten oft um mehr als 120 %.

Weitere Studien belegen laut Uwe Böning eine bessere Konfliktlösung, besserer Umgang mit Risiken, reibungsloser verlaufende Change-Pozesse, weniger Krankheitstage. Somit hat Coaching einen betriebswirtschaftlichen Nutzen. Dies ist keine läppische Marketingfloskel.

„Coaching kann Führung besser machen.“

Hierfür gibt es keinen unmittelbaren wissenschaftlichen Beweis. Aber deutliche Hinweise auf einen mittelbaren Zusammenhang. Zum Beispiel wird die Kluft zwischen Selbst- und Fremdbild reduziert, da der Klient stets zwei Spiegel vorgehalten bekommt. Der eine, in dem er sich selbst sieht, der andere, der Ihm zeigt, wie andere ihn sehen. So erfährt der Klient wie ihn andere wahrnehmen. Dies kann dazu führen, dass sich eine Führungskraft authentischer bzw. glaubwürdiger gegenüber den Mitarbeitern verhält. Diese beiden sind laut Führungsforschung zentral für die Mitarbeiterführung. Somit könnte man die allgemeine Verbesserung von Führungsqualitäten als willkommene Begleiterscheinung des Coaching bezeichnen.

Vielleicht hast Du jetzt ein paar Argumente in der Tasche, die Dich bei Deiner nächsten Verhandlung untersützen können. Das würde mich freuen.

Wenn Du Dich weitergehend mit dem Stand der Forschung des Coaching-Marktes beschäftigen möchtest, sei Dir das Buch, "Ergebnisse der Coaching-Forschung: Aktuelle Studien - ausgewertet für die Coaching-Praxis" von Uwe Böning empfohlen.

 

 

 

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